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Die Wahrheit · 1923-03-01 · Heft 5 (1.3.1923) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 5 (1.3.1923)
Date
1923-03-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Leite 6 Die Wahrheit Nr. 8 N -'; 1 ■ ■ . vi;; i Die Schwierigkeiten, die sich bei der Behandlung des Stoffes ergaben, waren umso größer, als die Darlegung des Stoffes nicht nur vom populären, sondern auch vom sachwissenschästlichen Standpunkte! auszngehen hatte, der ganz unverkennbar hervortritt. Das Buch ist gleichsam ein Kaleidoskop, aus dem der Geschichtssreund die bunten mannigfachen Bilder der Zeit erschaut. Wer fein Auge auf den düsteren Grund früherer Jahrhunderte in bezug auf die Stellung der Juden richtet, der wird gewiß die aufleuchtende, sich entfaltende Blütenfülle sowie lebenswahren uud warmen, vorn sanften Strahl der Aufklärung beschienenen Gestatten mit freudigem Gefühl begrüßen. Das Werk enthält im e r st e n Teil folgende Kapitel: Iirgenduud Studienzeit — Der neue Kultus — Mannheimer als königlicher Katechet — Wanderungen und Wandlungen — Die Judenschaft Wiens — Amtsantritt Mannheimers — Innerer Ausbau uud äußere Abwehr — Politisches Wirken — Stille Arbeit — Letzte Ausklänge — Mannheimers Persönlichkeit — Der Kreis um Mannheimer — samt vier Bei sagen. Bei diesem Teile {Biographie) muß hervvrgchoben wm-, den, daß Rosenmann die ganze einschlägige Literatur sorgfältig gelesen, vieles erst geprüft, daun beurteilt hat, daß er das ganze Quellenmateriial mit großem Fleiße benützt und mit sichtender Hand das hervorgehoben, was dazu angetan ist, die behandelte Materie zu beleuchten und sie im Spiegel wahrer und richtiger Erkenntnis erscheinen zu lassen. Das Buch ist keine rrockene Sammlung uud Aneinjauderreihuug von Tatsachen, Namen und Zahlen; es ist vielmehr der ganze Stoff um die bedeutenden Männer der Zeit gruppiert, deren Lebensbilder nach Möglichkeit pragmatisch verbunden sind, und bildet zugleich ein mit Wärme gezeichnetes Lebens- und Leidensbild unserer Väter. Es war ein glücklicher Gedanke des Verfassers, iw zweiten Teile auch eine Reihe politischer Reden Achad Haam erkannte sogleich die hervorragende Begabung des Dichters und sandte eine! Probe, das Gedicht ,,El hazippvr" (An den Vogel), an den Herausgeber des Sammelwerkes „Hapardes" ein, der das Gedicht mit Freuden aufnahm. Doch von einem Honorar konnte keine Rede fein. In diesem Gedichte „An den Vogel" begrüßt der Dichter den im Frühjahr aus dem sonnigen Süden heimgekehrten Vogel. Er fragt ihn, ob er ihm vom lieblichen Tande der Väter, von seinen Tälern und Hügeln einen Gruß mitbringe. „Hat sich Gott schon Zions erbarmt, oder ist es noch immer eine' Gräberstätte? Ist der greise schlasverfnukene Libanon erwacht? Erzähl' mir, mein Vöglein, was die Bäume dort flüstern, was geheimnisvoll rauschend >hre Ziveige dir vertrauteil? Verkünden sie Trost unld lichtere Tage? Und meine Brüder, die mit Tränen säten, haben sie mit Freuden schon geerntet? Ich, liebes Vöglein, was köilut ich dir erzähleil? Nicht Lieder wirst du hören hier inn frostigen Lande, nur Ja minier und Klagen. Unsagbar sind die Leiden von heute, unermeßlich die von morgen. Schoii ist verfieigt der Tränen Quell, schon jede Hofsenssrist verstrichen, iiur in ein Gram ist ohne Ende." 1892 wurde die Woloziner Jeschiwa geschlossen und Blalik, der nun seinen Aufenthalt den Verwandten n-icht länger verheimlichen konlite, war scholl im Begriffe nach Hause zurückzukehrcn, als ihn die Nachricht vom Ableben des