Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 8 (13.4.1923)
- Date
- 1923-04-13
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Theater, Kunst u. Literatur. Jüdische Volksbühne. Montag, den 2. d. M., wurde im „Hotel Stephanie" unter der Direktion Isaak Deutsch und S. Ehlamtatsch das im Titel genannte Theater reaktiviert, ein künstlerisches Unternehmen, das wegen der Gediegenheit seiner Darbietungen und des vorhandenen ernsten Willens wärmste Unterstützung weiter Kreise verdient. Zur Aufführung gelangte „Motke Ganew^; wir werden in der nächsten Nummer aus dieselbe zurückkommen. Ptlrfm-nart)kTtfcUr. Der „Techeleth Lawan" in Eger veranstaltete am 26. März eine Purim-Nachlesefeier in den Sälen des Frankentales, die einen vorzüglichen Verlauf nahm. Das Fest wurde mit einem Prolog, gesprochen von Herrn Dr. Grünfeld mit viel Wärme eröffnet, worauf eine Ouvertüre von R. Schneider (Violine) und E. Wilkowitfch (Klavier) folgte. Die Glanznummer des besagten Festes jedoch bildete das Festsp el „Esther", eine Dichtung des Herrn Armin Wilkowitfch, bei der die Hauptdarsteller: Elsa Rosenberg, als Esther, Hans Ehrlich als Achaschwerosch, Otto Heine mann als Haman, R. Schneider als Mordechaj und Frl. Trude Lenk als Hofdame, ganz besondere Leistungen boten. Das Stück löste außerordentlichen Beifall aus und wurde dem Autor, nebst dargebrachten Ovationen, auf offener Bühne ein Lorbeerkranz überreicht. Während der Pause gab's mancherlei Belustigungen. Der zweite Teil wurde mit einer Serenade, gespielt von H. Reich! (Violine) und Lilli Theimer (Klavier) eröffnet, worauf ein Pensionsstück: „Eine Brummstunde" folgte. ES gelangten noch „hypnotische Vorführungen" und ein „Bureau für Arbeitslose" (der Beamte Willi Frisch) zur Aufführung, die die richtige Purimstimmung hervorriefen. Die kleine Gerta Löbl spielte mit technischer Meisterschaft die „Schmetterlingsjagd" von Th. Hirsch. Sämtliche Texte waren vom oberwähnten Autor verfaßt und einstudiert, wofür demselben herzlichster Dank an dieser Stelle gezollt wird. Herzlichen Dauk auch den Spendern von Backwerken, den Damen, die sich am Buffet beschäftigten und Frau Elsa Bloch für die Einstudierung des Esther-Huldigungstanzes. Am Abend fand eine Tanzunterhaltung statt, die bis zum frühen Morgen währte. P. Kampffmeyer. Der Facismus ln Deutschland. Mit der vorliegenden kleinen, aber höchst! interessanten Schrift in I. H. W. Dietz Nachfolger Verlag Berlin- Stuttgart 1923 erschienen liefert der Verfasser auf Grund reichen Materials den überzeugenden Beweis von der Staatsgefährlichkeit der deutschnationalen Umsturzbewegung die von ihrer Keimzelle Bayern sich über alle Länder des Reichs verbreitete und trotz der schärfsten Zugriffe der Behörden ihr Unwesen treibt. Hoffentlich hat die entscheidungsvolle Tat des preußischen Ministers Severing mit der Unschädlichmachung des Putschhäuplings Roßbach und seiner Spießgesellen der Hydra alle Häupter abgeschlagen und dem Reiche die so dringende Ruhe gegeben. Kampffmeyer zeigt uns die dunklen Ehrenmänner Kahr, Heim, Plöhn er, die ihre verantwortungsreichen Stellungen mißbrauchend mit den Gegenrevolutionären unter einer Decke spielten, in wahrem Lichte. Die Schurken Erhardt Und Kapp, als Veranstalter des blutgetränkten Putschüberfalls, waren noch am kritischen 13. Marz 1920 für die „Erfüllungspolitik", was aber nicht verhinderte, Walter R üthen au, den Träger dieser Politik, durch gedungene Mordgesellen zu „erledigen", nachdem bereits Erzberg er, Gareis und andere als Opfer der Deutschnationalen gefallen waren. Den jüdischen Bolschewismus Und Sozialismus zu bekämpfen vorschützend wurden die Organisation Escherichs und Kanzlers geschaffen, die sowohl die eigenen Heimwehren bewaffneten, als auch Tirol und