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Die Wahrheit · 1923-02-15 · Heft 4 (15.2.1923) · page 17

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 4 (15.2.1923)
Date
1923-02-15
Page
– (sequence 17)
Language
German
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D re Wahrheit Nr. 4 Teile 17 bsermajimchajim; <m dieser Quelle werden wir gesunden. Alle meine Einwände, wie z. B. daß der Mangel" an des Lebens Notdurft nicht durch - die schönste Skizze vonPevez vder geistvolle Satire von Schalom Alechem wettgemacht'weiden!ann> hatten bei dem Hitz- und Charakterkopf keine Wirkung; Nicht nur daß ich mich dieser Literatur erstlich zuwandte, sondern auch, daß ich Einiges in _ mein „schönes Deutsch" übertrug und drucken ließ, bewirkte er. Wahrend ich aber diese Kleinarbeit besorgte, ist Grob inzwischen ein populärer jüdischer Schriftsteller geworden; dies aus dem einfachen Grunde, weil er der Talentiertere von uns beiden war. Nun brachte das Jahr 1919, gleichsam als- Friedensgabe, sein Buch: Josef Grob's gesammelten Schriften. Die erste Auslage war rasch vergriffen und von der Presse sehr fteundlich ausgenommen worden, was bei der Wesensart Grob's nicht Wunder nehmen darf. Gerade auf dem Gebiete der Kleinmalerei der jüdischen Literatur finden wir wohl selten Humor, Satire und tiefste Empfindung so harmonisch vereirrigt. Anläßlich seines 20jährigen Schriftstellerjubiläums dürfte wohl eine zweite vermehrte Auflage im Druck erscheinen. Er hat die Genugtuung, sich nicht überlebt zu haben. Nicht viel über 40 Jahre alt, in der Vollkraft >des Schaffens, ist sein Name sowohl im Osten als auch in der. Neuen Welt von gutem Klange. Aber auch die Judenschaft des Westens verfolgt mit lebhaftem Interesse sein schriftstellerisches Wirken. So wünschen wir ihm denn eine noch recht lange, sonnige und glückliche Laufbahn. N. Chameides. Verlobung. Fräulein Grete Wald, Tochter des bekannten Rechtsanwaltes Dr. Heinrich Wald, verlobte sich dieser Tage mit Herrn Hermann Strauchbau m. Wir gratulieren äufs herzlichste. Trmmng. Sonntag, -den 4. Februar 1923, fand tm großen Leopoldstädter Tempel die Trauung des Fräulein Bianca Schönfeld, der anmutigen Tochter dcS in weiten Kreisen hochgeschätzten Herrn Dr. Max S^hönfeld und seiner Gattin Hermine geb. Weiß, mit Herrn Ingenieur Oskar K o rmi 8 unter zahlreicher Beteiligung statt. Herr. Rabbiner Dr. Max Grunwald hielt an das Brautpaar eine herzliche Ansprache. Oberkantor Morgenstern versah die kantovalen Funktionen mit Chor, Harmonium und Cellobegleitung. Goldene Hochyelt. Me bereits in der vorigen Nummer unseres Blattes gemeldet, fand am 3. d. M. die schöne Feier 'der goldenen Hochzeit 'des Ehepaares Leopold und Katharina Hahn, das sich in Pflege der Versovgungscrnstalt der israelitischen Kultusgemeinde beftndet, in solenner Weise statt. Was diesem Ereignis eine besondere Weihe <jq6, war das Erscheinen des Herrn Kultuspräsidenten Prof. Dr. P r ck, der den deutlichsten Beweis seines schönen Menschen-' cmpfindens gab, indem er trotz seiner vielen Agenden es sich gleichwohl nicht nehmen ließ, in Begleitung seiner hochverehrten Frau Gemahlin den Jubilierenden die wohlverdiente Ehre zu erweisen. Für den 21.' Bezirk, in welchem Herr Hahn viele Jahre als Schochet 'wirkte, erschienen als Delegierte der Gemeinde die Herren Gabriel Dukes, M. Schwarz und Dr. Ruß. Das Sanierungskomitee war durch die Herren Kultusdorsteher Isidor Schwarz und Julius Berger sowie Schriftführer Hirschfeld vertreten. Außerdem bemerkte man die beiden Sekretäre der Kultusgemeinde die Herren Dr. E. Adler und G. Fuchsgelb, des weiteren die Herren Bezirksvorsteher P l a s ch k e s und Direktor Julius Haber mit Frau Gemahlin sowie Familienmitglieder des jubilierenden Paares und eine vornehme Gesellschaft, die diesen Anlaß nicht vorüber gehen lasten wollte, ohne 'dem allseits geschätzten Jubelpaare den Beweis aufrichtiger Sympathien zu Überbringer!. Kultusvorsteher D. Dohan, als Obmann der Komistion Bersorgungsanstalt, begrüßte die erschienenen Honoratioren und Gäste in heimlicher'Weise, worauf sich alle in das kleine, aber schone Bethaus der Anstalt begaben. