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Die Wahrheit · 1923-04-01 · Heft 7 (1.4.1923) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 7 (1.4.1923)
Date
1923-04-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite i4 Nr. 7 Die W ahrtzeZt Ortsgruppe in der Verteidiguieg der staatsbürgerlichen Rechte der Juden eine erhöhte Qpferwilliqkeit bekunden werde. Innsbruck. Der gemeinsame Abwehrausschuß veranstaltete am 19. März im großen Saale des „Hotel Europe" eine allgemeine Versammlung der Innsbrucker Judenschaft, an welcher die Ortsgruppe der „Union deutschösterreichischer Juden" und die Mitglieder der hiesigen zionistischen Crganiiati'oit sich in großer Zahl beteiligten. Unter den Anwesenden befanden sich auch viele Frauen. Der Vorsitzende, Herr Wilhelm Adle r, begrüßte mit herzlichen Worten den Syndikus des „Zentralver.'ines deutscher Staatsbürger jüdischen Klaubens" in Berlin, Herrn Dr. Ludwig Holländer, sowie den Sekretär der „Union deutschösterreichischer Juden", Herrn Siegsried Fleischer. In einem einstündigen glänzenden Vortrage erörterte Herr Dr. Holländer vom Berliner Zentralverein mit Erfolg angewendete Methoden des Abwehrkampses. Zu diesem Kampfe seien Menschen und M i tt e l erforderlich. Wenn auch die Juden Innsbrucks in dem brandenden Meere der antisemitischen Stürmer nur eine verhältnismäßig kleine Minorität bilden, so treffe auch gewiß hier zu, was in Deutschland sich erprobt habe: Daß einerseits auch die Ohnmacht über eine gewisse Macht verfüge und daß anderseits die Macht, die auf Gewalttat und Unmoralität aufgebaut sei, sich schließlich als ohnmächtig erweise. Dr. Holländer schilderte die enge Verbindung, welche zwischen den Hakenkreuzlern in Tiro! und in Bayern bestehe und welche in ihren letzten Zielen auf die Zerreißung des österreichischen Staatsverbandes und auf die Schaffung eines großen süddeutschen Staates, der den Interessen Frankreichs zu dienen habe, gerichtet sei. Redner gab ein Bild der Abwehrarbeit des „Zentralvereines" und forderte die Innsbrucker Judenschaft zu festem Zusammenhalten und zu mutiger Ausdauer auf. Den glänzenden Ausführungen des Redners folgte stürmischer Beifall. Herr Graubart jun. empfahl namens der zionistischen Organisation dem Abwehrausschusse einige wichtige Anregungen wirtschaftlicher Natur Sekretär Fleischer entbot der Versammlung die Grüße des Zentralvorstandes der „Union" und verwies darauf, daß, auch einer Minorität, wenn sie im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben einer Stadt einen so bedeutsamen Faktor bilde, wie die Innsbrucker Juden, mannigfache Mittel und Wege zur Verfügung stehen, um den Angriffen der Gegner wirksam zu begegnen. Herr Kultuspräsident D a n n h a u s e r erstattete über die letzten Schritte des Abwehrausschusses, namentlich in Angelegenheit des vorn „Nationalsozialist" veröffentlichten I u d e n k a t a st e r s eingehenden Bericht und betonte nachdrücklich, daß der Landeshauptmann sich nicht scheue, in seiner amtlichen Geschäftsführung, den Parieimann hervorzukchren. Sekretär Fleischer ergriff hierauf nochmals das Wort, um über seine Aussprache mit dem Justizminifter über den Judenkataster zu berichten, und die Anwendung der vom „Zentralverein" erprobten Kampfmittel dringend zu empfehlen. Der Vorsitzende, Herr Wilhelm Adler, dankte den Herren Dr. H^i l l ä n b e r und Fleischer herzlich für ihre instruktiven Ausführungen und gab die Versicherung, daß der Abwehrausschuß feine Tätigkeit im