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Die Wahrheit · 1923-05-30 · Heft 11 (30.5.1923) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 11 (30.5.1923)
Date
1923-05-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 11 Die Wahrheit Seite 7 ...„Wer die Geschichte der Juden kennt und sich der I Staatsbürgern, nämlich für die Juden, außer Wirksamkeit tausendjährigen Verfolgung derselben durch die christlichen gesetzt werden? Kann man das, ohne sich selbst des Wider- Völker und Regierungen erinnert, wird aus den hohlen, spruches inne zu werden, in welchem man sich befindet?... Augen der bleichen, abgehärmten und abgezehrten Ge- ...Gibt es für gewissenlose Streber etwas bequemeres, stalten der Flüchtlinge aus dem Osten, die ihm begegnen, als an die Begierden der Massen zu appellieren, sich den erschütternden Vorwurf lesen: „Das habt Ihr aus uns von armen, irregeführten Menschen auf die Schultern gemacht", und wenn er nicht statt des Herzens einen Stein heben zu lassen, dann, wenn die entfesselten Leidenschaften im Busen trägt, so wird er sich der Beschämung ebensoihren Lauf zu nchmen beginnen, sich seitwärts in die wenig wie der Rührung erwehren können; der Kummer Büsche zu schlagen und vom sicheren Orte zuzusehen, wie und das Elend dieser Armen wird sein Mitleid erwecken..." die Verführten die Züchtigung erhalten, welche eigentlich „...Gregorovius sagt von dem 1847.aufgelassenen den Verführern gebührt hätte? Und sollen wir geduldig Ghetto Roms: „Reich sind seine Bewohner an Menschlichwarten, bis der Pöbel, durch antisemitische Reden und keit unter sich, daß der Wohlhabende dem Elenden gerne Schriften verführt... die Juden mißhandelt, ihre Wohnunhilft, daß der aufopfernde Familiengeist, das dauernde gen geplündert, ihre Häuser angezündet hat? Gdvsfiül cnnsulesl Erbe Israels, nirgends so mächtig und so wohltätig sich Wo der Unsinn zu gemeinschädlichem Wahnsinn ausartet, zeigen möchte, als dort, und daß es Tatsache ist, wie diese dort haben die Hüter der öffentlichen Ordnung die Pflicht, nüchternen und fleißigen Menschen selten um Verbrechen dafiir vorzusorgen, daß der friedliche Bürger nicht täglich willen gestraft werden."... Gefahr laufe, öffentlich von Tollhüuslern angefallen zu „...Die Antisemiten hassen die Juden auch aus sozialen werden... Beweggründen; sie erklären das religiöse Moment für durchaus nebensächlich, erblicken aber in ihnen eine Gefahr für das Eigentum, den Wohlstand und die Freiheit der sie bedrückenden Völker und hassen sie aus fürsorglichem Interesse für das künftige materielle Wohl und die Eigenberechtigung der indogermanischen Nationen, ohne freilich zu ahnen oder zu bedenken, welch empörendes Armutszeugnis sie den letzteren und sich selbst damit ausstellen. . . ... ...Der Antisemitismus ist ein Anachronismus;- wie Herrn Relrgwnslehrer Markus Pick angeregt, die bejedem solchen ist ihm der hippokratische Zug ins Gesicht stunden Wiener Bibelschulen zu permehren. Der gewiß geschrieben. Er tritt als eine Erscheinung auf, welche mit löbliche Vorschlag dürfte meines Erachtens im doppelten dem Geiste der Zeit — allerdings 1887, also lange vor Sinne des Wortes ein frommer Wunsch bleiben; aus dem Weltkriege geschrieben, D.R. — mit der Stufe der Gründen, Me ich rm folgendes erörtern will. Zivilisation, die wir erklommen haben, mit der Humanität, Bibelschulen werden von Kindern besucht, deren Eltern der wir uns rühmen, mit den Einrichtungen des modernen an ^er religiösen Bildung ihrer Kinder ein wirklich großes Staates, auf die wir stolz sind, und mit den ewigen Wahr- Interesse haben, und dieses