Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 7 (1.4.1923)
- Date
- 1923-04-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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©eile 4 D i e Wahrheit Vir. 7 ßeu, ihnen sogar ihr Vaterland rauben und sie daraus vertreiben will — dann geh hin und lerne aus deiner Pesachhaggadah, wie sie sich in jedem Zeitalter gegen uns erhoben, um uns zu verderben, und wie der Heilige, gelobt sei er, uns immer aus ihrer Hand befreit hat. Dann wirst du neue Kraft gewinnen, neuer Mm wird dich beseelen und weithin wirst du össnen die Türe, damit er komme, der Heilverküttder und Friedensbringer, der große Prophet, um die Herzen der Eltern den Kindern und die der .Kinder den Litern zuzuwenden. Und solltest du nicht imstande sein, aus der Geschichte zu lernen, und sollte deine geistige und seelische Verfassung eitle derartige sein, das; auch die Gegenwart dir nichts zu sagen vermag, weil du alle deine Hoffnungen scheitern, alle deine 2 tu gen wanken siehst: zd nlemad! Dann geh hinaus itt Gottes freie Natur und lerne dort hoffen lind vertrauen! Beachte dort das große Wunder, das mit jedem Frühling sich erneut, wie das Samenkorn, das itt die Erde gesenkt ward, dort sich aufgelöst hat uttd dennoch itt der Erde nicht untergegangen ist, vielmehr die Bestandteile der Erde sich ähnlich gemacht und allmählich zu einem mächtigen Baume eitiporgewachsen, der Blätter ansetzt^ Blüten treibt luiö dann köstliche Früchte zeitigt! — und lerne darum nitd erkenne, daß auch das Judentum itt seiner Umgebung nicht aufgelten, sondern zu einem mächtigen Baume heranwachsen werde, weil eben die Gesetze seines Wachsens und Gedeihens tticht itt der Hand seiner Feinde, sondern in der Hand Gottes liegen. Auch draußen in der Natur katlti der Sieg des Lichts wohl verzögert, aber tticht endgültig aufgehalten werden, die Entscheidung kamt niemals ungewiß bleiben. Also wird es auch itt Israel endlich doch Frühling werden nach der schauerlichen Oede, . die so lange geherrscht, tteues Leben wird auch dir erblühen, ein neuer besserer Sinn wird auch dich beseelen, darum: Zd uleinad, gehe hin ttnd lerne! Walter Rathenau. Bon Oskar H i r s ch f e l d. (Säitufr Brentano bedauert es lebhaft, daß der Friede von Versailles nicht a'bgelehnt wurde; er selbst hat seinerzeit an der Beratung teilgenommen, in der Sachverständige, die aus bcm ganzen Reiche nach deitt Waffenstillstandsabkomlnen nad) Berlin berufen waren, die von den Alliierten Deutschlands vorgelegten Friedensbedingungen einstimmig ablehnten. Nachdem aber unterschrieben war, —- wie es dazu kaitt, wird überaus dramatisch geschildert — siand für Brentano die Frage ganz anders und nun fichrt er den gleichen Kampf wie Rathenau, den Kamps für die Erfüllungspolitik. Diese muß Deutschland treiben, tveil „die Doppelzüngigkeit der Bülowschen Politik Deutschlands Glaubwürdigkeit sehr geschädigt hat" und „uns das Ausland nur Vertrauen schenkt, wenn wir unser äußerstes tun, uni unser verpfändetes Wort einznlüsen." Zwar muß Brentano selbst gestehen, daß „der Verbissenste unter unseren Gegnern kein Interesse hat, daß wir erfüllen. Gr aber schreit am meisten darüber, weil er in dieser einen Rechtstitel sucht zur Erreichung seines eigentlichen Kriegszieles: der Annektion der Rheinlande, und der Zertrümmerung des Reiches. Sein Streben ist B e s e tz u n g d e s Ruhrgebiete s", ein Streben, das leider, wie man weiß, in die Tat um gesetzt wurde. Aber alle Erfüllunigsversuche wenden mit dem Hinweis darauf vollkommen gerechtfertigt, daß