Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 8 (13.4.1923)
- Date
- 1923-04-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wahrheit Seite 5 Nr. 8 verspüre jedenfalls einen rechten deutschen Hunger auf die Roulets und Omelettes und einen noch größeren Durst auf den Pontet Canet. Soyon3 Francais en France! Die Gemütsseite unserer Fragen macht jeder wie den Verkehr mit seinen Herrgott am besten bei sich in seinem Kämmerlein allein ab. Mit Worten streift man schließlich nur an allem herum, obwohl, wie einer Ihrer alten, jüdischen-Dichter, ich glaube Majestät Salamo selbst, gesagt hat, Worte zur rechten Zeit gesprochen, sind wie goldene Früchte auf silbernen Schalen. Kommen Sie, von Bleichröder!" Wie die Antisemiten Gott lästern nnd den Bibeltext fälschen. Von Dr. M."Spanier, Magdeburg. Der aus seinen mannigfachen Prozessen bekannte Herausgeber der „Mitteldeutschen Presse" Hans Hotenrott in Staßfurt bei Magdeburg hatte sich neuerdings vor dem Schöffengericht wegen Gotteslästerung zu verantworten, er hatte in einem Artikel den jüdischen Gott Javeh einen „Schandgötzen" genannt. Das Gericht verurteilte Hotenrott wegen Vergehens gegen § 166 des Strafgesetzbuches zu 30.000 Mark Geldstrafe. Das dem Herrn Oberstaatsanwalt auf Wunsch erstattete Gutachten lautete wie folgt: ' 1. Der Judengott Jehova (richtiger Jaho geheißen) und der „Schandgötze der Juden, der Jaho." Der vierbuchstabige Name Gottes „Tetragrammaton JHVH-Jahve", irrig, unwissenschaftlich Jehova — in Liedern und Gesängen oft vorkommend — darf von Juden aus Pietät in den genannten vier Konsonanten geschrieben, nicht ausgesprochen werden. Dafür sollte Adonaj- Herr gelesen werden. Während nun der jüngst verstorbene Assyriologe Friedrich Delitzsch in den babylonischen Urkunden der Toll-Amarnd-Zeit einen „Judengott — Ja — u" entdeckt zu haben glaubt, haben andere Assyriologen diese Jahve — Hypothese — wie Oppert, König, Barth, Schräder, Zimmern — energisch bekämpft und unter anderen betont, daß der vierbuchstabige Gottesname „I H V H" nicht aus Babylonien entlehnt, sondern ein eigenständiges Moment der prophetischen Religion Israels ist. Und nun zum „Schandgötzen der Juden"! Schon der erste Satz der Bibel erhebt Widerspruch: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde"(1. B.M. v. 1,1), das Universum ist nicht nur für Juden geschaffen und weiter (ibid. v. 27): „Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde", den Menschen — nicht den Jsraliten, nicht diese oder jene Rasse. Die ersten Menschen sind Ahnen des gesamten Menschengeschlechts. Der erste Stammvater Abraham erkennt in Gott den gerechten Richter der ganzen Erde" (ibid. 12,1). Bei der Offenbarung am Berge Sinai (2. B. M. 19,5,6): „denn mir gehört die ganze Erde", spricht Gott. Hat doch Jesus dasselbe Glaubensbekenntnis wie die Juden zum Ausdruck gebracht: „Höre Israel, der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einzig"! (5. B.M. 6,4 und Evang. Marci 12,29) Es darf als ein leuchtender Punkt in der Geschichtsauffassung des alten Testamentes hervorgehoben werden, daß in ihr der Gedanke an den Monotheismus und damit an die Einheit des Menschengeschlechtes so stark und bald aufglänzt, wie in keiner anderen altorientalischen Literatur. (Siehe „Die moderne Babylonisierung der Bibel" von Eduard König, Dr. litt. Semit, phil., theol. ord. Professor und geheimer Konsistorialrat in Bonn). 