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Die Wahrheit · 1923-03-01 · Heft 5 (1.3.1923) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 5 (1.3.1923)
Date
1923-03-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 5 Beite 11 D i e Wahrheit tifel 80 ib'ce» Fricd-ensvertrages: „Man -ka>nn mit Bestimmtheit sagen, daß im Artikel 80, wo von den Bewohnern der Monarchie die Rede ist, mit der Bemerkung „Oui äikierent par la raee" nicht die anthropologischen M e rfmale gemeint sein können." Die Forderung der Durchsührungsvevordnrrng nach Angaben der Volkszugehörigkeit und Rasse richtet sich offensichtlich 'gegen die jüdischen Bewohner der Republik. Allein nach de!m' Vvrheivgesagten erscheint es zw eifellos, d aß jed er Inld e, der durch die G e m eins a mkeit des g e i st igen Besitzes, der Kultur usw. sich mit der d e :v t s ch e n N -a t in n -v e r -b it n d e n f ü h l t, b.e r e ch r i g t i st, s i ch zur d e u t s ch e n V o l k s z u g e h ö rigk e i t, -b e z i c h h n g s w eise Rasse zn bekennen. Diese Berechtigung wurde ihm schon durch die frühere österreichische Gesetzgebung ausdrücklich zuepkanlut, insbesondere durch die Landeswahlordnung für Mähren, Gesetz vom 27. November 1905 (Landesgesetzblatt Nr. 2, 1906), mit welcher die n at i o n ale W a Hkkur i e eingeführt, jedoch nur Wahlkörper der böhmischen und deutschen Nationalität begründet wurden. Nach diesem Gesetze (§ 71, Zahl 7) hatte jeder Wähler seinen Namen eigenhändig in die Liste oer einen oder der anderen Nationalität «inzntragen, z n welcher er sich eben bekannte. Es k-onrrre sich demnach der jüdische Wähler in Mähren nur in die L' i ft e d e r d e u t s ch e n , bezieh u ngsweis e b ö hm: s ch e. n N a t i o n e i n t r a >g e n. Ja nach der Wahlordnung sür die Bukow i n a wurde er sogar v o n dl m t s w e g e n ausschliesslich in bkn d c « t s ch e n Wahl'kataster eingetvagen. In seinem Werke „Das österreichische Nationalitätenrecht" dom Jahre 1917 zählt Bernatzik als in Oesterreich lebende NationalliWen die Deutschen, Tschechen, Polen nsw. aus, envähnt aber nicht etwa die Juden als Nationalität. Auch in der Entscheidung des früheren Reichsgerichtes vom 26. November 1909 (Hye-Glunek 1722) stellt dieses Gericht seift, daß die Juden auch in Galizien und in der Bukowina n i ch t als ein Volks stamm im Sinne des Artikels 19 des Staatsgrundgesetzes, sondern vielmehr als eine im Staate gesetzlich anerkannte R e l ig io n s ge s e l l s ch as t im Sinne des Artikels 15 anz Nischen -sind. Wenn also sür die Bewiohner dier österreichischen Republik überhaupt die Verpflichtung bestehen würde, ihre Volkszugehörigkeit und „Rasse" — welcher Begriff aber, wie oben angeführt, mit „Nationalität" >nnd demnach mit Volkszugehörigkeit identisch ist — angegeben, so würde jeder Jude seiner Verpflichtung vollkommen genügen, wenn er als solche die deutsche artgibt, vorausgesetzt, daß er der deutschen Kultnrgem ei nfchdst ailgchört. Es kann dann gewiß nicht behauptet werden daß er „sich der Zählung entziehe oder eine unwahre Angabe mache oder sonst einer ihm nach dem Bolkszählungsgefe tze obliegenden Verpflichtung nicht Nachkomme" n!nid sich daher nach § 30 des Volkszählungsgeisetzes strafbar Mache. Die früheren Ausführungen über den Begriff der Rasse im Friedensvertrage von Saint-Germain wurden in einem Memorandum zusammengejsaßt, das bei der Völkerbundtagung ihn September vorigen Jahres dein Völkerbunde vorgelegt wurde, insbesondere! '.den hervorragendsten Mitgliedern des BiMerlbundrates Marchese I m p e r i a l i, Lodd Robert C e c i l, Sir Gilebrt M n r r a y, N a n s e u, H y m a n s undanderen, die den Inhalt des Memorandums vollinhaltlich als richtig aneri an n t und dessen Berücksichtigung dem österreichischen Bundesministür Dr. Grünberger nahegelegt haben. _ , Jur Rassenfrage bei der Volkszählung. Zuschriften aus Leserkreisen. 