Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 7 (1.4.1923)
- Date
- 1923-04-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12 Die Wahr hei t Nr. 7 sich gegen dieselbe aus das äußerste zu wehren. Der Kommandant der Tiroler Heimwehren, Herr Dr. S t e i b l e, hat zwar eine öffentliche Erklärung abgegeben, daß diese Truppe mit der Anschlußbewegung an Bayern nichts zu tun habe. Aber selbst wenn die Tatsachen diese Erklärung nicht Lügen strasen würden, so hat Herr Dr. S t e i d l e doch mit keinem Wort geleugnet, daß die Heimwehren die Judenhatz lustig mitnrachen. Die wirtschaftlichen Verhältnisse in den Alpeuländern sind keineswegs so rosige, daß auf den Fremdenbesuch verzichtet werden körrnte, und wenn ich vom Fremdenbesuch spreche, so meine ich nicht nur den Besuch der Juden, sondern auch von NichtjudM, denen es nicht «angenehm sein kann, ihre Sommerruhe durch heftige Agitationen und durch Auswühlung der niedersten Volksinstinkte gestört zrr sehen. Wenn die Dinge sich so weiter entwickeln und wenn auch Hoteliers, Gastwirte und Casctiers ihrer antisemitischen Gesinnung in den öffentlichen Blätterrr weiterhin Ausdruck geben, dann wird um Salzburg und Tirol bald eine chinesische Mauer gezogen sein, welche kein Fremder mehr durchbrechen wird. Ich weiß nicht, ob dies von den führenden Persönlichkeiten in den genannten Bundesländern — in Steiermark liegen die Dinge übrigens ähnlich — beabsichtigt ist, gewiß »aber ist, daß die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung in den Alpenländern ihren Führern für eine solche Taktik keineswegs Dank wissen wird. Wenn nicht rasch ein Umschwung eintritt und die hirnlosen Judenhetzereien eingestellt werden, dann ist mit Sicherheit zu erwarten, daß zahlreiche Betriebe, die aus dem Fremdenbesuch aufgebaut sind, zugrunde gehen müssen." Zeichnet Spenden für unseren Pretzfonds! 1 Werdet Mitglieder für die „Union"! 8 Abonniert unser Organ, „Die Wahrheit"! ö Gedenket bei Familienfesten, bei Testaments- 1 errichtungen, Spielgewinsten usw. unseres 8 Rechtschutzbüros! S Es kommen ernste Zeiten! Pfleget den Opfer- 8 sinn für unseren gemeinsamen Kampf! | Aus unserem Rechtsschutz- und Abwehrburean. Der jnderchetzerische Professor. Unser Rechtschutzbüro hat am 12. März die nachfolgende Beschwerde lau den Bundesminister Dolktor S ch n e i d e r als Leiter des llnterrichtsministerinms gerichtet: „In Nr. 51 des , Salzburger Volksblatt" vom 3. d. M. veröffentlicht der Professor «an der «Salzburger Staatsrealschule Dr. Joses V i l l g r a t t u e r in feiner Eigenschaft als Obmann der Wirtschaiftsgruppe des antisemitischen Kampfausschusses für die Rettung der Hochschulen in Salzburg einen Aufruf zu Spenden für diese Hochschulen, welcher in seiner Gänze gehässige Anwürfe und Belehrungen der jüdischen Religionsgemeinschaft enthält und welchem wir insbesondere die folgenden «Stellen entnehmen: „Der bewegliche, stets rechnende Geist des Judentums Hat es verstanden, sich in die Bildungsstätten des deutschen Boles einzunisten und sich dort, alles Chriftlich-'arische knechtend und verdrängend, breit zu machen." „Die Söhne Israels sind keine Himmelsstürmer, sondern Schleicher." Der Verfasser beschuldigt die Inden, daß sie den Ruin des Staates bewirkt haben und fordert die Einführung des numerus clausus auch hinsichtlich der Mittelschulen und gegenüber jüdischen Staatsangehörigen. Das Verlangen nach finanzieller Beihilfe 'für die Hochschulen