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Die Wahrheit · 1923-04-13 · Heft 8 (13.4.1923) · page 16

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 8 (13.4.1923)
Date
1923-04-13
Page
– (sequence 16)
Language
German
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folge int Wirtschaftsmechanismns ermöglicht, sich dem empirischen Kulterschaffen des Europäers anschließt und die Verbreitung der in der Einsamkeit geförderten Kulturgüter als Kultur über die Gesellschaft des Kontinents bewirkt. Aber in solcher Form würde der Gedanke des Buches zu philosophisch schwer, zu trocken klingen. Nur in der Form des Romanes konnte ein solcher Gedanke den Publikumsmenschen näher gebracht werden. Das kann Bettauer, der neben Geist auch die Gabe des Schilderns hat. Außerdem verfügt er über echten Humor und das macht den Erfolg noch breiter. Daneben stellt Bettauer die sittliche Aktivität des einzelnen den Aktionen der Masse entgegen. So ist es ein echtes Buch der Zeit, auch die Liebe fehlt nicht darin, und sein Erfolg beweist, daß es viel gelesen wird. O. H. Hickls jüdischer Volkskalender. (Für das Jahr 5683, 1922-23.) Der soeben erschienene 22. Jahrgang enthält neben dem ausführlichen jüdischen Kalendarium sehr interessante, beachtenswerte, historische und literarische Beiträge bekanntester Autoren, wie Max Brod, Rabbiner Flesch, Pinski, Morris Rosenfeld, Fabius Schach, Zelkin, Zuckermann u. a. Die Studien über das Verhältnis des tschechischen Dichters Jan Neruda zum Judentum, über die jüdischen Friedhöfe in Mähren, die Chewra Kadischa in Prag, zur Geschichte der Judengemeinden in Brünn und Prerau zeigen von anerkennenswerter Vertiefung in ein reiches Material. So wird Hickls Jüdischer Volkskalender, dem es auch nicht an gelungenen Illustrationen fehlt, diesmal wieder zu einem empfehlenswerten Buche der Belehrung und Zerstreuung in wahrhaft jüdischem Geiste. d. Ukrainische Volksmärchen. Uebertragen von Lotte Heller und Nadja Surowzowa, illustriert von Jury Wowk. Rikola-Verlag, Wien. — Auch dieser Band der Märchenausgabe des Rikola-Verlages entspricht an Ausstattung den höchsten Anforderungen. Der Inhalt bietet nicht allein unterhaltende Lektüre, sondern wertvolle Beiträge zur vergleichend Märchenkunde, darunter manches, was uns aus der jüdischen Folklore geläufig ist. Wir begegnen hier dem „Tischlein deck' dich", den „dankbaren Tieren", dem Drachen, der die geraubte Jungfrau bewacht, dem Däumling, dem fliegenden Pferd, der Prinzessin Turandot, dem verwunschenen Prinzen Siegfried in der Schmiede, dem Golem seelenloser Knochenmann), dem Dalles in der Butterbuchs (die Sorgenkobolde). G. Apollo-Theater. Diese der internationalen Varietekunst gewidmete Bühne bringt im April ein Programm, das an Reichhaltigkeit alle bisherigen in den Schatten stellt. Es gibt kein Genre, das nicht in der vollkommensten Weise vertreten wäre. Die 3 Bennos sind geschickte Exzentriker, in der Equilibristik bewährt sich Jeo Goldon klassisch, W e n d i n i and E m o r t bieten eine interessante Melange asiatischer Geschicklichkeit mit europäischer Anmut, Jenny Lund ist ein musikalisches Wunder, Henrik Gautier ein vollendeter Gentleman auf seinem prachtvollen Hengst, die 2 Veras bewegen sich auf dem Drahtseil eleganter wie manches Tänzerpaar am Parkett, die Marionetten Karl Schichtls sind glänzend, die Grix-Grigory-Trupe bringt ikarische Spiele in geradezu unerhörter Sicherheit, K o n s u l II ist nach wie vor der Liebling von Groß und Klein und Charlotte W a l d o w und Karl U j v a r y wissen mit neuen Schlagern zu unterhalten und zu rühren. Alles in allem ein Musterprogramm, das in allen Kreisen den Wunsche rege machen wird, es zu sehen und zu bewundern. nin i Der Wiener üüdilcfte fiocMebulauslcftuB und die exilierten ungarischen jüdischen Studenten. Wir erhielten vom „Jüdischen Hochschulausschuß" folgendes Schreiben: Verehrliche Redaktion! In höfl. Bezugnahme auf die Notiz: „Der Wiener Jüdische Hochschulausschuß und die exilierten ungarischen jüdischen Studenten", die in Ihrem gesch. Blatt vom 15. März l. I. Nr. 6 erschienen ist, ersuchen wir Sie, zur Kenntnis nehmen zu wollen, daß wir am 21. März l. I. der Redaktion des „Eg^enlüseg" folgende Berichtigung eingesandt haben: In Bezugnahme auf den in ihrem Blatte Br. 18 vom 24. Februar l. I. erschienenen Artikel „Tragödie" ersuchen wir Sie unter Berufung auf das Preßgesetz um die Aufnahme