Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 12 (15.6.1923)
- Date
- 1923-06-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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(Seite 6 Hr. 12 ^)ie Wahrheit i wenn schon nicht gleich zur dauernden Kohäsion zu bringen. Ein solcher Judentumskongreß zur stehenden periodischen Einrichtung geworden, soll wohl nicht, darf auch gar nicht - und wird nicht zu einer Art Synedrialmacht werden, auch nicht zu einem die Grundprinzipien verflachenden Kompromißbehelf, aber er wird doch sehr viel beitragen die Verwirrungen in Verbindungen umzuwandeln und sich zu einem objektiven unparteiischen, von allen anerkannten und maßgebenden Forum entwickeln, von dem die Richtschnur für ganz Israel zumindest für sehr viele Fragen seines Wohl und Wehe ausgehen kann. Das aber wäre der Anfang von Kibuz Golijaus. Wer Optimist und Idealist genug ist, die Anregung nicht zu belächeln und zu verwerfen, wird auch wissen, daß es damit zu erfüllen gilt das Gebot des prophetischen Schriftverses: "PX. “TO Wsp -lönn to ^5 ^2 NO „Bahnet, bahnet, .räumet den Weg, entfernt den Anstoß vom Wege meines Volkes". (Jesaja 57, 14.) Oberrabbiner Dr. Altmann, Trier. Christliche Führer gegen den Antisemitismus Von Med.-Rat Dr. Heinrich H a a s e. (Schluß.) ...Dühring sagt in seinem antisemitischen Buche „Die Judenfrage" glatt und rund heraus: „Ein Christ, wenn er sich selbst versteht, kann kein ernsthafter, vollständiger Antisemit sein",... es ist wahr: Christentum und Antisemismus schließen einander vollständig aus und'...,, man kann nur eines von beiden sein, entweder Christ oder Antisemit, niemals aber beides zusammen; er sagt weiter: „diejenigen, welche an der christlichen Ueberlieferung festhalten wollen, sind nicht im Stande, sich mit Nachdrücklichkeit gegen das Judentum zu wenden... das Gemüt der neueren Völker kann erst frei werden und seine besten Eigenschaft«! rein betätigen, wenn es die Religion und und allen Hebraismus aüstreift." -...Man kann sagen: der Haß christlicher Glaubensgenossen gegen den Volksstamm, welchem Jesus seiner Geburt nach angehörte, und auf dessen religiöse Ideen sein ganzes Lehrgebäude gegründet war, ist eine persönliche Beleidigung gegen den Weltheiland und eine Verleugnung des Ursprungs des eigenen religiösen Bekenntnisses... Von einer jüdischen. Mutter geboren und durch das mosaische Rituell in die monotheistische Glaubensgemeinschaft der Juden ausgenommen, hat er bis zur Kreuzeshöhe hinan niemals ausgehört, sich als echtes Kind seines Volkes zu fühlen und zu wissen... und noch im Todeskampfe ringt sich das hohepriesterliche Gebet über seine Lippen: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun..." „Sie hassen zuletzt", sagt Paulus Cassel, „das Heil, weil es von den Juden kommt. Sie empören sich gegen Gott, weil er im A. T. gelehrt wird... Die „Deutsche Wacht" stellt die verblüffende Behauptung auf: „Die Deutschen würden Christen sein, auch wenn Christus nicht gelebt hätte"... was sagen die Psychiater dazu?... < Nächst der Tatsache, daß Jesus ein Jude war, ist begreiflicherweise für die Antisemiten nichts so peinlich und ärgerlich, weil der Propagierung der judenfeindlichen Ideen in der christlichen Gesellschaft so hinderlich, als daß auch die Apostel Juden waren, auch. Paulus, dem es zu danken ist, daß die Völker der Gegenwart, deren Vorfahren im Heidentum steckten, ihr Christentum, also mittelbar die Zivilisation, die Abschaffung der