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Die Wahrheit · 1924-03-15 · Heft 6 (15.3.1924) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 6 (15.3.1924)
Date
1924-03-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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emer ftaailic^eai Mittelschule erregen hier auch in gcbil- -. beten christlichen Kreisen geradezu Entrüstung. Selbst bei Berücksichtigung weitgchendfter persönlicher Meinungs und Gewistensäußerung kann es einem Jnqenidbildner an -einer öffentlichen Lehranstalt, für 'deren Erhaltnnig alle . Staatsbürger ohne Unterschied der Konfession anszuikom- .,MkD hccken, nicht 'gestattet sein, einen derartigen ans- Heizenden, der Wahrheit und Wissenschaftlichkeit Hohn -sprechenden Aufsatz zu veröffentlichen, der sichtlich darauf -tzchziehlt, die niedersten Instinkte 'aufzuwühlen, um unter einer friedliebenden Bevölkerung Pogrom'stimmnng zn er- . .ivecken. Und einem solchen Lehrer sollen nnd nnisseir jüdische Eltern ihr tenerstes Gut, ihre Kinder, anvertrauen? Wenn solche Zustände nngerügt und ungeahndet weiter bestehen bleiben, dann sind wir Inden in Oesterreich wirklich vvgelfrei nnd gehen mit Riesenschritten den finstersten . Zeiten des Mittelalters entgegen." * * . .. - - Wir bemerken zu dieser Znschlvift, daß der Aufruf des Professors Villgrattner ein Sammelsuriüm der ärgsten Lügen ist. Der Verein zur Förderurig der Wiener Universitjät besticht aus geistig hervorragenden Aristen und Juden und hat dieser unter der Not der Zeit leidenden Hochschule bisher mehr als 100 Millionen Kronen zugesuhrt. Es ist ein Ehrenzeugnis für die Achtung, welche das Judentum der geistigen Arbeit enl- - asgenbrintzt, daß «von diesen 100 Millionen Kronen etwa 00 Prozent von Inden gespendet wurden und es ist nicht die Schuld unserer Glaubensgenosten, daß die christlichen Kreise sich in so geringem Maße an diesem Hilfswerke beteiligten. Eine tendenziöse und schanilose Unwahrheit aber ' ist es, wenn Herr Villgrattner behauptet, daß die . Lehrkanzel an dem zweiter chemischen Institut in Wien - deshalb nicht besetzt werden konnte, weil die betreffende Lehrkraft christlicher Konfession war run'ddie Juden für > dieselbe fein Geld hergeben wollten. Der Gehalt eines Professors wird doch nicht von den Juden bewilligt. : Allerdings hat die Opferwillig! eil Mischer Spender von . dem Zeitpunkt an sich vermindert, in welchem der Rektor 'Diener in seiner amtlichen Stellung für die Ausschließung der jüdischen Hörervon den Hochschulen ein- - getreten ist. — - Wir werden gegen die Stilübung des .Professors Viellgrattner an geeigneter Stelle die erforderlichen Schritte einleiten. Aus der jüdischen Frauenbewegung. Eine internationale jüdische Frauentagung in Wien. .In der ersten Woche des Monates Mai 1923 findet in /Wien eine internationale jüdische Fvanentagung statt, zu der aus allen Ländern Delegierte erwartet werden. Die Konferenz ist von dem American Jewish Council os Women einberufen, an deren Spitze als Präsiden! Mrs. I. Harris und als Vizepräsident Mr. Alexander Kohüt stchen, wel- . 