Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 5 (1.3.1923)
- Date
- 1923-03-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Bürgerkriege zu, der „mir allen zur Verfügung stehenden Mitteln" geführt werden wird. Wir Huben einen Minister für Heerwesen, aber wir haben mehrere Minister für das Unwesen solcher Organisationen, die in Staat und Gesellschaft das Unterste zu Oberst kehren wollen. Herr Doktor Seipel ist zu klug und erfahren, um die Stumrz eichen nicht zu ernennen und zu verstehen, die sich überall zeigen und die vollständige Anflöftmg der Staatsgewalt an f ün digen, uNd dakrim richtet sich! vor allem an ihn die Frage: „Wer' regiert in Oesterreich?" S. Fl--r. VolKszugehörgKeil und Aaste. Bon Rechtsanwalt Dr. Jakob O r n st e i n. 4cach dem gegenwärtig für die VoKszählung einzig und allein in Betracht kommenden Gesetze vom Jahre 1869, RGBl. Nr. 67, sind nach § 14, Ms. II, anläßlich der Volkszählung, bei anwesenden Personen zu ergeben . G efchtech t, Alter, Religion, H e i m a t, B e r u i oder Beschäftigung. Weiter heißt es: „Auch können noch andere statistisch wichtige Daten, zum Beispiel die Zahl der Blinden und Taubstummen, Beschaffenheit der WoynuNgsverhältnisse und dergleichen" erhoben werden. Im ersten Absatz des Gesetzes handelt es sich demnach um persönliche Momente, die bei a l I e n zu zählenden Personen zutreffen, im folgenden Wsatz jedoch um solche!, die nur -bei einzelnen Personen vorhanden sind, beziehungsweise um Eigenschaften von Sachen. Die Frage nach Volkszugehöriigteit und Rasse würde, demnach im ersten Absatz des Gesetzes verzeichnet sein müssen, wenn sie gesetzlich zu erheben iväre, keinesfalls kann sie unter „utld -dergleichen" subsumiert werden. Es ist somit zumindest zweifelhaft, ob die DurchsührungsverordnuNg vom 7. Februar l 923 im Bolkszählungsgesetze vom Jahre 1869 begründet ist — die beiden anderen, die Volkszählung bctreffenden (besetze der Republik Bundesgesetzblatt Nr. 9 und 636 ex 1921, behandeln lediglich Prolongationsbestimmungen für die im Jahre 1920 fällig gewesene Volkszählung. Wenn dies aber der Fall wäre, so ist die wichtigste Frage die: Was ist n n t e r R a s s e z u v e rft e h e nv Dieser Begriff war der österreichischen Gesetzgebung und Rechtsprechung bis zum Fri-ödensvertrag von Samt-Germain vollkommen fremd; er wurde erst durch den Artikel 80 des Friedensvertrages -über die Option der Staatsangehörigen der früheren österreichisch-unigarischon Moruarchie eingeführt. Gegenwärtig ifteht außer Zweifel, daß dieser der Termrno'logie der westlichen Staaten» angehörige Begriff „raoe" gleichbedeutend mit dom österreichischen Rechtsbegrftfe der' Nationaliät ist und daß er nur durch eine flüchtige Uebersetzung des Artikels 80 mit „Rasse" wicdevgeigeben wurde, anstatt mit Nationalität, da doch die Verfasser des Friedensvertrages in diesem Absatz nichts anderes als die Ordnung d e t Nationalitätenfrage für die S u k z e ss i o n s ft aalen beabsichtigten. Die Identität dieser beiden Begriffe ergibt sich aus dem Friiedeusvertrage selbst, zum Beispiel aus (freut Artikeln 51, 57 und 60, in denen es- Wörtlich -heißt: „Pomr .-pr-oteger les irtferets des ha-bitiants, qui different de la majorite de la Population par la race, la langiue etc.