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Die Wahrheit · 1923-05-30 · Heft 11 (30.5.1923) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 11 (30.5.1923)
Date
1923-05-30
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Die Wahrheit Nr. 11 ist." Der Eindruck, den dieses salomonische Urteil zunächst macht, ist, daß sichdie Richter in den „Geist" des Waberischen Gesetzes nicht zurechtfinden können;'fein Hauch aber leider noch immer spürbar ist. Es dürfte allerdings keinem Gerichte der Welt möglich! sein, authentisch zu interpretieren, was es mit der Rassenzugehörigkeit auf sich habe, nachdem die maßgebendsten Gelehrten selbst bisher über diese Frage nicht einig werden konnten. Das wahre Gesicht. Die vom „Schutz- und Trutzbund sür Oesterreich (Obmann Leo Haubenberger) eingeleiteten Eingangsbestrebungen mit dem schon im Ausfterben begriffenen Antisemitenbund (Obmann Nationalrat Jerzanek) scheiterten an der von Haubenberger aufgestellten Forderung nach Ablehnung jedweder habsburgerischlegitimistischer Richtung. Die Herren vom „Antisemitenbund" erklären, die Legitimisten in ihren Rechen des „Schutz- und Trutzbundes" wegen nicht abstoßen zu können. Wir wollen diesem sicher-nicht das Wort reden, aber wieder einmal sieht man die innige Verquickung von Monarchismus und Antisemismus, von der in diesen Blättern schon schon des öfteren die Sprache war. Hakenkreuzlerbewegung in Eger. Es ist kein Senator zu gering, als daß er seine Wähler nicht beglücken könnte! Bei einer allgemein zugänglichen Versammln^ der Staats- und Komunalbeamten in Eger ergriff dereinst der national-sozialistische Senator Fahrner, nach einer kurzen doch begründeten Jeremiade eines Oberlehrers im Ruhestande, das Wort zu einem anderthalbstündigen Sermon. Er erklärte: „Sämtliche Standes- und Privatinteressen müssen verblassen und weichen, gilt es die nationalen Güter zu retten und zu erhalten!" — Es versteht sich, daß eme national-sozialistische Tendenzrede nicht der Garnierung mit Judenhaß und sozialdemokratischer Verhöhnung entbehren kann, wenngleich die Argumente des Herrn Senators hiezu Mf tönernen Füßen standen und den eingeflochtenen Tendenzen die geistigen Schwingen furchtbar schlapp hingen, was des Hervorhebens wert erscheint, ist der Umstand, daß nach der verklungenen Pointe der Einberufer ein-, zwei- und dreimal 'die Anwesenden zur Erwiderung vergebens aufforderte! Stumm blieb alles ringsum! Nichteinmal eine "Resolution wurde vorgeschlagen. Es herrschte schwüle Atmosphäre — man trank Bier und ging. Wohl hatte Herr Fahrner Hilfe versprochen, trug manches sogar in sein Notizbuch ein... Doch niemand hat bis dato — zwei Jahre ist's hev,— vom Erfolg etwas vernommen!... Nun bringt bas „Egerländer Tagblatt" eine Merke, die der sozialdemokratische „Volkswille" folgendermaßen kommentiert: „Das Tragen von Hakenkreuzen sowie das Anbringen dieser Abzeichen erlaubt" betitelt sich eine Notiz, die das „Egerländer Tagblatt" kürzlich brachte. Dort wird in akademischer Weise auseinandergesetzt, daß das Tragen des Hakenkreuzes erlaubt ist und daß jeder Mensch durch das Anstecken dieses Abzeichens sein „Bekenntnis zum Ariertum und einer arischen Weltanschauung" ablegen könne; nur den Mittelschülern sei vorläufig noch verboten, das Hakenkreuz Zu tragen. Sodann Heißt es: Dagegen wurde die Verwendung des Hakenkreuzes auf ihren Maifeier-Plakat den deutschen Nationalsozialisten ausdrücklich erlaubt. Ein großes Verdienst erwarb sich in der Vereinigung dieser Frage Herp Senator