Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 5 (1.3.1923)
- Date
- 1923-03-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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D i e W ahrheiL Seite 12 3. die weiße Rasse (Äaukasier). Nach anderen Forschern komm: noch dazu 4. die braune und 5. die rote Rasse. Bei -diesem Stande der Dinge wird wohl kaum die österreichische Regierung in den wenigen Tagen, die uns von der Volkszählung trennen, eine allgemein wissenschaftlich anerkannte Erklärung des Begriffes Rasse finden können. Warum wurde von sudenfeindlicher Seite überhaupt diese Angabe im VolksZählungsbogen verlangt? Die Antragsteller haben sich hierüber nicht geäußert. Jedenfalls wollen sie das Ergebnis zu irgendeinem ParteiZweck verwenden. Es soll 'dazu dienen, die Gleichberechtigung der Juden im Wege der Gesetzgebung oder der Verwaltung zu beeinträchtigen, Z. B. Numerus OÄU!;rr8 der Professoren und Studenten an den Hochschulen, Ausschließung der Judcu vom Richreramte und sonstigen öffentlichen Aemiern. Di-eise Ziele dünsten vom Ergebnis der Zählung abhängig gemacht werden. Die Antragsteller haben sich in eine Erklärung des überaus schwierigen Begriffes Rasse nicht eingelassen und sich die Sache -sehr leicht gemacht. Kennen sie doch nur eine Unterscheidung« der Rassen in Arier und Nichtarier. (Semiten, Inden') Selbstoerstündlich decken sich die letzten drei Bezeichnungen nicht. Uüberdies sind die Juden nach den Untersuchungen über die anthropologische Stellung der Jrrden des Forschers V. Luschan aus drei Stämmen entstanden: 1. einem hamitischeu Stamm, 2. den arischen Amoriteu, 3. den mongolischen Hethiten. Die Verschmelzung mit dem zweitgenannten Volksstamm erklärt das häufige Vorkommen von Blonden und Blauäugigen unten den Inden. Die gänzliche Unbrauchbarkeit der Unterscheidung von Menschen in Arier und Nichtärier geht auch daraus hervor, daß nach dieser Lehre sich die zahlreichen Abkömmlinge von Ehristen und Juden in Oesterreich in keine dieser Grrrppen einreihen läßt. Es dürfte sonach die ganze Zählung hinsichtlich der Rasse, wie auch der Schreiber der eingangs angeführten Zeilen annimmt, ergebnislos sein. Die Zahl derer, die sich als Nichtarier beikennen werden, wird ini Verhältnis zur Zahl der dem Wischen Glauben Angehörigen eine verhältnismätzig geringe sein. Voraussichtlich wird sich der größte Teil der Juden zur kaukasischen oder weißen Rasse bekennen, da dies ein feststehender Begriff ist. Ein Teil der Juden wird sich mit Rücksicht aus die Sprache und Kultur als zum deutschen Volke gehörig bekennen. Ein großer Teil der Juden wird die Frage der Rassenzugehöritzkeit mit Rücksicht aus ihre Schwierigkeit unbeantwortet kaffen. Nicht die Raffenzugehörigkett, sondern bloß die Zugehörigkeit zu einem Gtaubensbekenubiis und die Umgangssprache kann bei einer Volkszählung, so auch bei der bevorstehenden, objektiv und sllbsektiv ermittelt werden. Dr. E. m Zeichnet Spenden für unseren Pretzfonds! Werbet Mitglieder für die „Union"! Abonniert unser Organ, „Die Wahrheit"! Gedenket bei Familienfesten, bei Testameutserrichtimgeu, Spielgewmften usw. unseres Rechtschutzüüros! Es kommen ernste Zeiten! Pfleget den Opserfinn für unsere« gemeinsamen Kamps! Ans unserem Rechtsschutz- und