Sklaverei, die gehobene Stellung des Weibes, die großen Ideen, auf welche sich der moderne Rechtsstaat gründet, der selbstlosen, aufopferungsvollen, todesmutigen Begeisterung eines Juden und gerade dieses Juden, der mit so zäher Liebe an seinem Judenvolke hing, dem Paulus verdanken... . ...Dr. Gustav Bickell, kathol. Professor der orientalischen Philologie in Münster hat in einer gelehrten Schrift „Messe und Passah" den Nachweis geliefert,daß die katholische Meßliturgie dem altjüdischen PassalMituale streng nachgebildet ist; und bei der Kommunion vertritt die Hostie das ungesäuerte Brot, dessen sich die Juden auch heute noch am Osterfeste bedienen. Daß der christliche Religionsunterricht auf der untersten Stufe mit der Behandlung der biblischen Geschichte des A. T. und der. zehn Gebote Moses beginnt, weiß jeder noch von der ersten Volksschulklasse her. Aber auch >im christlichen Gottesdienste in der Kirche werden Abschnitte aus dem A.T. gelesen, so in!der katholischen Wesse,die Psalmen 43,121 rr. a. während von den für die Sonn- und Feiertage bestimmten Bibelabschnitten, den sogen. Perikopen, welche in der evangelischen Kirche zur Vorlesung kommen und der Predigt als Grundlage dienen, die epistolischen^ Texte für den Christtag, den Epiphaniatag, den Charfreitag dem Propheten Jesaias entlehnt sind. Die herrlichsten Kirchenlieder der evangelischen Kirche sind Umdichtungen jüdischer Psalmen, wie die Lieder Luthers: „Ach Gott, vom' Himmel sieh darein und laß dich des erbarmen" (Ps. 12), „Aus tiefer Not schrei ich zu Dir (Pf. 130), „Eine feste Burg ist unser Gott" (Ps. 46), das Lied Nikolaus: „Wie schön leuchtet der Morgenstern" (Ps. 45), das Lied Paul Gerhards: „Befiehl du deine Wege" (Ps. 37)... Zum Schlüsse jedes evangelischen Gottesdienstes wird der Aaronische Segen („Der Herr segne -dich und behüte dich u. s. w.") gesprochen., Die Amtskleider der christlichen Geistlichen sind zum Teil Nachbildungen altjüdischer Gewänder „nach dem Vorbilde Aarons". Das „Humerale" der katholischen Priester ist eine Nachbildung des aus Vhssus (Baumwollstoff) angefertigten „Ephod", der Amtskleider des Hohepriesters... die „Bäffchen" der evangelischen Geistlichen symbolisieren die mosaischen Gesetztafeln.... ... Vom christlichen Standpunkte aus kann der Antisemitismus immer nur als eine Verhöhnung der ewigen Grundwahrheiten des Evangeliums, als eine Versündigung an der christlichen Moral, alH eine Verleugnung des Ursprungs des eigenen religiösen Bekenntnisses, als eine Verletzung der Pietät, welche wir der Person des Erlösers und seiner Apostel schulden, als eine Erniedrigung des eigenen Gottesdienstes angesehen werden. Wir beschimpfen, indem wir die Juden hassen, den Erlöser, das Christentum, unsere Kirche, unseren Glauben, unseren Gottesdienst, unsere frommen Bräuche, uns selbst. Die! "römischen' Kriegsknechte schlugen dem Herrn in's Gesicht. Was die 'Antisemiten tun, ist ungefähr dasselbe... Verlegenheitspolitik, Charakterschwäche und das bei ängstlichen Gemütern begreifliche'«Widerstreben sich mit einer Partei in Konflikt zu bringen, bei welcher grobe Ungezogenheit die Lücken des Verstandes, kecke Phrasenhaftigkeit den Mangel an positivem Wissen und brutale Rücksichtslosigkeit die entsetzliche Armut an Herzbildung verdecken soll, haben es verschuldet, daß der Antisemitismus das Anstandsgefühl noch immer verletzen, die Bevölkerung noch immer unbestraft beunruhigen darf..." Aerbrt Ubsnnrnie« fir „vir SUabrbeit“!