1. Sehr geehrter Herr Redakteur! Ihrer: zutreffenden Ausführungen zun: Kapitel „Die Rassenfrage bei der Volkszühliurg" möchte ich mir erlauben, einige Worte hinzuFnfügen, so besorrders zur Stelle aru Schlüsse: „Wenn ihre (der Juden) Umgangssprache die deutsche ist können sie sich eventuell auch als k a n k as i s cp bekennen ..." Hierzu bemerke ich, daß jeder dies tun kann, auch wenn seine Umgangssprache etwa die hebräische sein sollte. Zur kaukasischeu oder mittelländischen Raffe gehören die Völker des -semitischen Sprachstammes ebenso wie die des l indogernranischen, also ebenso Juden, Araber, Syrier usw. wie Inder, Perser, Armenier, Romanen, Germanen, Griechen und Slawen. Selbst der Jude, doffen Umgangssprache die^ ungarische ist, also eine Sprache, die dem mongolischen 'Lprachstamm augehört, ist Mittölländer und kein Mongole. Wer in die famose Rubrik „arisch" einschrei ben wird, der wird eine falsche Angabe machen nnd -strassällig lein. Denn es gibt keine arische Raffe, nicht einmal einen arischen Sprachstamm, sondern nur einen arischen Zweig des indogermanischen Stammes; und dieser fjweig begreift nur die alten Inder und Perser. Allerdings kann man auch nach der jüngeren Theorie (Friedrich Müller, Haeckel), wonach die gesamte Menschheit in zwei Gruppe:: zerfällt: in die schlichthaarigen und wollhaarigen Völker, sich als zur fchlichthaarigen Raffe gehörig bekennen. Im ganzen genommen, ist diese Frage absurd umib «verdiente gar nicht ernstlich besprochen zu werden, wenn es nicht am Platze wäre!, darauf hrnzuilveisen, daß weder eine Partei durch eine Diktatur, noch eine Regierung — mag man auch sonst -beiden Teilen noch so hohe ftaatsmännische Weisheit zubilligen — berechtigt ist, vermittels einer Verordnung den Begriff „Rasse", willkürlich z'.l -deuten und eine Teilung der Staatsbürger nach dieser Deutung vorzunehmen. HochachtuMgsvoll Dr. Ad. K a p r -a l i k. II. Den klaren Anssührungen über diesen Gegenstand in Nr. 4 dieser Zeitung vom 15. Februar 1923 werden wohl die meisten Leser rückhaltlos Mlg-estimmt hoben. -Sie gipfeln darin, daß jede Ausfüllung der Spalte: .Volkszugehörigkeit und Raffe" im Volkszählungsbogen zulässig ist, weil der Begriff Russe bisher weder gesetzlich noch wissenschasllich bestimmt ist. Dem ^Gesägten wäre noch hinzuznsügen: In der Anthropologie -gibt -es zwei Ansichten i'iber Raffen in: allgemeinen. Nach der einen «gibt es Menschenrassen, nach der anderen -gibt -es überhaupt feine gleichbleibenden Raffen, sondern die einzelnen, sogenannten Menschenrassen befinden sich in fortwährender Umbildung; es bilden sich 'stets neue Raffen, z. B. derzeit in Nordam-erÄa. Die Ansichten der Forscher über die Zahl der Raffen sind äußerst -verschieden. Die Zahl -der Einteilungen schwankt zwischen 2 und 60. Dies hat seinen Grund darin, daß die Meinungen über das, was das unterscheidende IiassenmerkMail bilden soll, sehr igeteilt sind. Es gibt körperliche und.geistige Mestkmale. Zu den eöfteren zählen: Hautfarbe, Farbe und Bildung der -Haare, Schädeilsomn (Lang- und Kurz köpfe), Lage der Schneidezähne (Gerade- und Schieszähne) usw. Unter den geistigen Raffenmerkmalen steht die Sprache oibe-ntan. Eine der bekanntesten Einteilungen der Menschen Nach der Hautfarbe ist in: 1. die negroide Rasse, 2. die gelbe Rdffe (Mongolen)..

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