Fahrner. Die Nationalsozialisten von Eger können dem Herrn Senator Fahrner, der sich „ein großes Verdienst" erworben hat, am besten dadurch danken, daß sie ihn ganz öffentlich - zum „Ehrcnhakenkreuzträger" ernennen. Theater, Kunst u. Literatur. Volksoper. Neu einstudiert „Tausendundeiner Nacht". Bei ihrer Uraufführung, die Johann Strauß persönlich im Jahre '1871 leitete, hieß die Operette „Indigo und die vierzig Räuber". Es war das erste Bühnenwerk des Walzerkönigs, das noch mehrfach Namen und Libretto ändern sollte und erst nach dem Tode desf Meistens seine heutige Gestalt fand. Nun wird es in der Volksoper als „phantastische Oper" aufgeführt und Dr. Kaiser, der von seiner Amerikatournee zurückgekehrt ist, schwingt den Taktstock. Die herrliche Musik vermag uns alle Zauber von. „Tausendundeiner Nacht" vorzugaukeln. Die Damen Reich-Dörich, Bürge und Atter, die Herren S t r e h 1, Ludwig und Beer singen mit Temperament die Hauptrollen. Wir haben hier wenigstens sieben Operettentheater, aber keines hat Zeit und Lust, in Johann Strauß' Heimatstadt seine unsterblichen Meisterwerke einzustudieren; der Volksoper allein, die wirklich in' diesem Sinne eine Oper zfür's Volk jst, bleibt dieses Verdienst Vorbehalten. <. H. Dr. Joseph S. .Bloch „Israel und die Völker" (Sammelschrift für die Verteidigung des Judentums), Berlin 1923, B. Harz-Verlag. Wenn ein Mann berufen sein soll, eine gründliche Verteidigungsschrift für das Judentum zusammenzustellen, so muß er nicht nur Gelehrter von Fach sein und zugleich beredt genug, um auf alle Beschuldigungen einzugehen und ihnen beizukommen, sondern er muß solche Anschuldigungen auch miterlebt haben. Der 73jährige, im Kampfe für das Judentum ergraute Bloch ist beides im hohen Maße und daher vielleicht der Einzige unserer Zeit, der zur Bearbeitung eines solchen pollständigen Werkes die Fähigkeit hat. Während eines Zeitraumes von fast vier Jahrzehnte war „Rabbr Bloch" der Schrecken der Judenfeinde in Oesterreich-Ungarn. Er hat sich auch jetzt als Greis nicht zur Ruhe gesetzt. Seinen im vorigen Jahre erschienenen „Erinnerungen aus meinem Leben" folgte nun das vorliegende, fast 60 Bogen umfassende Werk. Es muß als eine stolze Leistung und als das wertvollste und wichtigste jüdische Buch dieses Jahres bezeichnet werden: Mit der ihn auszeichnenden Kraft der Sprache, geht Bloch auf alle Anklagen ein, die gegen das Judentum in alter und neuer Zeit erhoben wurden. Er führt eine scharfe Klinge und geht ,ckllen zu Leibe, die es versucht haben, die Juden des Mordes, des - Christenhasses u. zu beschuldigen. So scharf der Verfasser auch mit den, Judenfeinden ins Gericht geht, bemüht er sich doch rein wissenschaftlich zu bleiben. Die Wahrheit, der er dient gibt ihm die Kraft alles mit den besten Beweisen zuj widerlegen. Die Arbeit ist das Ergebnis jahrelangen Forschens und ist mit ungewöhnlicher Gründlichkeit dargestellt. Das Buch darf in keinem! jüdischen Hause -fehlen und sch beglückwünsche den greisen Verfasser, daß ihm die Gnade verliehen war, das Erscheinen dieses großen Buches zw erleben. Ch. Bl. Paul Georg Münk. Mit Jungvolk allep Länder, auf Sylt. Ein pädagogischer und völkerpsychologischer Versuch. Leipzig, D ü r r's che Buchhandlun g, 1923. Ein jugendfroher Lehrer unternahm cs, in unserer Zeit des Völkerhasses eine Schar junger Menschen ausi allen Ländern auf der Insel Sylt, um sich zu versammeln und aus ihnen eine Lebensgemeinschaft zu bilden. — Er bewies

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