Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 8 (13.4.1923)
- Date
- 1923-04-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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<seite 6 Nr. 6 Die Wahrheit ff"-! : I : : .!i'- I-:-', jih; ä|: ‘' »!, - l ■ . ü: ’ Das hebräische „akal" heißt: essen, verzehren, aufreiben, vernichten. b) „Der ihnen befiehlt, die fremden Völker auszuwuchern" (5. B. M. 23,20). Die Stelle heißt wörtlich: „Du sollst nicht Zins nehmen von deinem Bruder und in dem darauffolgenden Vers: „Von dem Ausländer magst du Zins nehmen". Von Zins ist die Rede und nicht von Wucher. In der mosaischen Gesetzgebung, wie auch in heutiger Zeit, wird das Rechtsempfinden nicht gestört, daß der Ausländer hinsichtlich genossener Berechtigungen ungünstiger gestellt ist, als der Inländer. c) „Sie umzubringen" (5. B. M. 7,2). Vers 1 lautet: „Wenn dich der Ewige, der Gott, in das Land bringen wird, dahin du kommst, es einzunehmen, und viel Völker vor dir austreibt". Jetzt werden die sieben heidnischen, götzendienerischen Völker genannt, dann Vers 2: „Und sie der Ewige, dein Gott, hingibt vor dir und du sie schlagen wirst, so sollst du sie bannen, du sollst mit ihnen keinen Bund schließen und sie nicht begnadigen." (Siehe unter a). d) „Die Armen und Elenden zu schinden, den Nichtjuden Gewalt und Unrecht anzutun" (Hesekiel 22,29). Der Prophet Hosekiel hält dem gesamten Volke eine Standrede v. 26: „Seine Priester verletzten meine Lehre" usw. v. 27: „Seine Fürsten gleichen Raub zerreißenden Wölfen, Blut zu vergießen usw,. v. 28: „Seine Propheten übertünchen ihnen Sinnloses, schauen Falsches, wahrsagen ihnen Trug und sprechen: „so hat Gott der Ewige gesprochen, ohne daß der Ewige geredet hat!" v. 29: „Das gemeine Volk hat Unrecht verübt, Raub begangen, Arme und Dürftige übervorteilt und den Fremdling durch Unrecht bedrückt". Also der Prophet Hesekiel spricht im Namen Gottes, gegen alle, die in Sündhaftigkeit und Entartung verfallen sind!!! 3. Das Alte Testament und die Fremden. „Einerlei Recht sei dem Einheimischen und dem Fremden, der unter euch weilt." (2. B- M., 495). „Verflucht sei, wer da beugt das Recht des Fremdlings (3. B. M. 27,19). „Gleich einem eurer Einheimischen soll auch der Fr emdling sein, der bei euch weilt, du sollst ihn lieben, wie dich selbst, denn Fremdlinge wäret ihr im Lande Aegyvten." (3. B. M. 19,34) „Du sollst fröhlich sein an deinem Feste, du und dein usw. und der Frem dling, der Waise, und die Witwe, die in deinen Toren sind." (5. B. M. 16,4) „Du sollst auch deinen Weinberg nicht ganz auflesen, sondern dem Armen und Fremdling sollst du es lassen, denn ich bin der Herr, -euer Gott." (3. B. M. 19,9 und 10.) „Du sollst den Jdumäer nicht verabscheuen, denn er ist dein Verwandter; du sollst den Aegypter nicht verabscheuen, denn Fremdling warst du in seinem Land." (5. B. M. 23,8) Zu diesem letzten Satz bemerkt der Theologie-Professor Cornill, daß er nie ohne tiefe Rührung diesen Vers lesen könne. Die Mische Sendung von Karl Marx nnd Ferdinand Lassalle. Von Stndieurat Dr. Willi Cohn, Breslau. Wenn man in der Regel die Beziehungen führender Köpfe zum Judentum erläutert, so pflegt man sorgsänig aus ihren Briefen und Tagebuchblättern die Aeußerungen zufammenzustellen, die fie über jüdische Dmge getan haben. Meiner Ansicht nach kann diese Methode nicht zu größeren Resultaten führen, sie muß naturnotwendig an der Oberfläche haften bleiben. Will man die Leistung jüdischer Männer zu erkennen versuchen, so mutz man sie von innen heraus zu