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Die Wahrheit · 1923-03-01 · Heft 5 (1.3.1923) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 5 (1.3.1923)
Date
1923-03-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 5 Wahrheit Acadrid und Turin zu verschiedenen Zeiten aufgelegt wurde, fand im«, tvvder im 26. Kapitel, noch überhaupt nn ganzen Buche eine Stelle, die man als einen Anhaltspunkt zu 'der Rohlingschen Behauptung bedachten konnte. Wenn in einer Schrift, die sich eine „wissenschaftliche" schnupft, solches zu lesen ist, traut man seinen Augen nicht, wohl aber kan,n man es begreifen, wie man unter diesen Umständen sich reicht in einen öffentlichen Prozeß einlassen kannte. — Und haben wir da nicht recht mit unlerer Behauptung, daß alle diese Hamans zn unauslöschlicher Lächerlichkeit verurteilt sind. Beim Purimseste ist das tvohl das Tröstlichste, daß es nns zeigt, daß wir unter denr Einfluß der lahmenden Furcht nicht zn stehen brauchen, wenn menschliche Tücke und Bosheit zu einem drohenden Schicksal anwachsen, da dieses nicht selten sich über dem Haupte derer entladet, die. es heraufbeschwören. Treffend und sinnreich nennt sich daher dieses Fest: Purim, Fest des Losewerfens, denn in dieser Bezeichnung ist einerseits eine satirische Anspielung auf das abergläubische »Werfen der Lose seitens Hamans enthalten, das nun zu Schanden geworden, anderseits der Ernst der Betrachtung, daß die Rollen sich vertauscht haben, wonach das Schicksal die Wendung genommen, daß die, welche denr Verderben preisgegeben werden sollten, nicht nur bestehen blieben, sondern auch zu Ehre und Ansehen gekommen, während die, welche das Verderben jener geplant, um für sich eine Erhöhung des Lebensgenusies zu gewinnen, den Untergamg gefunden. Was war aber doch das treibende Agens dieses Rollentansches, dieser Wendungen und Wandlungen in den Geschicken Mordechais, Hamans und der von ihnen repräsentierten, schroff sich gegenüberstehenden Parteien? Soweit eiu menschliches Auge die geschilderten Verhältnisse und den Zusammenhang der Begebenheiten zn erkennen vermag, ist dieses kein anderes gewesen, als die treue Hingabe Mordechais, dieses echten Repräsentanten des Judentums, an seine Menschenpflicht, an das wahre Gebot seines Gewissens, aber auch an das Wohl seines Vaterlandes! Das Purimfest und die Begebenheiten, aus die es sich gründet, sind auch in der Gegenwart — mit einigen nötigen Abänderungen — in jeder Beziehung eine aktuelle Erscheinung. Denn es vergeht in der heutigen Zeit kein Tag, an welchem nicht in dem einen oder dem anderen Lande die Inden durch feindselige, falsche Verdächtigungen a la Human oder gar durch völlige Aberkennung ihres Patriotismus in die peinlichste Lage versetzt werden. Denn was anderes als falsche Verdächtigungen sind die folgenden Ausstreuungen, die ein ehemals preußischer Abgeordneter, der seinerzeitige oberschlesische Diktator Korsanty in seinem Blatte, der Kattowitzer „Oberschlesischen Grenzzeitung", zu veröffentlichen wagt. Diese liebevolle Untersuchung auf Grund der Angaben in den „Geheimnissen der Weisen von Zion" sei anläßlich des Purimfestes, mit dem es sich beschäftigt, hier wwdevgegeben Es heißt da: „Am Ick. oder 14. Mar 538 v. Chr. befahl dar jüdische allmächtige Günstling am persischen Hose, Mardochai, Rache an den nichtjüdischen Bewohnern, Susas und anderer persischer Provinzen zu nehmen und ließ 75.000 Familien kaltblütig hinmorden, (Esther 