das deutsche Volk durch, die Erfüllung die Neutralen, England und Amerika gewinnen würde. Das hat Rathenau mit seinem politischen Verstände erkannt und darin liegt auch sein Verdienst mit dem Wiesbadener Abkommen. Für dieses zollt Brentano dem Ermordeten uneingeschränktes Lob, obwohl er gerechterweise auch die an ihm geübte bekannte Kritik zu Worte kommen läßt. Er sieht sich aber veranlaßt, den Gegnern der Erfüllungspolitik niedere Beweggründe unterzuschieben. So schreibt er zum Beispiel: „Liest man die Rede, die der Abgeordnete S t i u n e s am 20. Mai im Auswärtigen Ausschuß des deutschen Reichstages gehalten hat, man dürfe sich nicht immer von der Augst vor der Entente leiten lassen und müsse unter Umständen auch die Besetzung des R u h r g e b i e t c s i n K a u s ne h m e n, so gewinnt es den Anschein, als ob die Franzosen keine große Ueberrcduugskunst mehr notwendig hätten, nm diese deutschfranzösische Verflechtung durch Kohle und Eisen zu erreichen." Diese Worte des deutschnationalen Abgeordneten und Großindustriellen S t i n u e s, die Worte des bäurischen Nationalsozialisten Hitler vom 4. Dezember: „B e s s e r, w e nn die F r a n z o s eit i u s San d k o m m e n!" und schließlich, aber nicht endlich der Wunsch der „R h eint s ch - W e st p h ä l i s ch e n Zeit u n g", des Organes, der den Rathenaumvrdern freundlichen deutschen Schwerindustrie: „B e. s s e r Skt a v e n d e r e u r op ä i s ch e n E n g l ä n d e r u u d F r a u z o s e tt, a l s der Juden!", das sind für einen deutschetnpfindenden Mann, selbst wenn er Jude ist, schönere „Merkworte" »As die vom „Hammer" verzapften. Schließlich finde in diesem Zusammenhang noch Erwähnung, was der Antipode Rathenaus, Emil K i rd o r s f, von dem bereits im ersten Teil dieses Artikels die unrühmliche Rede war, vor kurzem gelegentlich einer Kundgebung der Arbeitgeberverbände gesagt hat: „Der H aß gege it d ie F e t u b c ist die bestte Möglichkeit für einen ttationalen Znsammenschluß. Der Kampf könne nur in dem Zeichen geführt werden: einigender Haß gegen die Feinde!" Wer faselt da noch vom „jüdischen Haß!" Mit derselben Energie wie die Gegner der Ersülluugspolikik bekämpft Brentano Helfferich, der „am 23. Juni in einer Hetzrede von nn glaublichster Leidenschaft verlangte, daß Rathenau vor dem Staaksgerichtshof gestellt werde wegen Fehler, die sich in die französische Udbersetzung des deutschen Textes einer deutschen Note eingeschlichen hatten. Da der deutsche Text und nicht die Uebersetzuug für uns nt aß gdbend ist, hatte Helfferich mit wildem Geschrei gegen Einbildungen gekämpft. Am 24. Juni über wurde Rathenau, d er v i e l s e i t i g ft e, g c wandte ft e, u ne tt t b e h r l i ch st e u tt s e r c r S t a a t s nt ä it u e r d a s Opfer r u ch lose r M o r d b u b e tt." Wohl erklärt es Brentano für „absurd, Helfferich wegen dieser Rede für den Mord verantwortlich zu machen." Anderseits stand sie doch mit der Ermordung Rathenaus in zeitlichem Zusammenhang, so daß man unwillkürlich den fatalen Eindruck erhält, etwas müsse doch wohl att dem bekannten Verdachte dran sein. Denn nach ihr ist die „Mordatmosphäre" entstanden, zu deren Vertilgung der Vortragende das Gesetz zum Schutze der Republik als das mindeste bezeichnet, „was geschehen konnte,, wenn Deutschland sich nicht selbst ausgeben will". Und er fügt hinzu, daß Rathenan ihm itt dieser Ueberzeugung sicher zugestimmt hätte. Zusammensassend ist über dessen Persönlichkeit ztt sagen: er war ein begabter, vielseitiger Mamt„ geleitet V -.fei-. .7 -i&’r.&L&SSSiÄI