Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 8 (13.4.1923)
- Date
- 1923-04-13
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 8 Die Wahrheit Seite 17 frischer, umso inniger und umso gegenwärtiger blüht in uns die Erinnerung an die Heimat, die nns ferne ist, an die Wiegenlieder, die lange schon verstummt, an die Jugend, die wir flotten Schrittes längst durchquert, an die Eltern, die in heimatlichen Schollen ruhen, an die Freunde, die in der Welt zerstreut, und jeden Stein, der im Stadtgemäuer graut und uns uralte Geschichten erzählt". Eine tiefe Ergriffenheit bemächtigte sich der jüdischen Hörer, aller „all jene, deren Wiege in der Gasse gestanden, deren Jugend in ihren Mauern verflog" mit seinen Erinnerungen heimwärts führte, mit ihnen im Geiste wieder die „Gaffe" hinanklomm, wo das Elternhaus stand, wo die Mutter scheuerte uud säuberte, wo der Vater kämpfte, sorgte und betete, wo die Freundschaft sich erschloß, wo vielleicht die erste keusche Liebe regsam wurde und wo jedes zweite Nachbarhaus eine stille Andachtstätte iu seinen Mauern beherbergte. Nach ihm sprach noch der Direktor der Kaufmannsbank, Herr Ferdinand Herzfeld, ein meisterhafter Redner, der es verstand, die Ausführungen des Prof. Nasch gebührend zu würdigen, Herr Rabbiner Dr. M. B a u e r, der in trefflicher Weise die Stellung Preßburgs als geistiges und kulturelles Zentrum hervorhob und schließlich Herr Dr. Samuel Lemberg er, der Abkömmling einer berühmten Preßburger Patrizierfamilie, welch letzerer die religiöse, besser gesagt: jüdisch-orthodoxe Note brachte. Seine Anträge hatten eine kleine Debatte zufolge, wie es bei dem Gegensatz der in der Großstadt herrschenden Weltanschauungen vorauszusetzen war. Hiernach fand die Statutenvorlesung und Wahl der Funktionäre statt, aus welcher mit Akklamation Herr Moritz Nasch als Obmann, die Herren Ignatz Steiner, und Heinrich Lemberger als Obmann- Stellvertreter hervorgingen. Der neugewählte Obmann dankte sowohl in seinem, als auch im Namen seiner Kollegen, wie auch namens des Ausschusses für das Vertrauen der Versammlung und schloß unter zuversichtlichen Wünschen für die Zukunft und das Gedeihen des neugegründeten Vereines, die schöne Versammlung. ÖltemicftiUlKr Kantorenomin. In der Vollversammlung vom 30. Jänner 1923 wurde nachstehende Resolutian mit Stimmeneinhelligkeit angenommen: „1. Jedes Mitglied des „österreichischen Kantorenvereines" ist verpflichtet, vor der eventuellen Bewerbung um eine Kantorstelle wie auch vor Annahme einer Berufung auf eine solche sich vorerst bei dem Vorstande des Österreichischen Kantorenvereines darüber zu vergewissern, daß nicht Bedenken gegen die Annahme des Postens ob- ' walten. — 2. Jeder Kollege ist verpflichtet vor Abschluß und Nruerfertigung eines mit einem Gemeinde- oder Tempelvorstande einzugehenden Vertrages den Vertragsentwurf dem Vorstande des Österreichischen Kantorenvereines vorzulegen und dessen Wohlmeinung über den Inhalt desselben einzuholen. voppeijUbNSUM. Am ersten Tage des Peffachfestes wurden die Liwzer Tempelbesucher durch die Feier eines Doppeljubiläums freudigst überrascht. Die ältesten Beamten der Kultusgemeinde Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Moritz Fried mann und Herr Sekretär und Religionslehrer S. P i s k a t y feierten ihr 40-jähriges Amtsjubiläum, der erstere als Rabbiner und Seelsorger, der letztere als Kultusangesiellter uud gleichzeitig das 25-jährige Jubiläum als Funktionär der Kultusgemeinde. Aus diesem Anlasse war das Gotteshaus sehr zahlreich besucht, die Sitze beider Jubilare waren festlich dekoriert und mit den Jahreszahlen ihres Jubiläums versehen. Beide wurden zur Thora aufgerufen und Herr Oberkantor Löwensohn rezitierte für jeden einen von ihm selbst verfaßten Mischebarach, worauf die ganze Gemeinde mit einem dreifachen Amen antwortete. Nach dem Einheben der Thora bestieg der Präsident Herr Benedikt Schwager das Almenor und hielt an beide Jubilare eine äußerst wirkungsvolle Ansprache, in welcher er ihre Verdienste sowie ihre unermüdliche Pflichttreue hervorhob, und sie sodann im Namen des Vorstandes und der ganzen Kultusgemeinde zu diesem äußerst seltenen Jubiläum auf das herzlichst beglückwünschte. Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Friedmann dankte für die herzlichen Wünsche und Ovationen und versicherte, daß er, soweit seine schwacheu physischen und seelischen Kräsre es erlauben, nach wie vor ein -treuer geistiger Führer trotz seiner 87 Jahre bleiben werde. Der Rabbiner sowohl als auch der Sekretär wurden anläßlich ihrer Jubelfeier von allen Seiten auf das herzlichste beglückwünscht. Airttsiudiisum. M. S. Herzog, Oberrabbiner der aut. otth. Israel. Äultusgemeinde zu Stupava (Stampfen), Slowakei, der aus eine segensreiche Wirksamkeit zurückblickt und sich allseits der größten Wertschätzung erfreut, beging dieser Tage sein 25. Amtsjubiläum. Iva des Hoteliers Rau$nitz. Der auch in Wien bestbekannte Badener Hotelier Siegmund R a u ß n i tz ist am 8. d.M. gestorben. Er war langjähriges Mitglied der Kultusgemeinde und Präsident der Badener Chewra Kadischa. Frühjahrs- Sonder-Angebot des Wm Warenhauses ■ Brüder Schiffmann Tei^.179 II., Taborstraß® 48 jjj W* Unerreicht billige Kaufgelegenheit! 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