Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 6 (15.3.1924)
- Date
- 1924-03-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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V Seite 4 Die Wahrheit Nr. 6 ihren Lebensunterhalt, der sehr bescheiden iftr abwirft. Dabei haben sie fckkber noch in die Wirtschaft viel Kapital hineingesteckt. Wemr aber "einer in der Landwirtschaft nicht gehörig 'geschult ist, geht er in zwei Jahren zugrunde. Bei Herrn Ticho wirkt 'als „Bäuerin" ein Irl. Kroulberg aus Tabor in Böhmen, wo ihr Bater durch Jahrzehnte Abonnent der Oesterr. Wochenschrift wart sie hat die Mädchenschule in Breslau besucht, darrn zwei Jahre aus einem Gut gearbeitet, serner ein halbes Jahr in einem Stall Bewirtung des Vieh und in der Molkerei -gelernt - nun.kann sie ein kleines Bauernhaus bewirttschalften Helsen. Die. Leute erarbeiten sich nicht viel. Allem sie haben geringe Bedürfnisse, leben ohne Sorgen. Voraussetzung ist, daß ihnen die Jka Haus -Stall und Pferd, eventuell auch Kuh - oder Ziege gibt. Für junge Leute, die sich dem städtischen Lsben widmen wollen, empfiehlt sich der Beruf als Mechaniker, und zwar.Mechaniker jeder Art, Bauhandwerker, Bauschlosser, Bautischler, Bausteinmetzmeister, Installateure, Elätriker jeder Art. Das Lmtd wird ja neu erbaut und die Bautätigkeit wird in Jahrzehnten nicht unterbrochen werden. Tüchtige Mechaniker, die gut geschult sind, verdienen hier ein Pfund täglich und sie dürfen sagen, daß sie -am Ausbau des Landes tüchtig Mitarbeiten. Allein selbstverständlich braucht man Mechaniker, die ivicht bloß theoretisch mit dem Schnellsieder sertiggeftellt sind, so-ndern die in Europa jahrÄiang praktisch geai-beitet haben. Das Unternehmen von Ruthenberg wind viele geschulte Elektriker, auch Wasserbautechniker brauchen. Das ist das einzige lohnende und der Zukunft des Lalldes nützliche Tätigkeitsgebiet, welches sich jungen Leuten eröfftret, welche einer Berufsumschichtung fähig sind. Sie sollen sich ausrüsten, im wörtlichsten Sinn Palästina ausbauen zu helfen. Auch tüchtige Bauarbeiter werden hier geschätzt und sollten zur Einwanderung ermuntert werden. Ohne Rücksicht -auf irgend eine KonsuMur wird 'gebaut werden, in allen Städten, rm ganzen Land. Die Mechaniker dürfen -nicht unterlassen, die drei Landessprachen zu erlernen, englisch, 'hebräisch und arabisch. Ob diese meine Antwort deirre Erwartungen befriedigt, kann ich allerdings nicht wissen. Ich kann nur betonen, daß - sie objektiv ist und von dem Wunsche getragen, denen zu nützen, die dem Dienste des Landes sich widmen wollen." Wir fügen diesen interessanten Ausführungen hinzu, daß die jüdische Kultivierung dieses Larides, das wie kein zweites von den Stürmen der Weltgeschichte bis zum heutigen Tage grausam mitgenommen worden ist, außerhalb aller Parteiwirren stehen sollte. Wie Herr Dr. Bloch noch deutlicher in einem zweiten Briefe betont, kommen nach Palästina „Jou/rnalisten,. Idealisten, Gelehütch —. nur keine Kapitalisten". Diese letzeven zu Jirvestierungeü zu ernmntern, wie sie mit bestem Erfolge -der Altbewährte Wiener Palästinäsreund Herr Kremenetzki u. a. durchgeftihrt hat, dürfte man nicht ermüden. Der im Brief erwähnte Bruder des Herrn Dr. Bloch hat gleichfalls ein größeres Kapital einem industriellen- Unternehmen gewidmet, dessen etwa sich -ergebende materielle