2. Die Zitate aus dem Alten Testament. a) „Jaho, der alle Völker frißt" (5. B. M. 7,16). Der Vers lautet wörtlich: „Du sollst aufreiben all die Völker, welche der Ewige, dein Gott, dir gibt, nicht sehe dein Auge mitleidig auf sie und nicht diene ihren Göttern, denn es wäre dir ein Fallstrick." Es bedeutet dies die Aufforderung Gottes an Israel, alle die Völker, die den schändlichsten Götzendienst treiben, (wie Kinder lebendig zu verbrennen usw.) mit Stumpf und Stiel auszurotten. Willst du die Zuflucht sehen, die deines Volkes mäch- Ligen Geist in seiner Reinleit hat erhalten? Mein armer Bruder! S» du das nicht kennst, so geh ins alte Beth- Hsmidrasch, sei es in langen öden Winternächten, sei es an glühend heißen Sommertagen, sei es am Mittag, sei am Morgen, sei im Abenddämmern, du findest dort noch heut, wenn auch den Schatten nur vergangener Zeit, verwaisten Halmen gleich in finsterem Winkel, mit abgezehrten welken Mienen verwittert düstere Gestalten, Juden sind es, Juden, die das Joch des Golus schleppen, doch im Talmud ihren Schmerz betäuben und in Midrasch ihre Not vergessen, der Sorgen Qual im Psalmensang ersticken. Dort wird dein Herz dir sagen, daß du die Schwelle des Hauses unseres Lebens hast betreten und daß du vor dir siehst den Hüter unserer Seele, der Seele Judas und das alte Beth-Hamidrasch". Allein Bialiks Liebe zu diesem Leben und Weben im traditionellen jüdischen Geiste macht ihn nicht blind für dessen Schattenseiten. Die aufs äußerste gesteigerte Vergeistigung sperrt den Juden von der Natur ab, von frischer Luft, von der Gesundheit naturgemäßen Lebens und harmloser Vergnügungen. Durch vieler feiner Gedichte zieht die Klage, daß im Juden das Überwiegen des Verstandeslebens die Entfaltung des Körpers unterdrücke und so manche Quellen der Bildung von Herz und Gemüt verschütte. Er vermißt mit Wehmut die Energie der Muskel, die den Arm zur Selbstwehr wappnet, frischblütige Rasse. Vor allem dauert ihn das jüdische Kind, das durch seine frühreife Entwicklung um all den Schmelz und Zauber der Kindheit kommt. Er selbst hat dieses Unglim an sich erfahren, obwohl gerade ihn glückliche Umstände nicht ganz von dem Verkehr mit der freien Natur geschieden hatten. Doch die meisten jüdischen Kinder des Ostens sind mit 5 oder 6 Jahren, sobald sie die Schwelle des Cheders betreten haben, der Freiheit und Ungebundenheit kindlichen Treibens für immer entrückt. Für das jüdische Kind, das er nirgends findet, legt er als Pädagoge seine Lanze ein. Die Sehnsucht nach Natur und Liebe sind ein Grundzug seines Dichtens. Man muß beim Lesen der Gedichte Bialiks staunen, in welch zarter Innigkeit der einstige Jeschiwobochur die Schönheiten der Natur, den Segen des Sonnenscheins, die Freuden der einzelnen Jahreszeiten schildert, wie ihn Wolken und Regen zu rührender Klage stimmen, ähnlich, wie wenn er den Verfall jener jüdischen Mittelklasse schildert, die der Sucht nach dem Mammon alle wahre Frnude des Lebens, oft ihre Ehre, ihr Glück und das der Kinder opfert. Bitter klagt B.: „Esau gab seine Erstgeburt an Jakob preis um ein Gericht Linsen, aber Jakobs Enkel opfern alles, sich und ihr Kind um das Lächeln.eines Enkels Esaus!" (Fortsetzung folgt.) Andel Abonnenten fflr „Die Wabtbeit"! A