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Die Wahrheit · 1923-04-27 · Heft 9 (27.4.1923) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 9 (27.4.1923)
Date
1923-04-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 9 Die Wahrheit Serie 7 . Noble Fenstereimverser! * Aus Prag wird uns geschrieben: Es muß eine besonders anmutende Musik in dem Klirren zerbrochener Fensterscheiben liegen, denn vor einigen Tagen beschlossen einige junge Herren, sich dieses Vergnügen zu verschaffen. Aber in exklusivster Weise, da sie der exklusivsten Gesellschaft angehören, nicht also etwa in der Ge!- sellschaft schmutzigen und wilden Pöbels, sondern ganz unter sich, wie es sich eben schickt. An einem der letzen Abende also zog eine kleine, aber gewählte Gesellschaft! von jungen Leuten in die Josefstadt, das heißt in das alte Judenghetto, und wählten die Fenster eines der Häuser als Objekte für gutgezielte Steinwürfe. Leider aber mischte sich bald die Polizei in die sonst harmlose Unterhaltung und mit Ausnahme eines einzigen der steinschleudernden Gesellschaft, eines jungen - Grafen Sylva-Tarouca, dem es gelang, der Arretierung zu ententkommen, wurden die Mitglieder, an ihrer Spitze der der junge Graf Clam-Marünitz, verhaftet und in den Polizeiarrest gebracht, wo sie die Nacht zubringen machten. Die jungen Herren wurden am folgenden Morgen mit einer gebührenden Ermahnung in ihre betreffenden Paläste entlassen. Fensterscheiben haben, wie man sieht, manchmal auch einen unangenehmen Klang, wenn sie auch mit noblen Steinen eingeschmissen werden. Wir beabsichtigen, in einer der nächsten Nummern unseres Blattes einen ebenfalls in dem interessanten Buche befindlichen Artikel des Kronprinzen zu veröffentlichen, der die im Jahre U883 erfolgten Judenverfolgungen im südwestlichen Ungarn zum Ausgangspunkte hat und bebesonders klar die liberale Gesinnung des Autors in Erscheinung treten läßt. Spenden.* Bon Sanitätsrat Dr. Alfred Goldschmidt (Berlin). Das Moralische versteht sich von selbst, jedoch nicht bei allen Menschen. Mit dem Notwendigen ist es nicht viel anders. Das Notwendige sollte unabweislich, sollte selbstverständlich sein. Es ist's nicht überall. Eine Gemeinschaft, die, wie die jüdische, von so vielen Seiten angegriffen wird, sollte in einer Zeit wirtschaftlicher Not, die an Institutionen, Parteien, Menschen nagt, ihre Mitel nicht gerade ihren Gegnern zuführen. Wirtschaftliche Mittel sind heute unentbehrliche Kampfmittel, sind Waffen, die Sein oder Nichtsein bedingen. Man kann sie zur Stütze der eigenen Existenz, zum Wöhle Darbender benützen, aber man braucht sie nicht unbedingt zur Hilfe derer zu verwenden, die ihre Sättigung benutzen, Wm desto kräftiger und infamer gegen uns zu hetzen. In einer besonders stark vom Antisemitismus verseuchten Universitätsstadt agitierte der Rektor der Universität auch, in finanzkräftigen jüdischen Kreisen und erhielt ihre Unterstützung für die antisemitische Studentenschaft der Stadt. Wäre hier nicht angesichts des empörenden Treibens der Studentenschaft eine glatte Ablehnung mit entsprechender Motivierung das richtige gewesen, oder wenigstens eine Beschränkung der Unterstützung auf diejenigen Kreise, die sich nicht antisemitisch'betätigen? . *) Den obigen Aufsatz, der in manchen Punkten für österreichische, bez. Wiener Verhältnisse zutrifft, haben wir der C. V.-Zeitung entnommen. mit antisemitischen Hetzereien zu beschäftigen. Sofern sie Es gibt in jeder Universitätsstadt wissenschaftliche Bereinigungen, die andere Dinge zu tun haben, als sich von kundiger Seite als einw andfrei bezeichnet werden, könnte man sie unterstützen und würde damit zur Genüge erweisen, daß man in seinem Hilfsdrange vor Konfessionen und Rassen nicht halt macht. Jede Demonstration nach dieser Richtung hin wäre sachlich gerechtfertigt und w ü n s ch e n s w e r t. Eine Studentenschaft, die jüdische Mittel nach Empfang als Kriegsgewinnertribut bezeichnet, braucht gewiß nicht gerade von jüdischer Seite unterstützt zu werden. In Erkenntnis dieser Dinge hat der V o r st a n d d e s Centralvereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in seiner letzten Sitzung auf Anregung des Verfassers dieser Zeilen einstimmig folgenden Beschluß gefaßt: „Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens erwartet im Interesse der jüdischen Gesamtheit, daß Unterstützungen von Geldsammlungen durch Unterzeichnungen von Ausrufen oder Hergabe eigner Spenden nur dann erfolgen, wenn die Sammlungen an sich die Gewähr bieten, daß die erzielten Mittel nicht Kreisen zugutekommen, die sich durch hetzerische antisemitische Agitation auszeichnen. Im Zweifelsfalle ist es unbedingt erforderlich, zu betonen, daß jüdische Spenden nur unter dieser Voraussetzung gegeben werden können." Amerikanische Kreise, die große Bereitschaft zur Unterstützung der Studentenschaft in Deutschland hegen, entsprechend verständigt worden. Vor dem Entzünden. Und der Woche wechjelvoller Hast Ein Gast tritt grüßend über deine Schwelle.? Der Friede kehret ein und jede Last Fällt von dir ab und dich erfüllt nur Helle. Rings um dich her ist köstlich süße Ruh. Ein Segensspruch steigt auf aus tiefstem Herzen Und feuchten Glanz im Aug' entzündest du Des uralt heil'gen Sabbats Weihekerzen. Beate Baumgarten. GTTTTTTGGGTSGTTTTTGTTTTGTTGGTTGTTTTGGO „Die Wahrheit“ Unabhängiges Organ für öffentliche Interessen PRAG kämpft unter Mitwirkung politischer und journalistischer Persönlichkeiten gegen den Antisimitismus, die Seaktion und um das friedliche Beieinanderlehen aller Völker und Nationen. Die „Wahrheit“ enthält Beiträge voa: Präsident Blasarik, Erzbischof Komao, Prof. Er. Radi, Prälat Dr. Gieeswein, Abgeordneter Prof. Dpina, Rab. Prof. Dr. Ziegler, Senator Klovao, Iiudwig Biro, Uaz Brod, Dr. Ernst Ryohnovuky, Dr. Georg Mannheimer, Dr. Dealderina Papp, Dr. Emtt Gabor, Josef Krauß, Jul. Epstein usw. Erscheint ab 1. Jänner 1922 zweimal monatlich — Abonnementpreis für Österreich: halbjährlich Ö.K 30.000.—Einzelnummer ö.K 3000. Redaktion und Administration: Prag, Könlgl. Weinberge, Zizkova ul. 12, sind

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