Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 6 (15.3.1924)
- Date
- 1924-03-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Die Wahrheit Seite 1A Nr? 6 " jene Rögierungeu, die mit entern kaum unterdrückten '■ Wohlwollen die Entwicklung dieiser Ongcttriisationen begleiten. Die Regierung ' bemüht sich systematisch, ' den Nichter ft anb hakenkreuzlerisch zu d u r ch s e u ch e n. Vor mir hier liegt das Zeugnis eines Mannes, der sich uni einen Richterposten bewarb. Das Zeugnis ist von einem chriftlichsozialen Minister ausgestellt, und darin wird bestätigt, daß der Mann ein ausgezeichneter Jurist, und schon jetzt vollkonl- .men befähigt sein, ein Referat selbständig zu führensein Eintritt wäre als Gewinn für den Richterberulf zu be-. zeichnen. Auster .dieser ausgezeichneten. Qnalifilkation hat der Mann 13 Dienstjahre. Als eine Person, die sich -für .' den Bewerber interessierte, dieses Zeugnis dem Personal- ' rüserenteir des Justizminissteriunts Nowak vorlegte, . faghe dieser n'ach einem ersten Blick in das Dokument, als er sich überzeugte, daß der Bewerber in Hamburg geboren ., sei: „Es freut mich, daß sie für einen so würdigen und hervorragend gualifizierten Bewerber eingötreten, umsomehr, da er Äl ld euts cher ist." Leider hat ein zweiter Blick in die Dokumente den Pevsonalreserenten überzeugt, daß der Betreffende I u d e i st. Das genügte, um die Sache sofort ad acta zir legen. Dem Manne ist /.dann bedeutet worden, er habe wögen der Ansnahlmssperre nicht ausgenommen werden können. Diese Auslegung des Präsidenten des Oberlandesgeri chtes Pult,au s ist . ein e Unwah rh eit, denn gleichzeitig sind sieben andere, und zwar lauter H a k e n k r e u z l e r, ausgenommen worden. - Antisemitismus im Ruhrgebiet. Obwohl von allen - Seiten die Forderung nach einer Einheitsfront der getarnten vom französischen Einsall betroffenen Ruhvgebiete . verlangt wird, hat dort der Kampf gegen die Juden nicht nur nicht abgeflaut, sondern eine ungeahnte Höhe erreicht. Trotzdem der Versuchfranzösischer Kreise in Essen, mit den Juden Fühlung zu nehmen und sie zu einer organisierten Bekämpfung ■ der Jndtznhetze aufznsordern, von den Juden, mit Mer Entschiedenheiit zurückgewiesen worden ist, - wird ständig die Behauptung ausgestellt, daß die französische Okkupationsmacht mit den Juden in Beziehungen - stehe. Wiederholtift die Drohung laut geworden, daß man . Nach Abzug der Franzosen zunächst mit den Juden ab- - rechnen werde. Es befinden sich zurzeit, wie I. C. B. mÄdet/ - 7000 bis 8000 jüdische Arbeiter im Rnhrgebiet, die mit der Arbeiterschaft. in Men Fragen solidarisch aufgetreten sind: . - ,Michel" will raffen! Der Grazer Michel macht es nichr -wie sein friedlichei'NamensvetterMichel(Personifikation des ^deutschen Volkes), den man sich mir mit der Schlafmütze ' Wer den Ohren denken konnte. Unser „Michel" krempelt ^'die Hemdärmeln auf und läßt -durch den Mund des Ge- 'üerals der Infanterie Karl Kraus verkünden: „Gott schuf - sdas"Gesetz des Kampfes (!), der Kamps aller ist leben (!), -wer-etwas anderes lehrt imd fördert, versündigt sich gegen Gott(!) Der - Bundeskanzler, -der sich die Beine in den '/Bäuch steht, um die Anslandskrediie zu bekommen, wird ^Än dem ransliustigen Michel wenig .Freude haben ürrd nun '/begreifen wir, weshäktz dieser von den ChvistlichsoziMn "'aM!lehnt wird trotz erhMichem Aufwand an Jrrdenhaß. .. / . Ritualmordpropaganda. Die in Leipzig erscheinende '-.ämtHömitifche Zeitschrift „D er - -H am m e r". betreibt an- .rgesWs 'der nahenden Osterfeiertajge inVerbindnng mit . / dev..ZuwaMermeg von - Ostftrden 'Nach' Deutschland eine ..rMtömatisch^./RittMMrdprDpngandL. Fast Zn jeder Nummer berichtet:,: die. ZRtung.