916.) Das war der Dank dafür, daß die Pelrser das Judenpack als Gäste in ihren bisher judenreinen Grenzen aufgeinommen hatten. Unsere Leser wollen sich hieran ein Beispiel nehmen, wie sich die Judenfrenndlichkeit mancher Staaten oft sehr bitter zum eigenen Schaden ihrer vertrauensseligen Völker rächt. Wir weisen hierbei auch wieder auf die jüngsten Ereignisse im großen Rusienreiche hin, wo verhältnismäßig sehr wenige Inden — 250.000 —> (im europäischen Rußland) leben und es aus tausend Um- Feuilleton Bialik und die junghebräische Renaissance in Außland. Zu des Dichters 50. Geburtstag. Von Dr. M. Grün Wald. j (3. Fortsetzung.'»! In der folgenden Zeit vertiefte er sich in die Haskala, | die neuhebräische Anfklärnngsliteratnr, die in chm den Plan i reifen ließ, Rußland zu verlaßen und im Ausland in ein! Rabbinersemvnar einzutreten. Da ihm jedoch hierzu die J Mittel fehlten, 'beschränkte sich sein Ehrgeiz ans d-en Be-! such einer Jeschiwa, einer Talmnd-Hochschnle. Er entschied; sich für die Jeschiwa von Wolozin. > Bialiks Großvater ließ seinen Enkel nur mit Widerj streben nach Wolozin gehen. Denn Wolozin, wie das ganze Litauen, stand in dem Ruse, voller Misnagdim, d. h. anti-! chasiidischer Ketzer, zu stecken. Doch wußte er, daß seinem : Enkel ohnehin der Glaube an die chassidischen Zadditim ' längst abhanden gekommen war. In Wolozin zeichnete sich 1 Bialik durch seinen Fleiß und seine Aufsassungsgabe derart! ans, daß schon nach wenigen Monaten der Rosch Jeschiwa,! der Rektor der Akademie, ihn durch die Anerkennung aus- - zeichnete, Bialiks Voreltern müßten entschieden Litauer j gewesen sein. Die litauischen Juden werden nämlich ihres j Scharft'iuns wegen gerühmt. Einige Zeit später begann! Bialik sich eitrigst den Bestrebungen der Haskala zu widmen. Er lernte Russisch, Mtlbdas erste russische Buch, das ihm in die Hände siel, waren Gedichte des vortrefflichen Frn g. Sie h>aben den in ihm schlummernden poetischen Keim stark befruchtet. Die Sensation jener Tage waren aber in Bialiks Kreisen die Essais des geistvollen „Achad Haam", besonders zwei Artikel über den geistigen oder kulturellen Zionismus. Alle Leser des Nenhebräischen kannten diese Artikel und waren von der gediegenen Schlichtheit der Sprache wie von der Tickse des Inhalts gleich entzückt. Achad <p a a m (Pseudonym für Ascher GinÄerg) hatte unter dem Titel „Bene Mosche" eine Gesellschaft zur Verbreitung dieses Kulturzivnismns begrünidet. Daneben vertrat ein an!derer neuhdbräischer Schriftsteller I a b e z eine Richtung, die europäische Bildung mit peinlicher Befolgung des altüberlieferten Judentums zu vereinten bestrebt wa.r Die Wogen des Streites ergossen sich auch über die Woloziner Akademie. Hier wurde, also noch vor dem Auftreten des politischen Zionismus, ein zionistischer Verein gegründet, der ein Kompromiß zwischen den beiden Lagern verkörperte. Bialik betraute man mit der Abfassung eines entsprechenden Manifestes, das auch in der Petersburger hebräischen Zeitung „Hameliz" Aufnahme fand. Er wurde des Jeschiwa-Leoens bald überdrüssig. Der Abschied von den Talmud so lranten ist Pralls nicht leicht gefallen. Seine Stimmung tönt wieder in dem Gedichte „Al salf Beth-Hamidrasch" (An der Schwelle des Beth-Hamidrasch) und vor allem in dem prächtigen Gedicht „Hamasmid". „Hamasmid" ist eine Apotheose des Talmudjüngers, wie er bei Brot, Salz und hartem Lager

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