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Die Wahrheit · 1923-04-13 · Heft 8 (13.4.1923) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 8 (13.4.1923)
Date
1923-04-13
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 DieWahrheiL Nr. 8 merksam, daß Graham Bell keineswegs der Erfinder des Fernsprechers ist; sie schreibt: Erfunden wurde der Fernsprecher bereits im Jahre 1860 von dem deutschen Physiker Philipp Reis; Bell hat es lediglich verbessert." Es freut uns ungemein, daß die „Deutsche Zeitung" den jüdischen Lehrer Philipp Reis in Friedrichsdorf bei Frankfurt a. M., dem tatsächlich das Verdienst gebührt, im Jahre 1860 das erste elektrische Telephon hergestellt zu haben, so energisch für das Deutschtum in Anspruch nimmt. Reis hatte seine Erfindung, deren Ausnutzung ihm leider nicht vergönnt war, mehreren Fachgelehrten, darunter einem Professor der Physik in Edinburgh unterbreitet. Bei diesem hatte Graham Bell, der damals in Edinburgh studierte, von der Erfindung Kenntnis erhalten und sie dann in Amerika in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts er die Grundidee der Erfindung einem Deutschen verdanke ausgebeutet. Als smarter Amerikaner verschwieg er, daß und nahm den Erfinderruhm für sich in Anspruch. Es ist beschämend, daß man, wie die Artikel der meisten deutschen Blätter beim Tode Graham Bells zeigen, so wenig dem Verdienste des wirklichen deutschen Erfinders gerecht wird. Die „Deutsche Zeitung" mag aber aus diesem Falle deutlich ersehen, wie wenig zutreffend die Behauptung ihres Leh-r rers und Meisters H. St. Chamberlain ist, daß die Juden nichts erfunden hätten, weil ihnen die Originalität mangle. lKein Lump. Sofern nach einem Ausspruch Goethes' Bescheidenheit d^s Kriterium der Lumpen ist, könnte man Herrn Thomas Westerich, den Verfasser eines „Katechismus der Freiheit beruhigt als Nichtlumpen ansprechen, ldem bei Odin, dem Strahlenden, die Eigenschaft der Bescheidenheit hat dieser Verfasser nicht. Dafür gibt schon die folgende Tendenz Beweis: „Deutsch sein heißt deutsches Wesen als ein Gleichnis des Göttlichen in dieser Wett aufrichten." Vernehmt und beherzigt es alle, die ihr hakenkreuzlos durch dieses irdische Jammertal schreitet, so chr nicht seid wie Knüppel-Kunze, Theodor Fritsch oder doch mindestens wie einer der Rathenau-Mörder, deren Deutschheit die Feuerprobe im „Schutz- und Trutzbund" bestanden hat, so ist euer Anteil am Gleichnis des Göttlichen dahin. Freilich müßte man sich über den Begriff des Göttlichen mit euch erst auseinandersetzen, denn wenngleich einer von euch den Altmeister Goethe als „schäbigen Juden" klassifiziert hat, so müssen wir ihn doch als Kronzeugen wider euch ins Treffen führen und an sein vielgebrauchtes Wort erinnern: „Wie einer ist, so ist sein Gott, dru/m ward auch Gott so oft zum Spott." Ein entlarvter Rabbiner. Unter diesem Titel brachte die „Ostjüdische Zeitung" einen sensationellen Bericht über einen Jehuda T i l l i n g e r, der sich anfangs dem Rabbinatsstudium in Czernowitz widmete, die Unterstützung des dorttgen Erzbischofs Repta genoß und aus Dankbarkeit versprach, sich taufen zu lassen, was auch tatsächlich geschah. Gleichwohl hatte Tillinger die unerhörte Frechheit, in Wien unter dem Rektor Schwarz das Rabbiner-Seminar zu besuchen. Einige Jahre später tauchte er als antisemitischer Mitarbeiter der von Jesuiten herausgegebenen Zeitschrift Przedsuit aus und veröffentlichte in dieser eine Reihe von Ritualmordaufsätzen. In ähnlicher Weise schrieb er für die „Reichspost". Das war zur Zeit des Hilsner-Prozesses, als der christliche Reichstagabgeordnete Masaryk, der jetzige Präsident der tschechoslovak. Republik, in der Oeffentlichkeit für Hilsner eintrat. Von dieser Folie hebt sich um so krasser