«über das Verschwinden -junger Leute ans Deutschland, sowie über Versuche gewaltsamer Entführung d e n t s ch e r K i n-d e r d n r ch O ft jude n. In ihrer letzten Nummer berichtet die Zeitung vom Verschwinden von drei jungen M ä d chen im Alver von 15 und 18 Jahren aus Berlin und knüpft hieran die folgende Bemerkung: ,,Die Zahl verschwundener junger Menschen wächst genau im- Verhältnis zu der sich entschleichender Ostftiden! Es sind seit zwei Jahren mehrere hundert Kinder und junge Menschen beiderlei Geschlechts spurlos verschwunden. Wir sprechen den Verdacht aus, daiß beide Erscheinungen ursächlich zusammenhäugen — weil es keine andere Erklärung gibt und weil diesem, -vertierten Gesindel «alles zuz-Ntrauen ist." Die Zeitung macht die deutsche JuÄenschaft für die Taten ihrer Schützlinge verantwortlich, denn sie nimmt sich des „vertierten Gesindels" — ein niedliches Wort — liebevoll an und beweist — vom „Hammer" gesperrt gedruckt — damit, daß ihre Loyalität gegen das deutsche Volk keinen Pfifferling wert ist. Und der „Hammer" beweist damit, daß ihm seit seinem letzten Verbot der Kamm wieder bedenklich ge schwollen ist und 'daß der Staatsanwalt wieder einmal ein gutes Werk täte, wenn er dem Herrn Theodor Fritsch ein wenig auf die Finger klopfen würde. Hier wendet sich der „Hammer" mit Grauen und schreibt den folgenden ergötzlichen Satz: wir wollen abbrechen: der Herr Berichterstatter scheint selbst in der Erinnerung an das Geschehene in die „jiddische" Sprechweise (warum nicht Sprech-Weise?) verfallen zu sein! Der deutschnationale Berichterstatter mit der jiddischen Sprechweise, da lachen die Hühner! Windbeuteleien. In seinem „Deutschen Wochenblatt" verzapft Richard Kunze (Knüppel-Kunze) Binsenweisheit und beweist, was heute schon jeder politische A-b-c-Schütz weiß, daß der deutschen Wirtschaft Weh und Ach der Papiergeldwirtschaft — Papiergeldschwindel schreibt Kunze — entspringe. Als Beglleiterscheinung gilt ihm der hohe Zinsfuß. „Derjenige, der heute Geld zu niedrigen Zinsfuß verleiht, ist ein Tor." Diese Anschauung im Munde eines tvucherfeindlichen Rassedeutschen erscheine bezeichnend. Ebenso die Bemerkung: Durch den Verkauf eines einzigen Schweines, kann heute der (selbstverständlich arische) Bauer sein Bauerngut schuldenfrei machen. Ausbeuter bleibt aber doch in den Augen der Nationalsozialisten der Jude. Der laugen Rede kurzer Unsinn lautet: Fort mit dem Papiergeldschwindöl. Das sei hinfort die Losurrg Mer, die nicht untergehen wollen. Alles recht schön. Aber wie denkt sich Herr Kunze die Löfung des -Problems? Daßdeutsche Vaterland würde -den, nächst Bismarck, als größten Mann feiern, der den deutschen Karren aus dem Papiergeldsumps ziehen könnte. Ja, wenn sich Dollar und Pfund herunterknüppeln ließen, da wäre Herr Kunze der richtige Nothelser. Bedenklicher als diese leere Windbeutelei, ist jene, die sich mit der Wiederherbeiführung des Krieges gegen Frankreich befaßt. Bereits in der vorletzten Nummer dieser Zeitschrift haben wir das unsinnige Getue, der „Deutschvölkischen Frecheitspartei" im Reichstag besprochen, die einfach gegen die Franzosen marschieren möchte. 9hm begegnen wir auch in den bedächtigeren und klügeren „Eisernen Blättern" Dr. Traubs-München ähnlichen nicht zu rechtfertigenden Fanfaraden. Jn emem Aufsatze, der „Ernährnngsdesizit und auswärtige Politik" betitelt ist, bekennt sich der Verfasser zu dem Gedanken/ die angelsächsischen Staaten konnten, um der sie so schwer bedrückenden Arbeitslosigkeit abzuhelfen. Deutschland gegen I Frankreich in den Krieg schicken und das - erforderliche