Erfolge uusschließlich dem Aufbau des Landes zugute kommen fiollen. Man vergesse nicht, daß es schweer ist, aus einem uin-> zähligemale verschnittenem Kleidungsstück oünas Brauchbares herzustellen als aus neuem Tuch.. Stetige unser-., dvostene Arbeit wird Stein auf Stein wieder aufführen,, was Jahrtausende in Trümmer geschlagen haben. Walter Rathenau. Von Oskar H i r sch f e l d. Wieder ergreife r ich zur Würdigung Waltere Rathenaus die Feder; diesmal jedoch nicht, um, eigene Empfindungen zu Papier zu bringen,- sondern.- um auszugsweise den Inhalt einer Rede bekannt.-: zu. geben, die der berühmte Nationalökonom Geheimrat .- Professor Dr. Lujo B .re n.t a n o im Klub demokratische^-: sinnier Studenten Münchens (!) gehalten hat?-) Sie liefert.' einen neuen, sehr schönen Beweis für den Unwillen, dendie ruchlose Ermordung in geistig hochstehenden — also einzig maßgebenden — Kreisen Deutschlands hervorgerufen hat. Wenn Brentano einleitend bemerkt, daß er die an ihn ergangene Bitte um einen Vortrag über Räthenauzuerst. ablehnen wollte,'da von Tausenden und Abertausenden'' *) Verlag Partus & (Io., M'mchen. Bialik und die junghebräische Renaissance in Rußland. Zu des Dichters 50. Geburtstag. Bon Dr. M. G r u. n ttui 1 d. (4;z-onscyuilg. Der Großvater hatte dem Enkel eine klerne Summe Geldes Hinterlasten, und nun drang die Verwandschaft in den glücklichen Erben, sich — er zählte ja bereits 19 Jahre — einen eigenen Herd zu gründen. Biäkik willigte ein. Die "ersten Jahre verlebte er, wie des Landes der - Brauch, im Hause seiner. Schwiegereltern. Während er dort „Kest aß", wie der Kunstausdruck lautet, schuf -er in Muße eine Anzahl von Gedichten, biie in dem rührigen hebräischen. Verlag „Tuschija" erschienen sind. Bald gründete er auch ein eigenes Geschäft. Er wollte mit rinern kleinen Holzhandel seinen Unterhalt verdienen. Doch der Mculgel an jeder Befähigung zum Geschäftsmann brachte ihn in kurzem um seine kleine Halbe. Er mußte Frieder hebräische Stunden erteilen. Die ungünstigen Eindrücke, die er in diesem dornenreichen Berufe in dem. Um- ' gang mit den Reichen empfing, in deren Häusern er unter-- richtete, schildert er in seinem düsteren, nach einem Wortes Jesajas betitelten Gedichte, „Mhen chazir ha-am, „währ? lich Gras ist das Volk." ' „Ja,. Gras ist dos Volk, ein verdorrter Baum, eine" ungeheure. Leiche. Die Stimme. Gottes donnert aller Orten, doch dos Volk erwocht nicht, bebt und zittert Nkcht.z Nicht jauchzt vor Freude sein .Herz, daß seine Kinder zu ihm wiederkehren, ans Gottes Weckmf herbeigeeilt. ’Mi.. Mllkommen hat es für sie alle, die feinen Namen anrüfen in treuer Ergebenheit. Im Lärm des Pöbels, der -das Kalb umtanzt, verhallt Gottes Stimme, verstummt' setzk Donner und sein Wort wird zum. Spott und Hohn. Ja; welk ist das Volk, angesault vonl Scheitel bis zur- Sohle.' In -den Tagen des Unheils zeigte es keinen Mann, - M: desten Brust ein pochendes Herz und in dessen Herzen ein Funke von jener Glut, die das Blut wallen macht, und iin desten Haupte ein Licht, dos dem Volke den Weg erhellt;' dem -seines Volkes Heil heiliger äks' all die goldenen, gleißenden Götzen, — in dessen Herz ein wenig Trouerj, viel Mut und- Wahrheit und-etwas Haß gegen ein- Leben in - Knechtung und Schmach, — ein Erbarmen unendlich-'-wie' seines Volkes Not, dem heiliger Zorn wie Meeresbrausen