Sinne der gegebenen Anregungen erweitern und ausbauen werde. Der interessante und durchaus harmonisch verlaufene Abend schloß mit neuen begeisterten Ovationen für Dr. Holländer. |i Wahrheiten vom Tage |j Hochschulkammern oder Vereinsausschüsse. Am 20. März erschien in Vertretung der sozialistischen Studenten an der Universität der Technik und der Hochschule für Welthandel, eine Abordnung der sozialdemokratischen Studenten- und Akademikervereinigung unter Führung des Nationalrates Glücket beim Unterrichtsminffter Dr. Schneider, um ihm eiue Denkschrift zu überreichen. Es wurde dabei mit allem Nachdruck darauf verwichen, daß die in der letzten Zeit gewählten Hochschulkamm e r n schon mit Rücksicht auf die klägliche Wahlbeteiligung nicht das Recht beanspruchen können, im Namen der gesamten Hochschülerschaft zu sprechen. Die Wahlen zeigen deutlich, daß die weit überwiegende Mehrheit der Studentenschaft sich mit der Handlungsweise und dem terroristischen Borgehen einer kleinen, allerdings sehr lauten Gruppe nicht identifizieren will. Die sozialistischen Studenten verlangen die Schaffung einer wirklichen H 0 ch s ch ü l er kammer, in die alle Studenten auf Grund des Pvoporzwahlrechtes ihre Vertreterversenden. Es fei für die Dauer unerträglich, daß durch die Vorgänge an den Wiener Hochschulen, die immer auf eine einseitige Agitation dieser Minderheit zurückzuführen sind, das Ansehen der Wiener Hochschulen als ausschließliche Stätten wissenschaftlicher Forschung und wissenschaftlicher Bildungsstätten i-m Auslande. Schaden leidet. Minister Dr. Schneider erklärte, daß er gerne bereit sei, die Bestrebungen nach Schaffung offizieller S t u d e n t e n k a m m e r n, die mit Recht als Vertretung der Studenten aller' Richtungen auftreten könnten, mit allen Kräften zu unterstützen. Das Muster sei in den S t n d e n t e n k a m m e r n d e s Deutschen Reiches schon längst gegeben. Die gegenwärtig bestehenden Wiener Studentenkammern können n u r die F u n k t i 0 n e n - v 0 n V e r e i n s a u ss ch ü s s e n erfüllen. Er hoffe, daß bald eine Körperschaft geschaffen werden könne, die von der gesamten österreichische n Studentenschaft ieingchetzt, den Anspruch erheben könne, sowohl von den akademischen als auch von den politischen Behörden als die offizielle Vertretung der gesamten Studentenschaft anerkannt 511 werden. Im Jahre der Erhebung. Das war nämlich, als die Deutschen das Joch des korsischen Tyranen gebrochen, wobei die jüdischen Freiwilligen reichliche Mutopfer brachten, da erinnerte sich Preußen seiner Dankesschuld. Damals sprach, wie Albert L ö w in der „Jüdischen Volksstimme" mitteilt, Oberpräsideut v. Vincke in einer Versammlung über die Befähigung der Juden zur Erlangung einer Professur: „Wenn gesagt wird, die Rücksicht auf die Kirche fordere, daß man keine Juden als Professoren anstelle, so muß ich dem widerstreiten. Ich bin der Ansicht, daß der Staat der Kirche keine Rücksichten zu gewähren habe; es haben beide chre Sphären für sich, und es steht die Kirche viel zu hoch, als daß sie sich vom Staate Dienste >lÄften zu lassen hätte . . . Wenn ich glaube, ausgeführt zu haben, daß Juden zu allen akademischen Lehrämtern fähig feien, so sehe ich nicht ein, warum man sie nicht des Vorzuges teilhaftig machen will eine ordentliche Professur zu bekleiden. Wenn gesagt worden ist, daß die Dekane eine gewisse obrigkeitliche Funktion ausüben, so muß ich gestehen, daß

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