begreifen versuchen. Diesen Weg für die beiden Begründer des Sozialismus Marx und Lass arte anzudeuten, sock im folgenden versuchsweise geschehen. Wir wissen, daß Ferdinand Lassalle nur in seiner Jugendzeit lebendige Beziehungen zum Judentum unterhielt, daß Karn Marx der Sohn getaufter Eltern war, und sich iil einer Schrift rücksichtsws feindlich dem Judentum gegenüber aussprach. Und doch haben wir ein Recht, diese Mc'nner unter die hervorragenden Köpfe des Judentums zu zählen, denn nicht ihre Worte waren jüdisch, sondern ihre Tat. Es spielt hierbei gab keine Rocke, oo sie sich dieser jüdischen Tat bewußt waren, wir wissen heute, day der Geist der unzähligen Geschlechter, die vor ims gelebt haben, in uns wirksam ist, ohne daß wir davon etwas merken. Aber was trieb denn diese beiden Männer hinaus vor die Massen, um chnen zu sagen, daß sie neue Wege gehen müßten, um zu einem menschenwürdigeren Dasem zu kommen, was war es anderes als das indische Herz 8 und vor allem das feine Verständnis für Leiden anderer. 8 Jahrtausende lang ist der Jude der Verfolgte gewesen. In 8 seiner Seele war es stets lebendig, was es heißt, eine völ- 8 lig unsichere Existenz zu führen, jeden Augenblick daraus I gefaßt zu fein, den Wanderstab zu ergreifen. Bon dieser 8 Sette her ist die Tat Ferdinand Lass alles und Karl Marx 8 erst ganz zu begreifen;. Als dem ersteren noch nicht die I sozialistische Einstellung gekommen war, als er sich noch i durchaus als bewußter Jude fühlte, da war es das Judentum, für das er einmal in seinem Tagebuch als Knabe eintrat, als jene furchtbaren Verfolgungen über die Juden von Damaskus niedergingen. Er schreibt da unter Bezugnahme, auf die Notiz eines Berichterstatters: „Die Juden dieser Stadt erdulden Grausamkeiten, wie sie nur von diesen Parias der Erde ohne furchtbare Reaktion ertragen werden können." „Also sogar die Christen wundern sich über unser träges Blut, daß wir uns nicht erheben, nicht lieber auf dem Schlachtfeld als auf der Tortur sterben wollen. Waren die Bedrückungen, um deren Willen sich die Schweizer einst erhoben, größer? Gab es je eine Revolution, welche ge- 1 rechter wäre, als die, wenn die Juden in einer Stadt auf- | ständen, sie von allen Ecken anzündeten, den Pulverturm in I die Luft sprengten und sich mit ihren Peinigern töteten? Fei- I ges Volk. Du verdienst kein besseres Los! Der getretene I Wurm krümmt sich, Du aber bückst Dich nur tiefer, Du 1 weißt nicht, was gerechte Rache heißt. Du weißt nicht, Dich 8 mit Deinen Feinden zu begraben und sie im Todeskampf 8 noch zu zerfleischen. Du bist zum Knecht geworden." 8 Aus dieser Auffaßung heraus trat er später vor die Masie der deutschen Arbeiterschaxr, um ihr zu helfen. Ohne Rücksicht darauf, ob er selbst auch von diesem Kampf zu Grunde ging. Und während er in heißen Redeschlachten d:e anfangs widerstrebenden Arbeiter zu ihrem eigenen Glück fortzureißen suchte, zerrieb sich Karl Marx im Ringen um die theoretische Grundlegung der neuen Weltanschauung. Was am Marxismus jüdisch;ift, ist der soziale Geoanke, der schon in so fabelhafter Reinheit uns aus der Thora entoegenleuchtet. Es ist derselbe Gedanke, der da ,agt, daß man die Ecken des Feldes nicht schneiden dürfte, sondern sie den Armen und Bedürftigen üoerlassen müs;e, derselbe Gedanke, der emen Lass alle und Marx zwingt, der Welt zu sagen, daß das Kapital kein Recht hat, aus dem Arbeiter das Letzte an Kraft herauszupresseii, um selbst immer mehr zu wachsen. Dieser Gedanke des Eintretens für den bedrückten Bruder, der das Sabatgesetz ent-