Abwehrbureau. Beunruhigende Gerüchte sind in löeut letzten Tagen ansgeslattert. Von völkischer Seite wird die Mär verbreitet, daß mit dein „inneren Feind", das heißt mit den Juden, in naher Zeit Abrechnung gepflogen werden soll. Aus anderer Seite hat nach -einem Berichte dev „Arbeiter- Zeitung" zwei Tage wach der Hietzinger Bluttat im Hause der Industriellen eine Sitzung des „Bundes für <ÄWhilse" stattgefunden, in welcher über die bewaffnete Einigung des gesamten Bürgertums gegen die Sozialdemolratie beraten worden sein soll. Von beiden Seiten wird da mit einen: Feuer gespielt, welches 'leichtzu einem lodernden Brand «ausarten kann. Wir werden scharfe Wacht halten, raten aber unseren Freunden, kühles Blut zu bewahren. Me diese Gerüchte werden absichtlich in die Welt gesetzt, um die Nerben m Erregung zu setzen und eine Atmosphäre zu erzeugen, in welcher die Feinde der gesellschaftlichen Ordnung umso leichter arbeiten können. Die tatsächlichen Unterlagen dieser Meldungen 'sind noch 'durchaus sehr schwache. Mitteilungen aus dem Zenttalvorstaud. Der Präsident der „Union", Herr Dr. Jakob Ornsteiu hat einen schmerzlichen Verlust erlitten. Seine Gattin, Frau Alice O rüste in, ist nach langem schmerzlichen Leiden Dkontag, den 26. d. M„ aus «dem Leben geschieden. Der Tod löst hier einen Löbensbund von seltener Liebe und Innigkeit. Dem verdienten Manne wendet sich allgemeine Teilnahme zu. Unsere P. T. Mtglieder! Wir ersnchen jene Mitglieder, welche mit ihrem Mitglicdsbeitrag für das Jahr 4923 noch in: Rüch'tande sind, uns denselben mittels des in ihren. Händen befindlichen Po st er l ags che in es so. rasch als möglich zugehen zu lassen, da die Einhebung durch Kaffenbote-n unverhältnismäßig hohe Kosten verursacht. Aus unseren Mitgliedschaften. Ortsgruppe Wiener-Neustadt. Am 25. Februar fand in Wiener-Neustadt unter zahlreicher Beteiligung die gründende Versammlung einer Ortsgruppe der „Union deutschösterreichischer Juden" statt. Zn derselben hatten sich von der Wiener Zentralleitung die Herren Vizepräsident Karl F r ö h l i ch, die Vorstandsmitglieder Medizinalral Dr. Haase und Direktor Stein, sowie Sekretär F l e i s ch e r eingesunden. Nach Eröffnung der Versammlung, in welcher sich auch viele Frauen befanden, wurde Herr Dr. Karpfen zum Vorsitzenden gewählt und hieß die Erschienenen herzlichft willkommen. Namens der israelitischen Kultusgöineinde begrüßte Herr Vorsteherstellvertreter Jakob Jaul die Versammlung und die Wiener- Gäste und betonte die dringende Notwendigkeit eines einigen Vorgehens aller Gruppen der Wiener-Neustädter Judenschaft «gegenüber dem drohenden Anwachsen des Antisemitismus und ries insbesondere die Zionisten und die Agndisten zu gemeinsamer Abwehrtätigkeit aus. . Hierauf ergriff Herr Sekretär Fleischer das Wort, um in großen Zügen ein anschauliches Bild der Rechtsschutztätigkeit der „Union" zu entwerfen. Redner verwies auf das erschreckende Anschwellen der antisemitischen Bewegung, welche die Entrechtung der Inden und ihre Ausschließung von allen Bildungsstätten sich zum Ziele gesetzt habe. So sollen dem jüdischen Nachwnchse die geistigen Waffen im Kampfe ums Dasein entwunden werden. Gegenüber dem gemeinsamen Ansturm aller Gegner me auch die E i n i g u n g a l I e r