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Die Wahrheit · 1923-04-27 · Heft 9 (27.4.1923) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 9 (27.4.1923)
Date
1923-04-27
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Die Wah rh eit Nr. 8 Theater, Kunst u. Literatur. Wiedererscheinen der „Friedenswarte". Die Monatsschrift die „Friedens-Warte", die seit dem Tode chres Begründers Als. H. Fried eingestellt war, beginnt jetzt wieder zu erscheinen. Sie wird nun von Rudolf Goldscheid in Gemeinschaft mit Ludwig Quidde, Walter Schücking, Hans Wchberg und Friedrich Hertz herausgegeben. Soeben kam das erste Heft — eine Doppelnummer von 64 Quartseiten — heraus, das außer Beiträgen der Herausgeber und reichen Nachrichten- und Notizenmaterial u. a. Aufsätze von Norman Angell, Charles Trevelyan, Prof. Ruyssen, Reichstagspräsidenten Loebe, Prof. Fr. W. Foerster, Dr. Rich. N. Coudenbove, Helette Stöcker usw. enthält. Der Bezugspreis beträgt 1000 Mark pro Vierteljahr. Bestellungen nimmt jede Buchhandlung wie auch der Verlag C. A. Schwetschke L Sohn in Berlin entgegen. P. Reboux. Der einzige Weg. „Les drapeaux“, Roman aus dem Französischen, übersetzt von Rudolf Fürst, Verlag Grethlein & Co., Zürich — Leipzig 1922. Der Roman von Reboux, ein in die Gedankengänge der pazifistischen Weltanschauung einführendes vortreffliches Kunstwerk, beleuchtet die Kriegstreibereien derer, die an den jetztigen Verhältnissen verdienen, sowie die Lügen einer einflußreichen Presse. Der einzige Ausweg aus der Verwirrung der Gegenwart ist Verständigung zwischen Deutschland, in Dem der Franzose Reboux nicht den Feind sehen kann, und Frankreich. Das Werk ist eine Schrift ersten Ranges. O. H. Sabbathlichter von Heinrich Eisen st ädter. Eine Sammlung kurzer schmuckloser Skizzen und Erzählungen, wie sie in geruhsamen Stunden Großmütterchen ihren lieben Enkelkindern erzählt. Aber auch die Erwachsenen werden sich an diesen schlichten Schilderungen aus dem jüdischen .Groß- und Kleinstadtleben erbauen, wie man auch gerne nach den ewig jungen Märchenbüchern Grimms und Andersens greift. Die „Sabbathlichter" schöpfen aus der Fülle des jüdischen Milieus, belehrend und unterhaltend, sie waren ursprünglich in der Jugendbeilage des Frankfurter „Israelit" erschienen und liegen als 1. Band der Sammlung „Jüdische Volksbücher für Jung und Alt" iw Verlag von Sänger & Friedberg, Frankfurt a. M.l vor. Die freundliche Aufnahme, denen sie begegneten, ist für die weiteren Ausgaben der jüdischen Volksbücher vielsprechend. S. Zangwill. „Die Stimme von Jerusalem". Autorisierte Ausgabe. Deutsch von Ella Bacharach-Friedmann. Mit einem Vorworte von Dr. Hans Heinz Ewers. Berlin, Verlag Siegfried Cronbüch, 1922. Preis 70 Mark. In diese Welt, die trotz aller Friedensverträgck von Gegensätzen erfüllt ist, läßt Zangwill die Stimmen von Jeru-. salem erschallen. Gewiß ist Zangwill Engländer, aber er ist auch Jude, ganz beherrscht von dem Gedanken der idealen Sendung, den seine Gemeinschaft zu erfüllen hat. In bunter Fülle hat er das Leben an sich vorbeirauschen sehen, hat das Judentum in seinen verschiedensten Erscheinungsformen in sich ausgenommen. Wohl wird man mit mancher seiner Formulierungen nicht einverstanden sein können; Man wird vielleicht auch hiev und da, wünschen, daß die Dinge hätten kürzer gefaßt werden können, aber man wird das Buch doch mit großem Nutzen