Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 6 (15.3.1924)
- Date
- 1924-03-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Unabhängige Zeitschrift für jüdische Interessen Redahtion and Administration: Wien U., «Zetnestratze 13 — Zerncuf -,2-2-t» Mit de« Beiblatt: Veröffentlichungen der »Union deutschSsterreichischer Juden" XXXIX. Jahrsang Wir«. IS. Mürz 1323 N»«mer « Ein Brief aus Palästina. Herr Dr. Joseph S. B 1 o ch, b'er sich feit einigen Monaten >rn Palästina vLrWtt, nur die Verhältnisse, die setzt die gesamte I^ideuiheit in hervorragendem Maße beschäftigen, ilm Ort imd Stelle zu studieren, sarrdto. Nrzlich an einen AiDerrvcmdten einen sehr beachtenswerten Brief, der uns von diejsem zur Verfügung geistellt wurde und dem rvirr das Folgende entnehmen: „Palästina ist eint herrliches Land mit großer Zukunft, obgleich die Menschheit seit mehr als zwe Iahrtauseirden uti> ablässig benncht war, den Böden zu verwüsten und seine Kulturmöglichikeiten zu. ' vernichten. Palästiiw ist nicht ettira ein einziges Mal zerstört worden, die Zeirstörungsariboit dauerte durch zwei Icchrta.usen.de. Euren Urwald in Külturboden zur verwarideln, erfordert lveniger Arbeit, als die Trümmer barbarischer Zerstörnng rurd Bevwüstmrg zu WHv^iereA ^Wgn^ Mxt diele, .vieheüAtuüden. mit .dem ÄWo^ geht irichts als Steine. -aüf den Bergen, deren Waldungen die Pridpheten begeistert schildern, lein Grashalm, Steine, nichts als Steine. Und doch wird dieses Land zweifellos seine alte Blüte wieder erlangen, iurb die schwere Arbeit, die es erfordert, wird schön im Interesse des menschlichen Fortschrittes geleistet werden. Denn das Lartd bietet hohe Möglicheiten der Prosperität, wenn erst praktische Kauslente und Fachmänner das Land kennen würden. Bor allem sollte man sich bestrebti, den Touristenverkehr hierherzulenken; dazu wäre zunächst die Schaffung guter europäisch einigerichtetei' Hotels nötig und daran fehlt es gänzlich. Ein schönes Mtes Hotel in Tiberias wäre eine sichere, gut verzinsliche Kapirälsanlage. Jetzt konzentriert sich alle. Arbeit ans Jerusalem, das Land und seine einzelnen Städte verfallen. Saffed, dessen Klima im Sommer, mit dem Semmering konkuirrieren kann, geht zugrunde, ebenso Hebron. Das Land braucht Pridatkapitalisten mit Scharfblick und Unternehmungsgeist, solche tvnrdckn hier aus ihre Rechnung kommen und auch dem LaNide Segen bringen. Die Klagen, die in Europa gegen das junge Men.- schenmateriäl verbreitet sind, haben absolut keinen Grund. Jur Gegenteil, ich kamt nur mit Bewunderung von ihm reden. Die jungen Leute unterziehen sich der härtesten Arbeit, machen in Bezug auf Nahrung, Kleiduirg und Wohnung die. bescheidensten Ansprüche und wenn ste nur drei Tage in der Woche Arbeit haben, gegen kärglichen Lohn, sind sie zufrieden und heiter. Leider fehlt es an Arbeitsgelegenheit, nur die vielgeschmähten Kapitalisten Jönnteit hier Unternehmungen mit Arbeitsnlöglichkeiten ickstlsfen. Allein gerade diese lassen auf sich warten. Aerzte, Advokaten, Ingenieure, Gelehrte, überhaupt geistige Arbeit gibt es hier im Ueberflüß. Nene Einwanderung solcher Elemente brächte Schäden dem Lande durch Vermehrung eines unproduktiven, aber am Wohlstand zehrenden geistigen Proletariats. Dagegen Aerzte mit dem entsprechenden Kapital könnten hier ein Sana torium errichten. Das Geld würde sich gut verzinsen, das Institut wäre für das Land eine Wohltat, .denn in ganz Palästina gibt es kein anständiges Sanatorium. Erforderlich wäre ein Kapital von 15.000 Pfund und ein Unternehmer, der in Leitung Und Einrichtung eines Sanatoriums gut bewandert ist und darin Praxis hat. Handwerker, namentlich Schneider und Schuster, find hier ebenfalls in Ueberfülle. Gärtrrer fiiib Luxus, 'die bereits hier sind genügen dem Bedarf. Natürlich für jetzt. Das kann sich später vielleicht ändern. Tüchtige, gut ges ch u 11 e, wohl eingeübte Landarbeiter werÄn verlangt liuü sollte man zur Einwanderung ernrnntern. Allein auch diese dürferr nur bescheidene Ansprüche in Bezug aus Entlvhnrmg stellen, denn Lanidban trägt mäßige Zinsen und der Bauer, der lrrit Weib und Kind arbeitet, verdient nur seinen Lebensunterhalt. Ich habe zusammen mit meinem Bruder die Kolonie Poria, die 1911 von der Landkausgenossenschast Haachusa gegründet wurde, besucht. Sie liegt auf hohem Berge yrit herrlicher Aussicht. Die Kolonisten lebten früher lange Jahre in Amerika. Von ihrem 5500 Dnnam umfassenden Terrain, wird bloß die Hälfte bearbeitet, weil sie nur so Diel allein ohne fremde Arbeitshilse bebauen können. Arbeiter zu entlohnen, würde sich nicht rentieren. Mein Bruder fragte sie, warum, ste diese Bodenifläche an Ehaluzim nicht zur Bearbeitung überlassen, sie klärten ihn ans, der Unternehmer müßte sich Hans und Stall er bauen, Pferd und Kuh, sowie andere Notwendigkeiten an schassen, was einen Betrag von 1000 Pfund erfordert. Dann müßten sie für die ersten zwei Jahre zum Löben haben, zusammen 1200 Pfund. Viele Leute in Palästina haben auch Privatoermögen. Einige von ihnen sogar bedeutendes — Erspartes oder hier Erworbenes — sie haben dafür keinen Boden angekauft, weil das wenig trägt, sondern Häuser gekauft oder erbaut, die tragen 12 bis 14 Prozent. Allein die jungen Leute, welchen die Ika .ein kleines Bauernhaus mit Stall einricht er sind glücklich, sich der bäuerlichen Arbeit zu widmen. So war ich in der Kolonie Binjamina als Gast bei Herrn Ticho, die Kolonisten lauter in der Landwirtschaft gut geschulte junge Leute, ans besten Familienmit hoher Schulbildung leben vollständig als Bauern, arbeiten vom frühen Morgen bis späten Abeno ans dem Felde. Zu Han.se die Par. nerir als Bäuerin, die den Stall, die Hühner und Garten betreut, sie sind zufrieden, wenn der Arbeitsertrag