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Die Wahrheit · 1923-04-01 · Heft 7 (1.4.1923) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 7 (1.4.1923)
Date
1923-04-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 7 i e Wahrheit Seite 5 von Patriotismus, ganz im Zusammenhang mit dein verdient gemacht hat, daß es schon aus religiösen Bedenken deutschen Volksleben sichend, so daß er wesentlich von ihm aus urteilte und handelte, beherrscht von rastloser Tüchtigkeit, «die ihn ein hohes Ziel dauernd im Auge behalten -ließ. Brentano hat mit seiner Schrift «der Erkenntnis dieser gewaltigen Vorzügle im Wesen Rathenaus einen guten Dienst erwiesen. Wir begrüßen sie, weil sie den klaren Beweis erbringt, wie schmerzlich besonders heute die, Ermordung des „vielseitigsten, fähigsten, unentbehrlichsten" Staatsmannes zu empfinden ist. Und was Brentano über die „Judensahne" sagt, bilde den Abschluß bieser Ausführungen: Sollte man es für möglich halten, daß es notwendig hätte werden können, die Farben des Wappens des alten deutschen Reiches Schwarz-Rot-Gold vor Verunglimpfung durch Deutsche zu schützen! Nach den deutschen Freiheitskriegen waren sie das Symbol der Hoffnung auf die Einheit Deutschlands. Als solches hat die deutsche Burschenschaft sie auf der Brust.getragen, und als die deutsche Burschenschaft, eben weil sie die Einheit Deutschlands wollte, von der Reaktion aufgelöst wurde, sang sie bei ihrer letzten Zusammenkunft am 26. November 1819 in Jena das ergreifende Binzersche Lied: „Wir hatten gebauet ein stattliches Haus", dessen 7. Vers klagt: „Das Band ist. zerschnitten, war schwarz, rot und gold." Mer trotzdem diese Worte in der Reaktionszeit selbst in den StudentenliSderbüchern nicht gedruckt werden durften, sind diese Farben stets von denen, die das ganze Deutschland wollten, heilig gehalten worden. Sie waren das Symbol der deutschen Einheitsbestrebungen im Jahre 1848, und als 1866 der Kampf um die Hegemonie zwischen Preußen und Oesterreich stattfand, hat jeder Mann in den den großdeutschen Gedanken vertretenden süddeutschen Armeen, vom Generalfeldmarschall Prinzen Karl von Bayern bis zum geringsten Soldaten die schwarz-rot-goldene Binde am Arme getragen. Was war selbstverständlicher, als daß man, als man zu der Hoffnung auf Wiedervereinigung mit den von uns getrennten österreich i scheu Stämmen zurückkchrte, auch auf die Farben zurückgriff, welche die deutsche Einheit während Jahrhunderten symbolisiert hatten? Und diese Fahne muß man heute gegen das 'Schmähwort Iudenfahne und andere Verunglimpfungen durch Strafandrohungen verteidigen! Die Darmstädter Kaggadah-Kandschrift. Von Dr, Bruno Italiener (Darmstadt). Eine der landläufigsten Vorstellungen ist die von der Abgeschlossenheit der Juden im Mittelalter. Berechtigt für die politischen und rechtlichen Verhältnisie, trifft sie keineswegs zu für die Literatur und Kultur der Juden. So sehr diese aus religiösen Gründen bemüht sein mochten, sich von der Umwelt abzuschließen, mib so hohe Mauern Haß und Verfolgung gesellschaftlich gegen sie auftichteten, die .sie umgebende Kultur überwand alle Hindernisse. Sie beeinflußte das Geistesleben, sie wirkte auf manche gottesdienstlichen Bräuche in Synagoge und Haus und machte .sich ganz besonders geltend auf dem Gebiete der jüdischen Kunst. . Es ist ein erst in neuerer Zeit erkannter Irrtum, um .dessen Aufhellung sich besonders David Kaufmann („Zur Geschichte der jüdischen Handschristenillustration" in dem von Müller und v. Schlosser herausgegebenen Werk „Die