lesen und trotz aller Gegensätzlichkeit in den Anschauungen von seiner Liebe zum Judentum erschüttert sein. Dr. Willy Cohn, Breslau. Rudolf Herzog: Kameraden, Roman. (I. G. Cottas Nachfolger, Stuttgart.) Rudolf Herzog ist inr Laufe seiner Entwicklung i mmer unsympathischer geworden, mann kann ihn kaum mehr als guten deutschen Unterhalter bezeichnen, eine Anerkennung auch dichterischer Vorzüge ist überhaupt bei ihm ausgeschlossen. Zur Höhe der Gesinnung und Lebensführung hat Herzog die Menschen seiner Romane äußerst selten überhoben. Dies gilt auch wieder von den „Kameraden", ehemaligen Offizieren, die Neuland bearbeiten, in Herzogs neuem Roman; er hat im Rahmen der Geschichte, die immerhin fesselnd ist und interessante Menschen vorführt, eine merkwürdige Stellung zu allen Zeitgenossen seit der Revolution genommen. Besonders auffallend sind die ästhetischen Schwächen Herzogs, solche Unterhalter sind heute dem deutschen Volke wenig wert. O. H. Die Lehre des Judentums. Nach den Quellen herausgegeben vom Verband der deutschen Juden. Unter Mitwirkung von L. Baeck, I. Ellenbogen, S. Hoekfeld, M. Holzma^n, A. Loewenthal, bearbeitet von Simon! Bernfeld. -II. Teil: Die sittlichen Pflichten des Einzelnen. Berlin, 1921, C. A. Schwetschke ,und Sohn, 9 Mark. Die erschreckend anschwellende Flut der judenfeindlichen Bewegung legt allen Berufenen die Verpflichtung auf, zur Abwehr auf dem Plan zu erscheinen. Die für Zwecke der Apologie geleistete Arbeit zeigt aber, das ist das Tröstende, bleibende Werte. Das Judentum wird sich in der aufgezwungenen Fechterstellung erst seines Besitzes voll bewußt. So ist auch die vorliegende Sammlungj von Perlen jüdischer Ethik mit Freuden zu begrüßen. Sie wird die stürmische Zeit des wogenden Kampfes für und wider das Judentum überdauern. Mit Sorgfalt werden in diesem Bande Lehren des'Judentums über Wahrhaftigkeit, Bescheidenheit und Dankbarkeit, Arbeit, geschlechtliche Sittlichkeit, Gerechtigkeit, Nächstenliebe, Pflichten des Fannlienkreises, Förderung des Gemeinwohles und Pflichten gegen das Tier übersichtlich zusammengestellt und sachkundig eingeleitet. Auf Erschöpfung der Quellen erhebt diese Auslese keinen Anspruch. Monograpstischer Behandlung der einzelnen Kapitel wird eine solche Ausbreitung sowie Vertiefung der einzelnen Gegenstände mit Streiflichtern auf anderen Kulturgebiete Vorbehalten bleiben müssen. Studien, die Rezesent u. a. den Kapiteln „Ehrfurcht vor dem Alter" und „Waisenfürsorge" im Judentum gewidmet hat, ließen ihn erkennen, wie reich die Aufschlüsse über das ethische Empfinden der Juden sind, die ein gründliches Eingehen aus die vom Schrifttum und Leben gelieferten Daten ergeben. Der Verband der deutschen Juden hat mit dieser Veröffentlichung wiederum eine Leistung auszuweisen, für die Ihm alle Freunde ,der Wahrheit dankbar sein' müssen. G. Gustav Krojanker. Juden in der deutschen Literatur. Essays über zeitgenössische Schriftsteller. Weltverlag, Berlin 1922. Es ist zweifellos eine sehr gute Idee von Gustav Krojanker gewesen, führende Köpfe der Literatur zu essayistischen Äußerungen über Dichterunserer Zeit, die jüdischen Stammes sind, zu veranlassen. Es ist ja bekannt, in welch hohem Maße gerade zeitgenössisches literarisches Schaffen auf jüdischen Köpfen basiert, aber bei vielen der in Frage kommenden Männer und Frauen

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