folgender Berichtigung: Es entspricht nicht den Tatsachen, daß der Gesamtverband jüdischer Hvchschüler Österreichs „Judäa" und dessen Exekutive der Jüdische Hochschulausschuß nach politischem Gesichtspunkte organisiert ist. Es entspricht vielmehr den Tatsachen, daß der Gesamtverband „Judäa" und dessen Exekutive, gemäß § 2 der Verbandsstatuten, der lautet: „Zweck des Verbandes ist die einheitliche Organisierung der gesamten jüdischen Studentenschaft Österreichs unter Ausschluß jeder parteipolitischen Betätigung," vollständig a p o l i t i s ch ist. Es entspricht nicht den Tatsachen, daß die Leitung der „Judäa" 20 Kollegen aus Ungarn gerufen und sie vor die Alternative gestellt hat: „Entweder Sie bekennen sich zur jüdischen Nationalität oder Sie werden von der ,Judäa", folglich auch aus der Mensa ausgeschlossen." Es entspricht vielmehr den Tatsachen, daß zwar die Voraussetzung für die Erwerbung der Mitgliedschaft der „Judäa" das Bekenntnis zum jüdischen Volke ist, daß aber in der Mensa der „Judäa" auch deren Nichtmitglieder, ja sogar Nicht-Juden speisen können und auch tatsächlich speisen. Demzufolge besteht auch für diejenigen ungarischen Kollegen, welche die Mitgliedschaft der „Judäa" nicht erwerben wollen, die Möglichkeit, in der Mensa zu speisen, von welcher Möglichkeit sie auch Gebrauch machen. Seit dem Bestände der Mensa wurde niemandem wegen seiner konfessionellen, politischen oder nationalen Zugehörigkeit der Zutritt zur selben verweigert. Es entspricht nicht den Tatsachen, daß man irgendwelcher Gruppe also auch den Kollegen aus Ungarn „Begünstigungen sehr schwer gegeben hat". Es entspricht vielmehr den Tatsachen, daß wir allen Kollegen, die bedürftig sind, gleich- * mäßig behandeln. Es entspricht ferner nicht den Tatsachen, daß die „Judäa" der Hilfsaktionsleitung vor einigen Monaten den Beschluß mitgeteilt hat, „in dem gefordert wird, daß die durch den ,Egyenlöseg' gesammelten Gelder in die gemeinsame Kasse der „Judäa" abzuführen sind". Es entspricht vielmehr den Tatsachen, daß die Exekutive des Gesamtverbandes „Judäa" im Interesse der Vereinfachung der Hilfsorganisation mit der ungarischen Hilfsaktion ein Übereinkommen angestrebt hat, demzufolge die Kassagebarung vereinheitlicht und der ungarischen Hilfsaktion der technische Apparat der „Judäa" völlig unentgeltlich zum Zwecke der Verteilung der Gelder ausschließlich an jüdische Studenten aus Ungarn zur Verfügung gestellt werden sollte. Wir glauben, doß diese Berichtigung den wahren Sachverhalt völlig klargestellt. verein der Drehburger in Wien. Am 27. März fand unter überaus großer Beteiligung aller Kreise die gründende Generalversammlung des „Vereines der Preßburger in Wien" statt und es darf gesagt werden, daß diese Veranstaltung in einer der heimatlichen Kultur entsprechenden und das gewöhnliche Niveau ähnlicher Vereinssitzungen weit überragenden Weise und Würde verlief. Nachdem der Vorsitzende und Anreger dieser Vereinigung, Herr Moritz Nasch, in einer warmen, abgetönten Ansprache die Anwesenden begrüßte und dem Gründungskomitee, welches in seiner unermüdliche Tätigkeit „die ersten Steine zum Bau des Vereines trug" dankte, den Mitgliedern,^seinen Landsleuten, die Pflege der Vereinsinteressen unter Wahrung der „ererbten Traditionen und anerzogenen Kultur" anS H erz legte, und schließlich den Wunsch aussprach, daß „die Zukunft dieser Vereinigung all' die Hoffnungen wahr mache, welche ihn, den Begründer, in dieser Stunde beseelen", sprach der Gast, und Festredner des Abends, Herr Professor Philipp Nasch aus Ödenburg einen „Gruß an die Preßburger" in Worten, welche die Preßburger nicht so bald vergessen werden. In einer herrlichen Sprache verglich der Redner die „leiblichen und geistigen Kinder Preßburgs" mit den Kindern alter griechischer Städte, welche nach einer Sage, zufolge der übermäßig zugenommenen Bevölkerung in ihrer Heimat den Lebensunterhalt nicht mehr finden konnten, auf fernen Gestaden eine Tochterstadt errichteten und dorthin aus der Heimat auf ihren Schiffen, das „heilige Feuer" der Mutterstadt mit sich nahmen, um es dort im frommen Wetteifer zu nähren, zu hegen, anzufachen und sorgsältigst zu behüten." „Und je entrückter", so sprach er, „wir der Heimat in Raum und Zeit sind, je voller der Kreis, der Jahre, der um unser Haupt den weißen winterlichen Kranz der Vergänglichkeit flicht, umso

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