'che die Konferenz leiten werden. Die Konferenz wird sich -vornehmlich mit den Fragen des Schutzes reisender Frauen'und. Kinder, des Mädchenhandels und der allgemeinen Jugenderziehung beschäftigen. j Zur Beachtung! j i Wir ersuchen unsere geehrten Mitglieder, Ke- : j Melluugen auf die „Wahrheit" an die Administration; /r Hs» Klattes. II.» Hänrstratzr 13 (postspar^affenkonto : 4 Kr. 100.018) mit dem Uermerk: ,,M. d. U." (Miti r alied der Union), zn richten. - . | Mir ersuche« dringend um Spenden für de» \ | Kreßfond, welche an unser Zentralbüro, IX.» Kerg- : i gasse 4, geleitet werden moUen. - - •v ■ * s Wahrheiten vom Tage Zur Kritik der jüdischnationalen Demonstration. Es liegt in der Natur der Sache und Verschiedenheit der Mischen Parteiftellnngen, daß die Versammlung in der- Volkshalle des Rathauses Samstag, den 3. März, .geteilte Empsindungen und widerspruchsvolle Beurteilung zufolge haben mußte. Wir bringen das Wort Samstag in Sperrschrist, um es zu unterstreichen, daß die Wähl dieses Tages die Gegnerschaft eines Großteils der Wiener Juden finden mußte, die an dem Gebote sesthalten: Am Scibbat sollst du ruhen, du und 'deine Politiker. Wenn sich die Jüdischnationalen über diesen Punkt hinwegsetzten, dürfen sie sich weder beklagen noch verwundern, daß sie bei den Strenggläubigen 'keine Gefolgschaft fanden. Aber auch die geschmähten Astimilanten wahrten sich die Freiheit ihrer persönlichen Ueberzengung, daß in diesen stiirmilsch bewegten Zeiten jeder Anlaß zu neuen Reibungen nicht ratsam sei, wenn auch anderseits das verfassungsmäßige Recht der fveien Meinungsäußerung in Wort und Schrift den Juden in Wien gewahrt bleiben müsse, was übrigens von keiner Seite'bestritten wurde. Den Jüdischn'wtionalen aber soll es sich bei diesem An laste hauptsächlich um eine Kraftprobe gehandelt haben, wer bei dem Ringen vor der Oessentlichkeit als der Stärkere hervorgehen würde. Die Jüdischnationalen waren auch die Stärkeren, sofernsie von einer ihnen an Kopfzahl überlegenen Polizeiwachmannschaft.geschützt wurden. Die Regierung hat eben durch die Legionen des Polizeipräsidenten Schober ihr Wort eingelöst, d aß die Jüdisch nationalen in ihrer Versammlungsfreiheit nicht behindert werden. Sie konnte es aber nicht verwehren, daß am kritischen Samstag andere unbeteiligte Juden auf der Straße mißhandelt, andere aus den: Straßenbahnwagen herausgeholt und verprügelt wurden. Unbefangen betrachtet, hat die Demonftration der Jüdischnatioualeu ihr Eewinnkonto kaum bereichert. Die Regierung Seipel, ohnedies ihnen wenig hold, wird es dieser Partei aufs Kerbholz bringen, daß sie unlliebfames Aufsehen und Mißtrauen beim Ausland erregt, während die aufs Hakenkreuz Schwörenden es der österreichischen Judenheit werden entgelten lasten. Es klingt wie eins Resonnanz der Stimmen vom Samstag, wenn an der Wiener Technischen Hochschule aus eigener Machtvollkomnicnheit des deutschvölkischen Prosestorenkollegiums der uumerus clausus für jüdische Studierende des Auslands verkündet wurde. Vergiftung des öffentlichen Geistes. Bei der ersten Lesung des Bundesvorschlages im Nationalrat, sagte der sozialdemolkratische Abgeordnete Dr.' Ellenbogen nach einer sehr scharfen Kritik der Budgetzifsern: Biel mehr als alles das ist aber bezeichnend 'für die gegenwärtige. Regierung d i e s y ft e in arische V e r g t f - t int 3 des öffentlichen Gei fte s im reaktivuärsteM Sinne. Die Früchte dieser Reaktion äußern sich letzten Endes in der Mordtat, die wir vor vierzehn Tagen zu beklagen hatten. Mitschuldig d'aran, daß solche Daten in dem bishier so fricksichen Oesterreich möglich! sind, ist jener Staatsanwalt, d er sich geweigert hat, seinerzeit Herrn Steidle wetzen des Waffendiebstahls in Innsbruck gerichtlich zu verfolgen. Mitschuldig sind jene Richter, die h ak en kreuz lerische Defraudanten und Diebe nur bedingt verurteilen. Mitschuldig sind jene monarchistischen Minister, unter dewn Vorsitz nnd Mitwirkung mit R e v o l v e r n bew ia f f n e t e Knüpp e l Horden zusr Niederschlagung der Arbeiterschaft gedungen wurden. Mitschuldig sind auch

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