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Die Wahrheit · 1923-05-15 · Heft 10 (15.5.1923) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 10 (15.5.1923)
Date
1923-05-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 10 Die Wahrheit Seite 13 wie die Universität Politik niacht, ist einfach unerträglich. Die Studenten kämm er in der Form, wie sie an der Wiener und erst recht an der Grazer Universität gewählt wird, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Von über 11.600 Hörern in Wien wurde;: etwa 5000 als wahlberechtigt anerkannt. Von diesen haben an der Wahl für die Studentenkammer 2435 teilgenommen. Es ist also gegenüber der 'Zahl der wirklich Universitätsbesuchenden die verschwindende Minderheit. Eine solche Einrichtung wäre vielleicht möglich, wenn sie sich inoffiziell betätigte. Wenn man aber einer solchen Korporation, die doch eine reine Parteisache ist, Rechte tatsächlich gibt — in Graz geht das sogar soweit, daß die Beiträge für die Kammer beim Einheben der Jnskriptionstaxen eingehoben werden, als ob sie die offizielle Vertreterin der Studentenschaft wäre — dann ist das etwas Ungeheuerliches und verletzt die Rechte der anderen Studenten. Da handelt es sich nicht mehr um die freie Betätigung politischer Meinungen, sondern schon um die Vermengung von Politik und amtlicher Tätigkeit. Dabei hat man nicht einmal immer den Eindruck, als ob die Universitätsbehörden mit den Wünschen und Meinungen der Studenten innerlich mitgehen würden. Es sieht vielmehr so aus, als ob ein Nachgeben gegen den sich am lautesten benehmenden Teil der Studentenschaft ist. Allen diesen Dingen wäre zu begegnen, wenn man sich entschlösse, einen wirklichen Hochschul aus schuß zu schaffen, zu dem man allen Studenten österreichischer Staatszugehörigkeit und denen aus den deutschredenden Ländern das Wahlrecht.gibt^und hie Wahlennach dem Proportionalwahlrecht durchführt. Der Mißbrauch der Politik in dem Sinne, daß irgendeine parteipolitisch gerichtete Organisation als legitime Vertreterin der gesamten Studentenschaft betrachtet wird, geht so weit, dojß die Verwaltung der Universität sich nicht scheut — in Wirklichkeit; ist ja nicht der jährlich wechselnde Rektor, sondern der B l u m a u e r der Herr der Universität — vielfach bei ausländischen Spenden diesen Studentenausschuß, dev ganz parteimäßig gerichtet ist, zum Verteiler zu machen. Ebenso war das bei Bekleidungsaktionen der Fall. Es wird sogar behauptet, daß auch bei den Geldern die vom Ausland für die Universitätsinstitute aufgebracht worden sind, nicht die volle Gerechtigkeit bei der Aufteilung gewaltet habe und manche kleinere Institute dabei sehr schlecht weggekommen sind. An der technischen Hochschule, wo der eigentliche Hochsitz der Hakenkreuz ler ist, geht die Rache noch weiter, dort ist eine Druckerei, die von Studenten bedient wird und in der hakenkreuzlerische Kundgebungen gedruckt werden sollen." Der Antisemitismus im Organ des Reichsvereines der Bank- und Sparkassenbeamten Oesterreichs, Wien. In der letztausgegebenen Nummer 3, vom 20. März der in einer Auflage von 28.000 Exemplaren erscheinenden Zeitschrift „Der Oesterreichische Bankbeamte, Organ des Reichsvereines der Bank- und Sparkassenbeamten Oesterreichs, Wien" findet sich Seite 23 folgende Annonce: Sekretär für Beamtengewerkschaft in Deutschböhmen wird gesucht. Derselbe soll sein: ledig, in Gewerkschaftssachen erfahren, genauer Kanzleiarbeiter, guter Stenograph und Maschinschreiber. Tschechoslowakische Staatsangehörigkeit ist erwünscht. Offerte unter „Arier bevorzugt" sind an die Expedition unseres Fachblattes einzusenden. Es muß als sehr bedauerlich bezeichnet, werden, daß in dem vom Nationalrate Herrn Allina geleiteten.Vereinsblatte derartige Annoncen Ausnahme finden. Der verantwortliche Redakteur, Herr Dr. Heinrich Weschler kann nicht die Behauptung ausstellen, daß die Redaktion für die Textierung der Annoncen nicht verantwortlich sei. Aus der jüdischen Frauenbewegung. Weltkongreß der jüdischen Frauen. Am 6. Mai abends fand die Eröffnung des Weltkongresses jüdischer Frauen statt. Ungefähr 500 Personen hatten sich im kleinen Rittersaal der Hofburg eingefunden. Als Frau Direktor Ullmann als älteste Delegierte Oesterreichs de:: Kongreß eröffnete, konnte sie als Ehrengäste den Bundespräsidenten Dr. Ha i n i s ch und seines Mutter Frau Marianne 5) aiursch unter stürmischen Applaus der übrigen Anwesenden begrüßen. Außerdem sah man zahlreiche Universitätsprofessoren, Professor Dr. Pick als Präsidenten der Kultusgemeinde, Oberrabbiner Professor Dr. Chajes und viele andere. Die Delegierten aus 19 Ländern waren vollzählig erschienen. — Als erste sprach Frau Anittg M ü l l e r - C o h e n. Sie betonte, der Kongreß habe die Pflicht, der jüdischen Frau vor Augen zu führen, was sie ihrem Volke schulde, nämlich aufrichtige starke Menschen zu erziehen. Stürmischer Beifall erhob sich, uls Frau Marianne Hainisch an den Rednertisch trat und das Wort ergriff. Sie mahnte an die wichtige Aufgabe der der Frau, das Gemütsleben zu fördern. Sie dankte den amerikanischen Frauen, von denen sie, wie sie sagte, seit Jahren so viel empfange. Ich,'bekomme, fuhr Frau Hainisch fort, aus Amerika Pakete, Geld und Geld und kann viele damit glücklich machen. Die amerikanische Frau hat aber eine inoch größere Pflicht. Siewuß uns den Frieden bringen und den Kampf für den Frieden der Welt von Amerika aus durchführen. — Dann sprachen noch Professor Dr. Pick für die Kultus gemeinde und die Damen Harris und Ko Hut aus Amerika und schließlich Oberrabbiner Prof. Dr. Ch a j e s, der erklärte, es wäre erfreulich, wenn Frauen und Männer nicht gesonderte Kongresse abhielten, die den jetzigen Kongreß beschäftigen'. Die Hauptaufgabe des Kongresses sei, das jüdische Volksgefühl zu wecken, um gemeinsam den Kampf gegen den Antisemismus zu führen. Aber kein Sanieruncfswerk könne helfen und werde gelingen, ohne daß die besten und edelsten Menschen unter den Nichtjuden selbst den Kanrpf gegen den Judenhaß in die Hand nehmen. — Hierauf hielt Bundespräsident Dr. Hainisch Cercle, wobei er insbesondere die amerikanischen Delegierten durch Ansprachen auszeichnete. Der Judenhass wächst! Nur fester Zusammenschluss und Opferwilligkeit zu gemeinsamer Abwehr können dagegen helfen! Tretet der „Union deutsch-österreichischer Juden* % Eurer bewährten Schutzorganisation bei! Stärket unseren Pressfond! Abonniert unser Organ „Die Wahr heit!" Tue Jeder seine Pflicht!

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