Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 6 (15.3.1924)
- Date
- 1924-03-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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mäßig die. ebenso fanwsen, aber leider bis heute unbewiesenen Worte: „Wer genau unterrichtet ist, (und gewiß ist dies der „Hammer") der weiß, daß diese dreihundert Männer allesamt dem auserwählten Volle angehören." Nicht wegleugnen aber lasten sich, selbst von Fritsch, nachstehende Wahrheiten Brentanos: „Während Herr von Bräun durch seine Broschüre: „Kann Deutschland durch Hunger besiegt werden?" die deutschen Regierungen in die irrige Vorstellung einlullte, daß die deutsche Landwirtschaft dem Nahrungsbedarf des deutschen Volles zu genügen imstande sei und Deutschland, als die Hoffnung, aus Rumänien und der Ukraine Getreide zu erhalten, fehlschlug, durch .Hunger besiegt worden ist, , konnte Rathenau schon nach achtmonatlicher Tätigkeit, am 1. April 1915, als er dem preußffchen Kriegsmiuisterium die Kriegs-Rohstoffabteilung als ein gehendes, eingearbeitetes, fertiges Werk übergab, zu Fallenhayn sagen: „Wir sind in allenr Wesentlichen gedeckt, der Krieg ist von der Rohstoffbeschassung unabhängig!" Und das hat sich bis zum Ende des Krieges bewahrheitet. Da, wo Rathenau die Frage auswirst, wem es zu danken ist, das; das große, von ihm ins Leben gerufene Werk gelingen konnte, nennt er unter anderen den Idealismus einer Anzahl Menschen, die sich freiwillig einer gemeimamen Führung anvertrauren, ohne Entgelt, ohne Versprechen, ohne Verpflichtung, ohne Vertrags die in rastloser, begeisterter Arbeit ihre Kräfte, ihre Erfahrung, ihre Ideen Hingaben, weil sie fühlten, daß das Land sie braucht. Der größte unter diesen dem Vaterland restlos sich hingehenden Idealisten war R a t h e n a u s e l b st!" (Schluß so^t.) Kaöenkreuz. Wer die Geschichte geistiger Verirrungen kennt, kann auch durch die rüden Ausbrüche des zeitgenössischen Judenbastes nicht erheblich überrascht iverden. Ein ent sich verbohrter theoretischer Haß muß, wenn äußerer Zwang und innere Hemmung wegfallen, sich in wüsten, der Vernunft 'ch ihn auf dem Kongreß über die Aufgaben der jüdischen Kultur reden hörte, glaubte ich mich in den Zuhorerkreis eines unserer Propheten versetzt. Roch eindrucksvoller wurde aber seilt Wort, >äls er mir im Freundeskreise am Familientisch seine Ideen einer hebräischen Renaissance in Erez Israel auseinanidersetzte, seine rege Anteilnahme an meinen folkloristischeu Arbeiten bekundete und den Plan zu der „Reschmnoth" entwickelte. Schon da.nials dachte er an eine llebersiedlung noch Palästina, das er 19G8 besucht und das ich kitrz vorher kennen gelernt hatte. Dazwischen ist aber der Weltkrieg gekommen, besten Ausbruch mich wieder mit Bialik in Berührung brachte. Aus seiner Rückreise aus Karlsbad war er als russischer Staatsangehöriger in Wien gesangengesetzt worden. Es gelang mir mit Leichtigkeit, seine Freilassung durchzusetzen und ihm zur Weiterreise über Ungarn in seine Heimat 'behilflich zu sein. Nach dem Zusammenbruch hat er von Deutschland aus den Faden unserer Verbindung von neuem ausgenommen und ich freue rnich, in diesem Auffatz ihm ein Zeichen meiner Wertschätzung widmen zu können. * ' Fortsetzung folgt. unzugänglichen Exzessen entladen. Dem Knltnrhistoriker bleibt nur beachtenswert, zu welch widersinnigen Mitteln eine solche Haßpsychose zu