Großvaters ohnehin in die Heiimat rief. (Fortsetzung folgt.) --- ■ ■" Mannheimers allzuschließen, also neben literarhistorischer Behandlung auch Literaturprvben zu bieten, die Mannheimer nicht nur als den Meister der Kanzelrede, sondern auch als den feingefchulten Politiker im besten Lichte erscheinen lassen. Wir sehen ihn — darin ohne Nachsicht llnd Rücksicht und doch niemals rücksichtslos — alle Schäden der Zeit und Fehler im Gemeindeleben rügen, ja geißeln. Aber aus allen seinen Reden strömt die Wärme des Tones, die Innigkeit des Gefühles, die Vornehmheit seines Wesens, die Integrität seines Charakters, die Lauterkeit seiner Gesinnung, kurz, das goldene jüdische Herz. Seine Reden klingen vom und dringen zürn Herzen. Wir sind überzeugt, daß die Lektüre des Werkes nicht nur allgemein interessieren, sondern fesselnd wirken wird, (die Diktion ist eine überaus gewählte, ohne Schwulst und Phrasen), aus deni auch der Fachmann manches Blümchen pflücken wird können. So ziehe denn das Buch hinaus in die Oeffentlichkeit, richtiger, hinein in die jüdischen Familien, damit unsere Generation daraus lerne and erkenne, wie die Wiener Kultusgemeinde entstanden, wie sie sich entwickelt und allmählich in fortschreitender Entwicklung zu dem geworden, was sie heute ist: die Großgemeinde, die Muttevstadt im österreichischen Judentum. Unsere Jugend soll es lesen und lernen, wie sich die Verhältnisse der Genwinde aus sich selbst Herrn gebildet und welch bestimmenden Einfluß Mannheimer vermöge seines Ansehens, seines Einflusses, aber auch ob feiner Einsicht und Unfficht geübt hat. Das Buch gehört zu jenen Geifteserzeugnisse, welche eine besondere Empfehlung nicht bedürfen, da sie sich, selbst empfehlen. Dasselbe ist dem Andenken eines Sohnes des Verfassers gewidmet, welcher ans der Rückkehr von der freiwilligen Labung verwundeter Soldaten einen Unfall erlitt und an den Folgen desselben bald darauf gestorben ist. Dem jungen Manne, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigte, hat der Vater mit dem Werke das schönste uitö würdigste Denkmal gesetzt. Auch in seiner äußeren Ausstattung und in typographischer Beziehung repräsentiert sich dasselbe sehr schön und wird jeder jüdischen Hausbibliothek zur Zierde gereichen. Dem Verfasser sei noch zum Schlüsse für seine mühe- und wertvolle Arbeit, für sein Verdienst um die Geschichbe der Juden in Wien Dank und Anerkennung ausgesprochen. B. Dämonen- und Geisterglauben in der jüdischen Vorzeit. Jedes Volk und jedes Land besitzt seine Sagen und Mythen und auch das jüdische Altertum hätte selbe Gnvmeu. Sie finden wir tut Prophetebtum und selbst im Talmud, insbesonders im Traktat Gillin, Sote Dargum zu Kostetet, im Buche der- Könige, Prophetentum Jejaias, Ezechiel,' Hiob und den Pialmen. Geschichtlich e s n b e r G n o m e n (K o b o l d e). Eine sehr interessante Sage ist die von A s ch m ed a i und dem Schami r. Es dürfte sich unter den Lesern dieses Blattes noch so mancher finden, welcher mit Vorliebe die Sippuvim von Wolf PafchÄes gelesen hat, wo ein geschichtlich-er Teil über A s ch m e d a i erschien. A s ch m e d a i war König der Dämonen, ein Geisterherr aus der Salomonischen Zeit. Er besaß die Kraft, die stäMten Bäume zu entwnrzeiln, mächtige Häuser niedvrzuwitzen, alles Bose zu vollziehen, aber auch viel Gutes zu bewirken. A s ch m e d a i war der Sage nach der Wächter und Beschützer des Schamir. Der Schamir ward zur Zeit der Weltenschöpsuug geschahen, <um bei dem Tempelbnue

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