Interesse; ist leider in Kreisen heiten der christlichen Religion, die wir bekennen, im der Elternschaft kein sehr weit verbreitetes. Ich muß bei offenen Widerspruch steht. Eine solche Erscheinung kann diesem Anlasse betonen, daß nach meinen Beobachtungen sich zwar wie ein von kräftiger Hand geworfener flacher der jüdische Religionslehrer in der allgemeinen Wertung Stein eine Zeitlang tänzelnd über dem Wasser halten, schulbesuchender Kinder hinter seinen weltlichen Kollegen Aber das Naturgesetz ist stärker als die nachwirkende zurücksteht. l Kraft der Menschenhand, das Gesetz der Schwere zwingt m Es kommt wohl äußerst selten vor, daß Erkundigungen den Stein gegen den Willen des Schleuderers unter die über den Fortgang der religiösen Unterrichtsgegenstände Fluten, und die Geschichte geht über den Widersinn doch eingeholt werden. Wozu auch, der Aufstieg ist ja von der immer wieder zur Tagesordnung über... schlechten Note in Religion nicht mehr abhängig, wie in ...Der Antisemitismus bezweckt, indem er die Juden der guten alten Zeit, der staatsbürgerlichen Rechte entkleiden, ihnen den Schutz , Aber selbst wenn ich annehme, es gelänge die Jugend und die Wohltat der zu Recht bestehenden Gesetzgebung für den regelmäßigen Besuch der Bibelschulen! zu interesentziehen möchte, eine partielle Wiederherstellung einer sieren, muß ich bezweifeln, daß der. dort ausgestreute der Vergangenheit angehörigen Barbarei, ohne die Samen auf geeigneten Boden fällt. Gogol spricht in Rechtsanschauungen für sich zu akzeptieren, aus welcher seinem Roman „Tote Seelen" ein schönes und kluges, diese sich entwickeln mußte... In der Zeit des gelben Wort: „Kindern muß man die Lehren vorloben". Nun Fleckes war auch der Bauer leibeigen und der Bürger sehen wir einmal zu, wie die modernen Juden ihren Kin-i vom Adel verachtet.... dern das Jüdische vorloben. An den höchsten Feiertagen >..Es muß aber von allen klar Denkenden bei jeder setzt sich auch der sonst weniger gläubige Jude mit dem antisemitischen Kundgebung, ganz abgesehen von der Frage lieben Gott auseinander, erscheint im Bethause und benach der sittlichen Berechtigung, die Frage nach der tätigt auch seinen Wohltätigkeitssinn. An weniger hohen logischen Berechtigung des antisemitischen Standpunktes Feiertagen und Sabbathen haben die Gotteshäuser wirkaufgeworfen werden. Kann man denn, so wird und muß lich schwachen Besuch. Die Morgen- und Abendandachten der gesunde Volkssinn fragen, von der auf den Ruinen an Wochentagen sind vollends eine Angelegenheit der mittelalterlichen Bölkerdruckes erbauten parlamentarischen „Minjanleute". Bequemlichkeit, Indolenz und Sorge um Rednerbühne, kann man auf dem Boden der politischen des Lebens Notdurft sind die Ursachen der kultischen» und konfessionellen Freiheit, kann man als Konsequenz Lauheit weiter Kreise. Auch das moderne Familienleben der Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetz (Ttod) entspricht nichts weniger als dem jüdischen Ideal. Der dazu in einer Republik! D.R.) die Forderung erheben, Vater hat seinen Klub, seine Tarockgesellschaft, die Mutter es müsse jener Druck bezüglich eines einzelnen Stammes, ihre Jours, bei denen sie von den Kindern nicht gestört der Juden, wiederhergestellt und es müsse diese Freiheit werden darf, weshalb diese der Obsorge bezahlter, meist und Gleichberechtigung für eine besondere Kategorie von j andersgläubiger Personen überantwortet werrden, in diesem (Fortsetzung folgt.) Lehre und Beispiel. Von Aschkenasi. In der vorletzten Nummer der „Wahrheit" wurde von

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