Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 10 (15.5.1923)
- Date
- 1923-05-15
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Die Wahrheit Seite 17 cher Leser verwunden. Man ist deshalb noch lange kein schöngeistiger Feschak, wenn man die Bundeslade als eine „verdammte Truhe" bezeichnet, oder den Gott der Juden an einer Stelle des Buches als „liebes Jahoele" anspricht. „Derlei tut man nicht in Israel" möchte ich ein wiederholt gebrauchtes Motiv Frankfurters diesem in Erinnerung bringen. Nein, derlei tut man nicht in Israel; derlei überläßt man den Delitzschen, Fritsch und Dinter, die anders nicht tun können, weil sie das andere als Sünde wider das Blut ihrer Volksgenossen betrachten würden. Widerstrebend, aber doch muß es gesagt werden, daß der Zynismus dieses Buches viele seiner Vorzüge auslöscht. d. Fritz Kahn: „Das Leben des Menschen." Frankh- Ver lag, Stuttgart. Der Verfasser, der unseren Lesern durch sein Werk „Me Juden als Rasse und Kulturvolk" in guter Erinnerung sein dürfte, liefert uns ein Monn-- Mentalwerk, das in 4 Bänden (je 10 Lieferungen) das ganze Wissensgebiet, das wir „dev Mensch" nennen wollen, behandelt. Embryologie, Anatomie, Physiologie, Chemie, Physik, all diese Gebiete sind in einer wunderbaren geistvollen Weise dargestellt. Noch viel lebendiger wird das Werk durch die Unmenge prächtiger Illustrationen, die uns in die Wunderwelt unseres Mikrokosmos führen,. Wir können hier nicht alle Vorzüge dieses Werkes besprechen. Um sie kennen zu lernen, gibt es nur einen Weg: Das Werk selber lesen und bewundern. K. Vermischtes. Eine Kulturdebatte im Wiener Gemeinderat. Anläßlich der Vorlage betreffs der Verleihung von fünfzig Stipendien an bedürfUge Hochschüler durch die Gemeinde Wien stellte Gemeinderat Dr. P l a s ch k e s den wohlberechtigten und wohlbegründeten Antrag, daß diese Stipendien nur solchen .Hochschülern erteilt werden sollen, die in Wirklichkeit studienbeflissen sind, ohne durch verhetzende Demagogie das Ansehen Wiens und die Ruhe seiner Bürger zu gefährden. Man sollte glauben, das Vernünftige sei auch das Selbstverständliche und findet es unbegreiflich, daß dieser Antrag auf Widerspruch der gemeinderätlichen Hakenkreuzler stoßen konnte. Die Stipendiengelder fließen aus dem Gemeindesäckel, zu dessen Füllung b'ie Steuerträger ohnö Unterschied ihrer Parteizugehörigkeit, bczw. ihres politischen und religiösen Bekenntnisses herangezogen werden. Man darf nun nicht verlangen, daß die krawallbeflissenen jungen Akademiker und ihre alten Mitläufer sich in offenen Widerspruch zu Recht und Billigkeit setzen. Was bisher unter dem Schlagworte numeius clausus an gewalttätiger Roheit verübt wurde und noch weiter geplant wird, darf nicht auf eine Prämie aus Gemcindegeldern hoffen. Wenn unter dem Machtregime Dr. Luegers Sozialdemokraten und Schönerianer geächtet, von jeder Amtsstellung im Gemeindedienste ausgeschlossen wurden, ist es unter den geänderten Verhältnissen undenkbar, den weit bedenklicheren Nationaldeutschen Aufmunterungspreise zu geben. Leopoldstädter Tempelverein „Assohel Awrohom“ Wien, II. Pazmanit8ngas88 6. KONKURS. Der Vorstand obgenannten Tempelvereines eröffnet den Konkurs auf die derzeit unbesetzte Stelle des Oberkantors (Chasan). Jüngere Bewerber, welche musikalisch gebildet sein müssen, sowie die Fähigkeit haben, mit Chor zu fungieren, haben den Nachweis über die zur Vorsehung dieser Funktion erforderlichen Qualitäten und Bedingungen, sowie der vollen Kenntnis hebräischen Bissens und allgemeiner Bildung zu erbringen. Auch die Eignung zum Thoravorlesen wird gefordert, Ordnungsgemäß adjustierte Kompetenzgesuche unter genauer Angabe des Alters, Geburtsortes, Staatsbürgerschaft, allfälliger Studien sowie der Nachweis eines voruteilsfreien Lebenswandels sind unter Anschluß dokumentarischer Belege und insbesondere mit Bekanntgabe der bisherigen Verwendung bis spätestens 10. Juni 1923 beim Unterzeichneten Obmann, II. Nowarag. 21, einzubringen, Für den Vorstand: OSKAR 5CHRAMEK Obmann. RabmdranalH Tagore kommt nach Palästina. Die in Jerusalem erscheinende Hebräische Wochenschrift „Al Hamischmar" („Auf dem Posten") veröffentlicht einen Brief der ehemaligen palästinensischen Kindergärtnerin und jetzigen Leitung einer Tagore-Schule in Indien, Sulamich Pilom, in welchem diese mitteilt, daß Rabindranath Tagore Vorbereitung trifft, um noch m diesem Jahre Palästina zu besuchen. Einweihung der Kandelaber im Großen Leopoldstädter Tempel. Ein von uns in der letzten Nummer zitiertes Fragment aus der Festrede Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. Max Grün Wald anläßlich der feierlichen Einweihung der vom „Verein der Freunda des Großen Leopoldstädter Tempels" gestifteten Leuchter hat vielfach in Leserkreisen den Wunsch laut werden lassen, diese Rede zu veröffentlichen. Wir entsprechen hiemit diesem Wunsche: „Und Gott machte die beiden großen Leuchten, daß sie leuchtend walten sollten bei Tag und bei Nacht". Wenn wir es wagen, diese Leuchter, die wir heute einweihen, mit den beiden großen Himmelsleuchtern zu vergleichen, so ermutigt uns hiezu ein Ausspruch des Talmuds über die Einweihung des Heiligtumes in der Wüste: „An jenem Tage empfand Gott über die Ruhmestat des in begeisterter Opferfreudige keit geeinten Volkes dieselbe Freude, wie einst über die Vollendung seines eigenen Schöpferwerkes, die . Erschaffung von Himmel und Erde". Demnach dürfen wir hoffen, das auch die Widmung dieser Leuchter Gottes Wohlgefallen findet, zumal diese Leuchter nicht zu bewerten sind nach den Herstellungskosten und nicht nach dem, was sie dem Auge bieten, sondern nach dem, was sie unserem Herzen sagen, und nach den Umständen, die ihre Herstellung ermöglicht haben, — zumal sie in sich zwei Himmelsleuchten verkörpern, zwei Leuchten am Himmel der jüdischen Her-