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Die Wahrheit · 1924-03-15 · Heft 6 (15.3.1924) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 6 (15.3.1924)
Date
1924-03-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 6 D i e W a h rhett Adelte 1t Aus unserem Rechtsschutz- und Abwehrbureau. Die Wühlarbeit der Hakenkreuzler. Aus München kommt die Nachricht, daß die Polizei dorr einen Putsch aufgedeckt weicher auf die Losrerßung Bayerns vom Reiche uuid auf dessen Vereinigung mit den österreichschen Alpenländexn zu einem süddeutschen Staute abzielte und dessen Teilnehmer mit franzö s i s ch e n A g e u t e u in Verbindung standen. Die bayerischen Hakenkreuzler spinnen schon lange ihre. Fäden nach Innsbruck, Salzburg und selbst nach Budapest. Vor wenigen Tagen wollten zwei Vorstandsmitglieder des „Hochschulringes deutscher Art", namens K ersten und Stück l in Budapest, um. an den Beratungen der dorngen Hvchschnler zur Duchsiihruir.g des numerus clausus gegen die jüdischen Studenten teilzunehmen. Oesterreich ist vor, hakettkreutzlerischen Agentenans Bayern übevschwelichnt, welche überall die Bewegung zur Losreißuug der Alpen länddr und 'deren Vereinigung mit Bayern schüren. Der Innsbrucker „Nariortälsoziakist" wird direkt von (Geldern der Hitler-Partei in Bayern erhalten. Die österreichische Regierung sieht diesen Treibereien und Wühlereien untätig zu. Für all diese subversiven Elemente ist die Aust reizung zum Juidvlchasse nur das Mittel zum Zwecke, um die gegenwärtige Staatsform in Deutschland und in Oesterreich zu vernichten, und es fehlt nicht an Anzeichen, -daß sie hierzu auch die. Beihilfe des „Erbfeindes", der gegenwärtig mit der Besetzung des Ruhrgebietes Deutschland in das tiesste Unglück gestürzt hat, in Anspruch nehmen. Die Verdienste des Herrn Dr. Seipel um den Wiederarrsban! Oesterreichs in allen Ehren — aber er möge dabei die Maulwurfsarbeit gewisser arischer- Volksgenossen nicht allzu unbeachtet lassen. - Oesterreichs Technik voran! Die Wiener Technijche Hochschule hat nach dem Ruh in gegeizt, das Prinzip des nwnerus clausus gegen jüdische Hörer zrr allererst durchzuführen. In einer vom Rektorate verlautbarten Kundmachung wirdchekanntgegeben, daß ausländische Hörer Hinauf Grund ihrer wissenschaftlichen Eignung zugelasseu Erden, bei ausländischen Juden aber überdies noch die Beschränkung aus zehn Prozent der bereits in den einzelnen Fachschulen inskribierten jüdischen Hörer platzgreift. Nach den „Ausklärungen", die der Prorektor Professor F e r st e l gegenüber verschiedenen Anssragern gegeben hat, ist es nun allerdings richtig, daß solche jüdische Hörer, die österreichische Staatsbürger sind, von dieser Verfügung nicht berührt werden. Ein Verdienst hierfür ist dem Profesforenkolleginm der Technik nicht zuzusprechen, denn dir Staatsgrmrdigesetze hüben die Ausdehnung des namcrus clausus aus österreichische Juden einfach unmöglich gemacht. Wir .sind ein herabgekommencr Staat 'und es mag vielleicht vom budgetären Standpunkt notwendig sein, den Zuzug ausländischer Hörer an unseren Hochschulen zu be- . schränken. Warum aber ausländische Juden und Nrchtjuden disferenziel! behandelt und die Prozentnorm nur auf die erfteren angewendet wird, ist schlechterdings nicht anders zu «Mären als durch die antisemitische Gesinnung der Professoren an der Wiener Technik. Während in Rumänien, diesen, bis zum Kriege antisemitischesten Staate der ganzen Welt, König Ferdinand verkündet, daß nunmehr die Hochschulen seines Staates jedermann frei zugänglich seien und daß jede