greifen inrstande ist. Zu dieser Kultur- oder bester Unkulturkuriosität gehört das Hakenkreuz, das Zeichen, unter dem der neueste Antisemitismus kämpft. In dankenswerter Weise gibt uns Felix v. L u sch an in seinein jüngsten Werk „Völker, Nassen, Sprachen" (Berlin,'Welt-Verlag 1922), einem Buche, das den RastenschwindÄ bis in seine verborgensten Schlupfwinkel heimleuchtet und, bis auf die Empfehlung des Aufgehens der Juden in ihrer Umwelt, im großen ganzen wie im einzelnen als beste Einfi'chrung in diese anthropologische Frage bezeichnet werden darf, Daten über die Herkunft des Hakenkreuzes sowohl, als auch über die des Mißbrauches, der jetzt damit -getrieben wird. Nach S. 176 ist über dieses Zeichen zn sagen: „Die Wahl dieses Symbols geht ans die ganz absurde und reinweg aus der Lust gegeriffene Annahme zurück, mau hätte in Indien ein hakenkreuzsörmiges Gerät zur Gewinnung des heiligen Feuers benützt. Der unschuldige Mittler ist vermutlich unser guter Schliemaun gewesen. In Paris lernte Schliemaun einen sehr üblen Orientalisten kennen, Emile Bnrnonf, der danrals, vor etwa einem-halben Jahrhundert, eine gewisse Rolle spielte; er war ein Neffe des bekannten Philologen Jean Louis Burnouf und ein Vetter des Sanskritisten Eugen Burnouf. Nur Emile Burnouf scheint ans der Art geschlagen und ein arg phantastischer Kunde gewesen zn sein. Er war eine Zeittang Direktor der französischen Schule in Athen, und beschäftigte sich als Dilettant mit Sanskrit, mit vergleichender Religionswistenschast und mit hundert anderen Diügeu. Ausgesucht an diesen ganz üblen Dilettanten' kam "Min Schliemaun mit der Frage, was das Hakenkreuz zu bedeuten habe, das fick) zn vielen Hunderten auf seinen trojanischelt Spnrnwirtelit finde. Ein anderer hätte wohl geantwortet, daß er das nicht wisse. Emile Burnouf aber schoß sofort mit detn albernsten Märchen los, das je einer ansgehegt hatte, und erklärte dem harmlosen Schlienmuu, die alten Arier hättet: ein hüten kreuzförmiges Gestell als Weiblichen Bestandteil des Bohrers gehabt, mit dem sie. das heilige Feuer entzündeten. Das ist nun sicher reines Blech, aber bekanntlich ist nichts zu dnmm, als daß nicht irgendwelche Leute daraus hereinfallen. Auch Schliemann ließ sich verleiten, diesen- Gedanken irr sein Bitch „Jlois" aufzunehmen und dabei einen langen Pastus aus Emile. Burnoufs Buch „La science -des relitgiotis“ abzudrcken. Das „Hakenkreuz" stellte die beider: Stücke Holz vor, die. man zur Erzeugung des heiligen Feuers vor den Opferaltaren kreuzweis übereinander legte und deren Ende rechtwinklig herningebogen und mit vier Nägel befestigt wurden., sv daß man dieses hölzerne Gestell nicht verrücken konnte. An der Stelle, wo die beiden Holzstücke verbunden wurden, war ein kleines Loch, in welchenr ein drittes fpeerförmiges Stück Holz „promancha" vermittels' eines Stricks aus Kuhhaaron und Hanf so lange in Rotation versetzt wurde, bis sich durch die Reibung das Feuer entzündete; dann, brachte man dasselbe auf den daneben stehenden Altar, wo der Priester das heilige soma, der: Saft des Lebensbanmes, darüber goß und es mit gereinigter Butter, Holz und Stroh zu einer großen Flamme ansachte. Inwieweit das Wort proinantha für den Feuerbohrer wirklich mit Prometheus zusammenhängt, braucht hier nicht untersucht zu werden; aber es trifft ganz selbstverständlich zu, daß schon die alten Inder genau »ebenso den