begründet. Dr. Villgrattner mit dem Satze: „Sonst bleiben sie in den Klauen« der orientaliftischen Blutsauger." Wir erheben gegen diese Veröffentlichung in eindringlichster Weise die Äussichtsbeschw erd e um das Bundesministerum für Inneres und Unterricht, weil wir. der Ansicht sind, daß ein von öffentlichen Geldern, also auch von den Steuergckdern der Juden bezahlter Jugendbildner - nicht das Recht «hat, feinem «Hasse gegen ide jüdische Religionsgemeinschaft in einer solchen brutalen nüd verletzenden Form öffentlich die Zügel schieße zu laßen. Vor wenigen Tagen erst hat das Justizministerium das Tragen von 'Abzeichen, welche d-ie «persönliche Gesinnung oder die. Vercinszugehörigkeit be'kuüden, den GerichtssuNktionären bei Ausübung ihres Amtes unter Hinweis «ans die erhabenen Aufgaben der Justiz untersagt. Nicht minder erhaben und verantwortlich sind die Ausgaben, welche den Lehrpersonen an staatlichen «Bildungsstätten obliegen. Der Lehrer muß inner-und außerhalb der Schule ein leuchtendes Vorbild für die ihm anvertraute Jugend sein. Er dürfte aber auch in seinem Privatleben sich nicht in Agitationen einlassen, welche aüf eine VevleituNg zu feindseligen Parteiungen zwischen den einzelnen Nationalitäten, Religivnsigemeinschaften und Bevölkernngsgrnppen (§ 302 St.-G.) abzielen. Wie sollen Kinder «und Eltern zu einem Manne Vertrauen hüben, welcher sich in «derart gehässiger Weise öffentlich -über die Staatsbürger jüdischen «Glaubens äußert? Die Forderung n«ach Ein«führung des nameras clausus steht im o«sfenen und direkten Widerspruche mit «den Staatsgrundigefetzen und der in derselben feftgelegten Gleichberechtigung, respektive mit der Lehr- und Lernfrerh«eit aller österreichischen Bürger, also «auch der jüdischen. Wir stellen an d>as Ministerium die Bitte, Herrn Dr. Joses Villgrattner dieses mit seiner öffentlichen Stellung . unvevembare Borgchen auszusstellen und geeignete Verfügungen zu treffen, damit die Wiederholung solcher gehässiger Aufreizungen «für die Zukunft hMtangehalten werde. Von der Erledigung dieser Beschwevde bitten wir uns geeignetest in Kenntnis fetzen zu wollen." Der „Judenkataster" und die Handelskammern. Am 20. März hat im Cafe Bürger eine Versammlung von Wiener Kaufleuten stattgesunden, um gegen die Boykottierung jüdischer Geschäftsleute Stellung zu nehmen. Den Vorsitz führte der Kaufmann Herr Bertold P o l l a k. Herr Reich forderte, daß in allen Wiener Bezirken eine Organisation geschaffen werde, die die maßgebenden Korporationen veranlassen soll, ihre Passivität aufzugeben. Herr Pechtal protestierte in scharfen Worten gegen die j n d e n f e i n d l i ch e Haltung der Handels- und G e w e r b e k a m m e r. Es müsse das Präsidium der Handelskammer befragt werden, was es davon halte, daß einer ihrer ersten Beamten einer d <e r F ü h r e r der H a k e n k r e u z l e r sei, jener Gesellschaft,. die sich nicht scheut, wchrlose jüdische Frauen auf offener Straße mit Gummiknütteln niederzuschlagen. Herr Wein wendet sich gegen die Salonjuden, die sich schämen und den Halenkreuzlern Geldunterstützungen geben, und knüpfte daran Angrifse gegen einen Kammersekretär, der in enger Fühlung mit den hakenkreuzlerischen Bestrebungen stehe. Hierauf führt Gremialrat Adler aus, daß es Pflicht der großen wirtschaftlichen Organisationen gewesen wäre, sofort mit aller Wucht gegen derartige Vorkommnisie, .wie der Judenkatafter in Innsbruck,. Stellung zu nehmen. Diese Pflicht wurde aber vernach--