Horty-Ungarn versorgten. Der berüchtigte Hitler als Häuptling der Nationalsozialisten verhöhnte alle Verfügungen der Landesbehörden, gut wissend, daß es sich um ein Komödienspiel handelte, und ließ durch seine Kreaturen allenthalben Furcht und Schrecken verbreiten. Wen das Fehmgericht dieser Banditen auf die Liste stellte, wurde kurzerhand ermordet. Hitlers Spießgesellen erscheinen entsprechend qualifiziert. Der Zahlmeister Nikel hat der Operationskasse 80.000 Mark entwendet, der „Hauptmann" Fischer wurde mit seiner Rotte wegen Pferdediebstahls an der böhmischen Grenze ins Gefängnis gesteckt. Die Geschichte dieser Schwerverbrecher als Reichserneuerer weiß aber auch von den erbärmlichsten Kämpfen der Führer untereinander zu berichten, lieber allen jedoch steht die Heldengestalt Ludendorffs als oberster Drahtzieher der Hakenkreuzmarionetten, und die Großindustriellen und Großgrundbesitzer in Bayern, Sachsen, Preußen leisten die Beiträge zur Besoldung der Umsturzpartei oder dienen als Hehler für heimliche Waffenlager. Ein besonderes Kapitel widmet der Verfasser dem Fascismus der deutschvölkischen Presse mit Stilproben dieser literarischen Buschklepper. Am tollwütigsten gebärdet sich der Miesbacher Anzeiger. Da wird gegen die Sau- und Regierungsjuden gewettert. Andere ähnlich gerichtet^ Blätter fordern die Anwendung von Ochsenziemern und Messern gegen die Reichsregierung. Für jene, die solchen Sumpfblüten der Presse nicht zugänglich sind, wird das Arsenal der Hand- und Wurfzettel gebraucht, für die gleichfalls Unsummen verausgabt werden. „Leipzig, bezw. der „Hammerverlag" ist das Warenhaus zur Verdummung des deutschen Volkes". Wer sich über die Verhältnisse der leider noch immer bei uns grassierenden Feinde der Republik unterrichten will, möge sich mit den Enthüllungen Kampffmeyers vertraut machen. d. Moritz Goldstein: Der Wert des Zwecklosen. Im Sibyllenverlag zu Dresden. Preis M. 8.50 geheftet, Mk. 12.50 gebunden. — Man hat gesagt, daß das betrachtende Problembuch im Begriff sei, an die Stelle des Romans zu treten. Wenn man diese Meinung gelten läßt, so ist die vorliegende Abhandlung Goldsteins mit der Novelle zu vergleichen. Die Untersuchung greift das geistigethische Kernproblem an, die Gefahr des europäischen Nihilismus, wie sie Friedrich Nietzsche genannt, beschrieben und zu bannen versucht hat. Daß die , neue Wertsetzung des großen Philosophen mißlungen sei, wird hier gezeigt, aber Kants Bemühungen, den absoluten Zweck zu stabilisieren, wird als unzulänglich nachgewiesen. Den Ausweg öffnet schließlich die überraschende Erkenntnis, daß Nietzsches Gefahr des europäischen Nihilismus auf einen Denkfehler beruht. Die Darstellung der Krisis, die Kritik der Lösungsversuche und die Lösung selbst sind in einer Weise gegeben, die als spannend bezeichnet werden darf. Der Verfasser, von dem bisher zahlreiche kleinere Essays in Zeitungen und Zeitschriften erschienen sind und der im letzten' Winter mit einer Tragikomödie „Die Gabe Gottes" auf verschiedenen großen deutschen Bühnen hervorgetreten ist, betrachtet diese Arbeit als die erste einer Reihe ähnlicher von ungefähr gleichem Umfang, in denen die Grundfragen der Gegenwart allmählich abgehandelt werden sollen. Hugo Bettauer, „Die Stadt ohne Juden", Gloriette-Verlag, Wien. Das Publikum will Gedanken, in viele und lange Kapitel gebracht. Dann wird es oft unterschreiben, was, in kurzer und prägnanter Sentenz geboten, eventuell Widerspruch hervorgerufen hätte. Daß das richtig ist, beweisen die vielfachen Auflagen dieses Buches während weniger Monate, die zum Teil auf das Stichwort „Jude" im Titel zurückzuführen sind. Die im Buche ausgesprochene Idee ist ungefähr die, daß die Kombinationsgabe des Intellekts, die dem Juden seine Er-