Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1923-04-27 · Heft 9 (27.4.1923) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 9 (27.4.1923)
Date
1923-04-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3064121-3064130--12151-3079589
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 8 Die Wahrheit Seite 13 Was «l Bayern gedruckt werden darf. Dev berüchtigte Waller Kellerbauer, Herausgeber des blutrünstigen Hetzblattes Deutscher Volkswille giert offenbar dem „Miesbacher Anzeiger" den Lorbeer zu entwinden und hat in diesem Bestreben eine vielbemerkte Rekordleistung geboten. Unter der Spitzmarke „Das wandernde Geheimnis" schreibt er: „In Kürze kann eine' durchgreifende Wendung in der Judenfrage und damit in der Schicksalsfrage des deutschen Volkes stattfinden. Einen deutschen Gelehrten,einem gründlichen Kenner der jüdischen Geschichte und des Altertums, ist es gelungen, hinter das wandernde „Geheimnis" des Judentums zu kommen. Er erbringt in einer bald fertiggestellten Broschüre die Beweise fiir einen verdeckt unter uns Deutschen lebenden jüdischen Geheimbund, dessen, Ziel die Ausplünderung und Versklavung des 'deutschen Volkes nach wohlerwogenen und wohlerprobten Plänen ist und der sich hiezu der von ihm beherrschten Regierungen und Heere rings um bedient. Der staatsgefährliche jüdische Geheinrbund erstreckt sich über tue ganze Welt, ist großartig organisiert und verfügt über ungeheure Geldmittel. Seine Oberleitung ist ein im Verborgenen lebender Priesterkönig, der über diktatorische Gewalt verfügt. Zu besonderen Zwecken werden von bestimmten Mitgliedern des staatsgefährlichen Geheimbundes alljährlich Hunderte der gesündesten Kinder in grauenvoller Weise ermordet. Die Bundesmitglieder sind an einem besonderen Zeichen erkennbar und treiben Landesverrat für die Zwecke des Bundes. Der Verfasser weist nach, wie die Satzungen des Geheimbundes von den Juden als „Religion" ausgegeben werden und wie der Bund unter der Maske der „Religion" sein staatszerstörendes Raub- und Mörder- Handwerk ausübt, und den Untergang des deutschen Volkes herbeiführt, damit Juda die Weltherrschaft antreten kann." Der fragliche deutsche Gelehrte, gründlicher Kenner der jüdischen Geschichte — wenn er überhaupt existiert — und Walter Kellerbauer sind einander würdig. Nicht um diese Feststellung ist es uns zu tun, sondern»darum!, ob es ungeahndet so weiter gehen kann, daß die Brunnenvergiftung als schwere Gefahr fiir einen Teil der deutschen Bevölkerung diese gefährden darf? Der Hatenstcrn. Das von uns wiederholt nach Verdienst gewürdigte Scharfmacherblatt der Wiener Nationaldeutschen, der von den Ideen des „Völkischen Beobachters" geleitete „Michel" ist eine unversiegbare Quelle der Heiterkeit fürden genießerischen Leser. Den unterschiedlichen Schriftleitern muß — wenn der Evangelist recht hat — das Himmelreich sicher sein. Hier soll nicht des ausführlichen davon die Rede sein, wie die Mitarbeiter unter und über dem Strich in der: gleichen Ausgabe des „Michel" im Widerspruch zu ein-» Zander stehen. Man vergleiche die Abhandlung „Jüdische! Helden" mit dem „Weg zur deutschen Einheit", wo Wilhelm II. nicht besser wegkommt als weiland S. M. König David. Solche und ähnliche Entgleisungen müssen einem Blatte wie „Michel" nicht übelgenommen werden, obgleich oder weil sie der Komik nicht entbehren. Dankbar aber sei vermerkt was in der gleichen Ausgabe für das Zwerchfell, - ohne Unterschied der Parteistellung geleistet wurde. Da hieß es: „Zur Juden frage. In der letzten Lenzingwoche ist eine Abordnung der bodenständigen Wiener Juden beim Führer der