*1 Aus der Uebersetzung geht hervor, daß es sich immer nur um «den Schutz der Interessen der nattonal e n Minderheiten handelt, und der Ausdruck Ja race“ wird stets in betzlug aus „nationale Minderheit" gebraucht, wie es -auch in den Artikeln 67 bis 69 des Friedensver.trages dürch die -Worte ,anmior!iites eÄmia-ues" bezeichnet ist. Es ergibt sich somit aus dem Friedensückrtvatz selbst, daß das Wort „Rasse" in der D-urchWhrungsverordmutg vom 7. Februar 1923 nur mit dem B eg v i f f e „N a t i o n a l i ä 1" identisch s e i n k a n n. Wie jedoch die NationialliNt des einzelnen zu ermitteln ist, finden wir in der 'berichml -gewordene^ Rek toratsrede des seither verstorbenen, gut dentschnationalen Professors der Wiener Universität Doktor Edmund B e rn a tz i k über „Nationale Matriken" vom Jäh re 1910 anseinandergesetzt. Er verwirft die Ab st a m m u n g als Kriterium der Nationalität. „Die Abstammung läßt s r ch n u n e i n m a I n ich t n achwe. is e n", führt er aus. Wie wäre es auch möglich, bei den Millionen von Zwangstaufen iun Mittelalter die rein arische Abstammung irgendeines der gegenwärtigen GroßdeuDschen und nativ > n-alfozialen Führer untrüglkich nachzuweisen? Bernatzik lehnt weiter auch die S p r a ch g e m >e i n s ch a f t als Kennzeichen der Nationalität ab, obzwar auf dem internationalen statistischen Kongreß zu Petersburg 1873 die drei Gutachter F i ck e r, K etet y und G l a t t e r -die Sprache als wesentliches Nivment für die Bestimmung der Nationalität erklärt hüben. Dagegen begründet Bernatzik seine Ansicht, daß der Begriff der Nationalität die Gemein sum keit d -es g e ist-igen B e s i tz e s, ein S i ch-e i n sw i sseu m rt der Geschichte und d er Z ntu ns t wie mit d er G>e genw a r k eine s V oike s sow i e se ilicr Ku ltu r bedeutet. Di'-e Nationalität ist demnach ein Ergebnis der eigenen g e i st i g e n Tätigkeit und läßt sich nur durch den Akt Nachweisen, -der sie zugleich schasst, nämlich durch das Bet e nntn i s, welches n-ach der -von Bernatzik ausgesprochenen S'chlußfvlgerunig allein f ü r d i e B e -ft i mm -u n g der N a t t o n aliät maßgebend fein (kann. In demselben Sinne hat der Verwaltungsg e r i ch t s h o s bereits «mit der Entscheidung vom 3. Juni 1896 (BiOwinski Nr. 9708) ausgesprochen, daß für die Verpflichtung, zur Errichtung einer Minoritätsschule einzig und allein die Zahl der Eltern maßg-Äbeud ist, die sich „zur deutschen Nationälität beikennen". Für die Frage, weilcher Nationialitjät -eine Person angehört, sei ledig'l'ich die Nonihr abgegebene bestimmte Erklärung maßgebend. Ebenso sagt -das -frühere österreichische R e i ch s g e r i ch t in seiner Entscheidung -vom 25. April 1882, Nr. 257, ' daß, wenn -es an äußeren Merkmalen nationaler Betätigung schle, der einzelne -als Aingchöriiger jener Nationalität z-n bshandelln ist, zn welcher er sich bekennt. Der V e r w a l t u n g s g e r i cht s h o f h>at aber auch später in einer O p t i o n s r e ch t s s a ch e — während er in den früheren und auchspäteren EntscheidüNgen -sich mit der Feststellung begnügte, daß der Opttonswerver nicht nachgewiesen h'dbe, daß er der Rasse nach zur Mehrheit der Bevölkerung gehörend —, in seiner prinzipiellen Entscheidung vom Jahre 1922, Zahl 804, iu der er wieder -aus der altgewohnten Stufe hoher Wistenschäftlichkeit stand, die bekämpfte Abweisung der Option durch das Bundesministerium düs Innern mit der Begründung Nusgehoben, daß die angefochtene Entscheidung jedweden Aufschluß vermissen lasse, was nach ihrer Rechtsanschauung u m tier dem Worte „R a s s e" im -Sinne des Gesetzes zn v erst e h cu s e i. Ferner ob dieses Wort zur Anwendung zu bringen sei im- Sinne feiner g e n e alogisch e n Bedeutung, das ist der B'ln tsgem eins ch aft, oder ini Sinne der K.n l t -u r g e m e i n s ch a f t -eines Volkes. Diese Entschei-- dung läßt also die Deutung des Wortes „Rasse" gleich Nationalität im Sinne der Kulttirgememschaft, somit übereinstimmend mit Bernatzik, zu. Auch Profeffor Ober- Hummer bem-erkt in einer -Abhandlung über den! . Ar-