das fluchwürdige Gehaben des getauften Juden Tillinger ab, der eine verschleierte Wiederholung des Schurken Brimanus darstellte. Ein psychologisches Rätsel bleibt es, daß Tillinger nach alledem 1919 beim Czernowitzer Jüdischen Nationalrat mit dem Vorgeben, er habe seinen Rücktritt vollzogen, unterstützt zu werden bat. Angesichts des ungeheuren Frevels, den er - an seinem Volke begangen, wurde der Mann abgelehnt, erhielt aber eine Geldaushilfe, die ihm die Abreise nach Amerika ermöglichte. Dort wagte er unter dem Namen Jidel Elfenbein in mehreren Gemeinden als Rabbiner zu wirken, bis der New-Iorker Tag die unerhörte Niederträchtigkeit Tillinger- Elfenbeins enthüllte. Infolge dessen wurde er vor ein Rabbinatsgericht geladen, wo er nach scharfem Verhör alles gestand, sowie des weitern, daß er mit amerikanischen Missionären in Verbindung stand. Er mußte ein Protokoll unterschreiben, worin er sich verpflichtete, nie wieder eine rabbinische oder sonst jüdische Funktion vorzunehmen. Die jüdischen Zeitungen Amerikas, die den ganzen Fall ausführlich Mitteilen, schließen: Es ist eine Mizwah, es zu publizieren. Hoffentlich wird sich auch in Europa kein Blatt zur Vertretung der Interessen des Judentums dieser Mizwah entziehen. Wir müssen unserem Staunen darüber Ausdruck geben, daß der Fall möglich war, nachdem seinerzeit die Zeitschriften „Die Welt" und Dr. Blochs „Oesterreichische Wochenschrift" die Taufgeschichte Tillingers veröffentlichten. Zum mindesten haben sich die amerikanischen Gemeinden bei der Bestellung dieses Rabbiners einer groben Fahrlässigkeit schuldig gemacht. Attenlatsplan gegen die Westend-Synagoge in Frankfurt. Die „Frankfurter Zeitung" bringt aufsehenerregende Enthüllungen über ein von Mitgliedern des deutschpatriotischen Bundes „Blücher" und französischen Agenten gemeinsam geschmiedetes Komplott, welches darauf hinausging, durch antisemitische Attentate Unruhen in Deutschland hervorzurufen. Als ein Glied in der Kette dieser Attentate hätte am 3. März, dem jüdischen Purimfeste, die Synagoge in der Königsteinerstraße in die Luft gesprengt werden sollen; die Franzosen sollten hierzu Autos, Sprengstoffe und Geld beistellen. Das Attentat wurde nur deshalb nicht ausgeführt, weil die Franzosen später diesen Plan als „Kinderei" ablehnten. Der Plan kam dann zur Kenntnis der deutschen Behörden und jetzt befinden sich fünf Mitglieder des Bundes „Blücher" in Frankfurt in Haft. Ueber den Verlauf der Angelegenheit teilt die „Frankfurter Zeitung" noch die folgenden Einzelheiten mit: Die Verschwörer trugen dem französischen Vertreter Pomarede ihren Plan vor, m Frankfurt Unruhen zu organisieren 'und dadurch vielleicht auch für andere Teile Deutschlands das Signal zu Unruhen und Umsturz zu geben. Die Pläne wurden eingehend durchsprochen, auch an Hand von Lageskizzen der Frankfurter Synagoge. Zur endgülttgen Abmachung wurden Mitglieder des Blücherbundes nach Mainz bestellt. In der Zwischenzeit dürften die französischen Offiziere von der Festnahme der Münchner Mitglieder und Gesinnungsgenossen des Blücherbundes Kenntnis erhalten haben, und so wurden die Frankfurter „Blücher"-Patrioten mit dem Bescheid, ihre Pläne seien nur eine Kinderei, wieder nach Hause geschickt. Sie wollen keine Hunnen sein. Die allergjetreuesten Untertanen Horthys nämlich, und deshalb ließen sie sich von einem gefälligen Historiker turanischer Abstammung beurkunden. Uns kanns recht sein, wenn die Turaner Rasse sich durch eine solche Z umutung! nicht beleidigt fühlt. Immerhin soll es vom Standpunkt der Turaner Kultur nicht verheimlicht werden, daß die erwachenden — Turaner an der Budapester Universität wieder einen > Ueberfüll auf jüdische Studenten verübten

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