konfessionelle Unterschüidung aushörcn müsse, hat sich die Wiener Technik zum Schrittmacher der hakencreuzlerüschen Forderung nach Ausschließung der Juden vom Hochschulstudium gemacht. Dieser Schimpf wird der Wiener Technik für ewige Zeiten anhaften. Zunächst sind nur die ausländischen Juden beirosfen, aber auch die inländischen empfinden diese Differenzierung als einen ersten Hieb gegen -die konfessionelle Gleichberechtigung. Eine gesetzliche Handhabe, den Beschluß des Professorenkollegiums unwirksam zu machen, gibt es leider nicht, da die Bestimmungen über die Jnslriptiou ausländischer Hörer ausschließlich in die AuLononrie der Hochschule fallen. Moralisch aber klagen wir die. Wiener Technik vor der ganzen Welt als amen Herb antiscmitischer Rückfällrgkeft an, wie sie vor dem Kriege nur im zaristischen Rußland bestand und gegenwärtig nur noch im barbarischen Horthy-klngarn bestehlt. Das Hakenkreuz bei Gericht. Vor ige Woche wurde ein Rechtsanwalt zu einer. empfindlichen Geldstrafe verurteilt, weil er bei Gericht einen Schriftführer, der das Hakenkreuz trug, als besangen ablehnte und das Tragen des .Hakenkreuzes als eiu.cn Unfug bezeichnete. Nim hat das Justizministerium in einem Erlaße an das Präsidium des Oborlandcsgerichtes das Tragen eines persönlichen Abzeichens mit dem Amtskleid für unvereinbar erklärt und die Richter angewiesen, darauf zu achten, daß auch a n d e r e L r g a u e des Gerichtes, welche kein Amrskleid tragen, bei Verhandlungen ebensowenig mir Abzeichen ihrer Gesinnung oder Verein szugehörigkeit er scheinen. — E s w a r a l s o d o ch e i n U n fug! Mitteilungen aus dem Zentralvorstand. Für unseren Pregfonds sind weiter eiügegangen: Von Herrn Otto L ö w y in Salzburg IH 20.000. Wir bitten dringend um weitere Zuwendungen!___ Zeichnet Spenden für unseren Pretzsonds? Werbet Mitglieder für die „Union"! Abonniert unser Organ, „Die Wahrheit"! Gedenket bei Familienfesten, bei Testamentserrichtungen, Spielgewinsten usw. unseres Rechtschutzbüros! Es kommen ernste Zeiten! Pfleget den Opserfinn für unseren gemeinsamen Kamps! Aus paseren Mitgliedschaf'e«. Ortsgruppe Salzburg. Wir erhalten folgendes Schreiben: „In Nummeröl des „Salzburger Bolksb'lärt" vom 3. d. M. veröffentlicht der Professor au der hiesigen Staatsrealschule, Dr. Josef Villgratmer, in seiner Eigenschaft als Obmann der Wirlschastsgruppe des antisemitischen Kampfausschusses für die cklettung der Hochschulen in Salzburg einen Aufruf zu Spenden für diese Hochschulen, welchem wir folgende Stellen entnehmen: „Ter bewegliche, stets rechnende Geist des Judentums hat es verstanden, sich in die Bildungsstätten des deutschen Volkes einzunisten, und sich dort, alles Ehristlicharische knechtend und verdrängend, breit zu machen" .... „Die Söhne Israels sind keine HimmÄsstürmer, sondern Schleicher" ... Es wird dann die Forderung des Numerus Clausus vertreten, unid zwar auch hinsichtlich der Mittelschulen und gegenüber den jüdischen Staatsbürgern. Professor Villgrattner beschuldigt die Juden, daß sie den Ruin des Staates bewirkt haben und daß in einem besonderen Falle das zweite chemische Institut in Wien ohne Lehrkraft sei, weil der in Vorschlag gebrachte Gelehrte -Ms dem Deutschen Reiche ein Arier gewesen fei und die Inden für diesen kein Geld geben wollten. Billgrat tue r fordert das christliche BoK auf, den Hochschulen finanziell beizuspringen, denn: „sonst bleiben sie in den 51 lauen der orientali st ischen B l u tsang e r". Diese Ausführungen eines Lehrers an

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