Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 5 (1.3.1923)
- Date
- 1923-03-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Die Wahrheit Nr. ö jedem Hause für Arme gesammelt. Ter damalige Ortsmusiklehrer, dessen Bruder am Wiener Hofbnrgtheater renommierter Musikdirektor war, brachte seine jüdischen Violinschüldr mir, die die alte Purim-Melodie spielten, Nährend die Chewra-Mitglieder das hebräische Purim lied sangen ... Schreiber dieses läßt seine sinngemäße deutsche Uebersetzung dieses Gesanges hier folgen: . 1. Zu Großem hat berufen Uns Gott, bringt ihm heut' (ihr'! Gcht aus des Lebens Stufen Es harrt uns oft und schwer, Jst's gut, uns zu vereinen — Wir sind's an jedem Ort, Irr Not wir laßen keinen, Vereint hels' Tat nnd Wort! „Kommt, Freunde, schnell herein! Laßt Purim froh uns fein, Mt Musik und Gesang Wir sagen Gott heut' Dank, Ihm, der gab heilige Lehre, Sei Lob, Dank, Preis und Ehre! 2. Im täglichen Getriebe, ' Bleibt treu dem „Heil'gen Bund", Im Dienst der Menschenliebe Tun wir es allen kund, Singt Purim, 'liebe Freunde: Gott helf uns stets in Not, Schütz uns vor jedem Feinde, Geb' Leben uns und Brot! Refrain: „Kommt, Freunde, . . . 3. In hsil'gem, guten Werke Wir haben uns vereint, Dazu verleih' Gott Stärke, Wir trösten den, der weint. In jedes Haus wir gehen, Daß Gaben man uns reicht, Für Arme heut' wir flehen, Macht uns die Arbeit leicht! „Kommt, Freunde, . . . 4. Das Lied ist nun zu Ende, Jetzt, Freunde, zögert nicht, Zur Tasche greift behende, Schafft Armen „Freud und Licht!" Gott wird es reich euch lohnen, Daß Labung ihr uns bringt, Mög' Freud' bei euch stets wohnen, Vereint zum Schluffe singt: „Kommt, Freunds . . . ." 9iach dem Gesänge fielen reichlich Münzen in die Büchse und die Hausmutter und ihr Gatte machten die Honn-eurs und waren glücklich, wenn den Leckerbissen mit Eifer zugesprochen wurde. Mittag war schon vorüber, als das letzte Haus an die Reihe kam und im Hause des greisen Chewra-Vorstehers angelangt ein vorzügliches Brüdermahl alle Teilnehmer am Umzüge vereinigte. Vorher wurde die Sammelbüchse entleert und an die Arnien der Gemeinde als fromme Vereinsspende abgeschickt. 1868 fand der letzte Purim-Umzug statt. Mein sehr gelehrter Vater hat den hebräischen Text des obigen Chewra-Liedes sowie auch eine früher viele Jahre im Gebrauche gestandene bedeutend größere hebräische Hymne als wertvolles Andenken a>n die einst so schone Purimzeit mir zurückgelaffen. Beide hebräische Gesäuge, von frommen Männern vor vielen Jahren geschrieben, wie auch deren schöne Melodie für später auszubewahren, wird die Ausgabe, -des Gefertigten sein. Moritz A ntscherl - Wien. Aus aller Welt. In B a y e r n wird es immer klarer, daß der Psychopath Hitler eine vorgeschobene Figur Ludendorsfs ist, des Mannes, der seit seitdem Zusammenbruch und Mißerfolg von 1918 von giftigem Haß beseffen, geradezu eine Verkörperung des bösen Prinzips in der Welt geworden. Nach der Verhaftung Lüdeckes ist es nun klar, daß französisches Geld im Nationalsozialismus eine Rolle spielt. Und Frankreich, das heute — bis aus kleine Entgleisungen in der französischen Kammer — in keiner Weise eine übernormale Quote von AntisemiNsmus zu registrieren vermag, fördert so, während es seine Interessen zu verfolgen glaubt, indirekt den Antisenijitismus. Im übrigen sucht man in Bayern jetzt die Juden, die mau lücht gerade totschlagen mag (wegen der außenpolitischen Folgen), durch Wucherprozeffe klein zu bringen und es ist für jüdische Kausleute in Bayern zurzeit mehr als gefährlich, die Warenpreise der Markentwürtung angemessen zu erhöhen; lvas an sich vom wirtschaftlichen Standpunkt nicht nur berechtigt, sondern sogar geboten ist. In der S ch w e i z gehen in überraschend großer Zahl an-chisemitischo Lügenbroschüren um. Jll Ungarn, wo die Prozentnorm vom Parlament mit Zustimmung aller Minister gMMgit wurde, — wie sich dabei der jüdische Renegat Samuel Mandy benahm, berichten wir Ml anderer Stelle — ist es den iazsisttschen Elementen erlaubt, sich unter dem bezeichnendsten Namen, den sie sich hätten wählen können, nämlich als „Skythen" zusammenzuschließen. Sie werden sich Mühe geben, die Wildheit der skythjischen Vorfahren zu übertrumpfen. Während dort Staat und Gesellschaft im Arttistmitismus einig sind, greift in Rumänien Joel Vratianu, vieles aus seiner bewegten Vergangenheit vergessend machend, energisch durch. Die Regierimg in Bukarest hat die neuen studentischen Unruhen mit sofortiger Schließung der Universitäten beantwortet, alle studentischen Privilegien sind zurückgezogen, in diesem Winter alle Examina abgesagt. Böse Tage waren vorhergegangen; man hatte die jüdischen Studenten in die Hörsäle nicht eingelassen und mit blutiger Gewalt entfernt. Doch es scheint, als ob in Rumänien die wildgewordenen Studenten aus Granit beißen. — Nach Schluß des vor einigen Tagen in Bukarest abgehaltenen Kongreffes des Verbandes der „einheimischen Inden" legte dessen verdienstvoller Präsident, Dr. Adolf S t e r n, seine Präsidcutenstelle mit Rücksicht aus hohes Alter nieder. * In Palästina geht es den Lehrern, Beamten und Arbeitern, die von der zionistischen Orgamsatuion besoldet werden, jänunerlich. Die Organisation hat kein Geld, da ihre europäischen Geldquellen mit 'den Valuten mehr und mehr versinken. Sogar die EinnaHnren des Jüdischen Nationalfonds gehen zurück? V Judex. . ■_