Haggadah von Serajevo", Wien 1898) eine jüdische Kunst niemals gegeben hätte. Das Zehngebvt, das die Darstellung all dessen, „was im Himmel oben, oder auf der Erde unten" verbietet, ist immer nur für Werke der Plastik verstanden worden, und selbst hier hak künstlerischer Drang das Gebot oft genug zu Zwecken des Kultus umgangen durch Darstellung von Tier- und Pflanzenornamenten in Form von Stickereien oder Gold- und Silberschmiedearbeit. Gegen Darstellungen mit Griffel und Pinsel sind niemals ernstliche Bedenken erhoben worden. Die Bedürfnisse der Synagoge drängten ja förmlich zu künstlerischer Betätigung nach dieser Richtung. Die heiligen Schriften der Juden, die im synagogalen Gottesdienst verwandt werden, dürften nur nach bestimmten Regeln geschrieben werden. Der jetzt insbesondere bei den Juden des Ostens noch anzutreffende Beruf des Sofers, zu deutsch Schreiber, ist gleichsam der letzte Nachklang einer einst berühmten und hochangesehenen Kunst, der Schveibkunst; dies aber nicht etwa verstanden als Beherrschung der Schrift überhaupt, — es gab kaum einen Juden im Mittelalter, der diese nicht besessen hätte — sondern als die Fähigkeit, die heiligen Schriften den religiösen Bestimmungen gemäß zu schreiben. Nur wer die peinliche Strenge dieser bis ins kleinste die Form der Buchstaben regelnden Bestimmungen kennt, vermag den heißen künstlerischen Drang, die sprudelnde Phantasie, ja die übermütige Laune zu erkennen, die sich hinter der bunten Fülle der Tier- und Vogelbilder, der Drachenkämpse, der Teufelsfratzen verbirgt, mit denen die. Handschriften teils verziert, oder in denen die Buchstaben teilweise dargestellt wurden. Kein Fall des gottesdienstlichen Lebens der Juden ist von jüdischen Künstlern so beachtet wie die beioen Wende, die das Passahfest einleiten, kein Buch mit so viel Liebe ausgeschmückt worden wie die Agende, die für den häuslichen Gottesdienst an jenen Abenden bestimmt ist, die Haggadah. Die mannigfachen Symbole, die für das Ritual des Passahfestes vorgeschrieben sind, die eigenartige Poesie, die jene Abendfeiern auszeichnet, „wehmütig heiter, ernsthaft spielend und märchenhaft geheimnisvoll", boten dem jüdischen Künstler einen natürlichen Anreiz zur Betätigung. So ist die Zahl der mit Illustrationen versehenen Haggadah-Handschriften besonders groß. Die ältesten und wertvollsten sind in dem ober: erwähnten Werk „Die Hagigüdah von Serajewo" eingehend beschrieben worden. Leider haben die Herausgeber eine der wertvollsten und ältesten Haggadahhandschriften, die sich in der Landesbibliothek in Darmstadt befindet (Codex orientalis 8) unberücksichtigt gelassen. Sie sind irregeführt worden durch eine in der „Geschichte der Juden in der Kurpfalz" (Frankfurt n. M. 1895) befindliche unrichtige Zeitangabe über die Entstehung, der Handschrift. Darauf hat Dr. Adolf Schmidt, der Direktor der Landesbibliothek in Darmstadt, bereits hingewiesen, der zum ersten Male eine ausführliche Beschreibung des Codex gegeben hat („Zeitschrift für Bücherfreunde" 5. Jahrgang 1901/92). Der Codex hat 55 Blatt in Folio. Der Text ist in Qudratschrift hebräisch geschrieben und von einem hebräischen Kommentar in Kursivschriftumgeben. Als Sofer bezeichnet sich Israel, der Sohn des Rabbi Meir aus Heidelberg. Der Text ist reich geschmückt mit Miniaturen, die teilweise mit hoher Künstlerschaft und in ganz prächtigen Farben ausgeführt sind. Der Inhalt der Darstellung: Kultusgegenstände, Tiergestalten, überwiegend Männer und Frauen,

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