nationalsozialistischen Partei Dr. Riehl erschienen und hat ihm ein gemeinsames Vorgehen gegen die Ostjuden angeboten, unter denen auch die bodenständige Judenschaft schwer zu leiden habe. Die nationalsozialistische Parteileitung hat den Vorschlag abgelehnt. Diese judenfeindlich-jüdische Vereinigung nennt sich „Hakenstern". Die „letzte Lenzingwoche" fiel mit dem 1. April zusammen und es dürfte einen spaßhaften Unbekannten zum Bewußtsein gekommen sein: Am 1. April schickt man den „Michel" hin, wohin man will. Und er ließ sich ahnungslos schicken, ließ sich von einem tückischen widerlichen Grubenhund den jüdischen „Hakenstern" apportieren, so daß Juden und Christen sich auf dem interkonfessionellen Gebiet eines homerischen Gelächters nicht genug tun konnten. » Erkläret mir...In der Bolkszeitung vom 12. April war die Notiz enthalten: „An alle deutschen Volksgenossen! Der Nationalverband deutsch-österreichischer Unteroffiziere, Soldaten und Gleichgesinnter fordert alle Kameraden, welche für das deutsche Volk eintreten, auf, sich dem Nationalverbande anzuschließen zwecks gemeinsamer Interessenvertretung. Anmeldung in der Verbandskanzlei, Burg, Schweizerhof, II. Stock, Tür 15. Telephon 750." In einer zweiten Notiz derselben Nummer wurden die Nattonaldeutschen eingeladen, an der Sonntag, den 15. April stattfindenden Versammlung teilzunehmen. Ge- -nein? war jene geplante, aber von der Polizei und dem Niederösterreichischen Landeshauptmann verhinderte Feldo-enstübung der Hakenkreuzler. Beide Notizen trugen das ton der Preßbehörde geforderte Zeichen der bezahlten Aufnahme. Angesichts dieser Tatsachen möchten wir die Redaktion der V. Z. um Erklärung bitten, wie es kommt, daß sie allein von allen angeblich freisinnig demokrattfchen Blättern sich zu solchen, bei ihr oft bemerkten antisemitischen antttepub litauischen Veröffentlichungen hergeben kann, ob es gestattet ist, Aufforderungen zu bringen, die im Widerspruch zur behördlichen Verfügung stehen? Ob die B. Z. noch weiter sich als republiktreues bürgerliches Organ aufzuspielen den Mut haben wird? lind schließlich die gewiß nicht müßige Frage, wie lange Leser des genannten Blattes sich von diesem Doppelspiel wollen irreführen lassen? _; , , .. ■:;:l[ Versöhnung zwischen Christentum nnd Judentum? Nach einer Meldung aus Hamburg, fand dort eine Beratung von hervorragenden jüdischen und christlichen Persönlichkeiten statt über die Frage, wie eine Versöhnung der Gegensätze hier anzunehmen wäre. Die Aussprache soll angeblich „positiv" verlaufen sein. Wenn wir auch einigermaßen im Unklaren darüber find, wie dieser Posittvissrus beschaffen sei, dürste es sich im wesentlichen doch nur um eine Neubildung eines Vereines zur Bekämpfung des' Antisemitismus handeln, und nachdem der Gedanke von der Hamburger Altneubund-Loge ausging, deren wir seinerzeit erwähnten, können wir der ganzen Aktton wenig Begeisterung oder Vertrauen entgegenbringen. Der schleierhafte Bericht verschweigt, um welchen Preis der Friede geschlossen werden soll. Nehmen wir die günstigsten Bedingungen, so bleibt imrmü noch die kardinale Schwierigkeit, daß der eine Kontrahent, von dem! der Erfolg abhängt, kein Christentum im evangelischen oder Logensinne besitzt und die Hakenkreuzler nicht selbst den Ast werden absägen wollen, der ihnen eine leichte und lohnende Existenz bietet. Die „positive" Aussprache der Hamburger Religions- | Pazifisten kann deshalb nur einen akademischen Wert haben. Kleider«, Pelzeu. Gummimäntetfabrik Zenitale: Detailvetkanü: Wien, II., Glodtengasse. Wien, II., Taborstraße 44.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.