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor B. Kaufmann mit einem trefflichen Quartett des. Stadttempels unter Leitung des Chordirigenten Herrn I. Z e l l n i k. Nachdem der Jubilar, zur Thora gerufen, ein Dankgebet verrichtet hatteergriff Herr Rabbiner Dr. Schwarz das Wort zu einer erhebenden Rede, die aus alle Anwesenden tiefen Eindruck machte. Zur imposanten Feier trug in besonderer Weste Herr Oberkantor Kaufmann bei, wobei ihm der Umstand, daß der Sabbath der Lieder (Sabbath Schira) an diesen Tag fiel, geeigneten Anlaß bot,' sein vortreffliches Können zu dokumentieren. Schließlich wurden auch die Söhne des jubilierenden Paares, Josef unv Max, zur Thora gerufen und hatten gleich einer Anzahl anwesender Freunde des Jubelpaares den Anlaß zu Spenden für das Bersorgungshaus benützt. Nach dem Gottesdienst hielt Herr Prof. Dr. Pick an das Jubelpaar eine überaus herzliche Ansprache und überreichte demselben im Namen der Kultusgemeinde eine prächtig ausgeführte Adresse. Sodann sprach Herr G. Dukes im Namen der Gemeinde Floridsdorf, würdigte die großen Verdienste des Jubilars und überreichte gleichfalls eine kunstvoll ausgeführte Adresse. Herr Kulrusvorsteher Isidor Schwarz, betonte in seiner schönen Ansprache, daß diese seltene Feier in dem schönsten Palais Wiens stattgefunden hatte, nämlich in dem der Menschen- und Nächstenliebe gewidmeten Hause. Auch Herr Kultusvorsteher Dohan, als Obmann der Anstalt, gratulierte den goldenen Hochzeitern in herzlichster Weise. — In der Wohnung des Jubelpaares wurden zahlreiche prächtige Ehrengeschenke überreicht, um deren Zustande bringen sich Herr Kultusvorsteher I. Berger ganz besonders bemühte. Für das schöne Arrangement gebührt Herrn Verwalter I. P op p er ein besonderes Lob. — Sonntag, den 4. Fe» brua, empfing das Jubelpaar Besuche seiner Freunde, bei welcher Gelegenheit Sr. Ehrwürden Herr Robb. Dr. M. Rosenmann eine -glänzende Ansprache hielt. In Vertretung des Bürgermeisters erschien Herr Siadtral Speiser, der die Glückwünsche der Gemeinde Wien überbrachte. Diamantene Hochzeit. Samstag, den 3. d. M. fand die seltene Feier der diamantenen Hochzeit des Ehepaares Ignaz und Amalia Wortmann im 4. Bezirke, in der Wohnung des Jubelpaares statt. Unter Teilnahme der zahlreichen Familie, Kinder und Verwandten, vollzog sich das schöne Ereignis. Der Präsident der Kultusgemeinde Herr Pros. P i ck in,der Begleitung 'des Sekretärs- G. Fuchsg e l b überbrachte die Glückwünsche der Gemeinde und überreichte bei diesem Anlaß eine kunstvoll ausgeführte Adresse. Ignaz Wortmann ist der einzige 'überlebende Radetzky-Husar, der die berühmte Schlacht bei Solferino unter dem General Freiherr von Fehervari mitmachte. Herr Wortmann ist auch Vater des allgemein geachteten Kultusvorftehers Robert Wortmann, Mitchess des bekannten Bankhauses Nagel und Wortmann. Predigt. Freitag, den 16. d. M., halb 5 Uhr, findet im Großen Leopoldstädtertempel eine Predigt Seiner Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. Max G r u n w a l d statt. Unverbindliche Politik. An der kläglich.gescheiterten Lausanner Konferenz, die mit einer Schlappe der Westmächte endete, nahm auch eine arabische Delegation teil, die, offenbar durch die Erfolge der Türken ermutigt, den englischen Kolonialmmister Herzog von Devons hi re veranlasien wollte, in der Palästmasrcvge Farbe zu bekennen. Der vorsichtige Staatsmann half sich mit sehr re- -servierten Redensarten, aus denen viel von- Gleichberechtigung hervorklang. In ähnlichem Sinne haben sich auch die -wieder halbamtlich gewordenen „Times" geäußert. Der -Sinn der vielen Worte, die die Gedanken verbergen sollen, ist, daß in Palästina nur britische Politik gemacht werden darf. Völkische Selbstmordpolrtik. Franzosen und Belgier, die grimmigsten unversöhnlichsten Feinde der Deutschen seit dem Weltkrieg, haben gegen Menschen- und Völkerrecht das Ruhrgebiet mit Waffengewalt überzogen. Einzig ihren Willen erkennen sie dort als Gesetz und die Invasion hat bereits Blutopfer zur Folge gehabt. Die Erbitterung des wehrlosen und hilflosen deutschen Volkes ist begreiflich. Mer gleichwohl darf dem Verantwortlichen nicht die Vernunft mit der Leidenschaft durchgehen. Solches erwägend hat-des deutschen Reiches Kanzler an die Bevölkerung des Ruhrgebietes ernste, würdige Mahnungen ergehen lasten. Anders freilich halten es die Patrioten, die fern vom Schuß, setzt den Augenblick für gekommen erachten, mit Brandreden dem Deutschen Reiche das Dach über 'dom Kopfe anzuzünden. Graf R e v e n t l o w gibt in seinem Hetzblatts der „Deutfchvolkifchen Freiheitspartei" Gastrecht, die an die deutschen Männer, Frauen und deutsche Jugend einen Aufruf veröffentlicht, -der nicht weniger als die sofortige Abberufung der deutschen diplomatischen Vertreter in Paris, Brüstel, Rom und die Ausweisung aller in Deutschland lobenden französischen Staatsangehörigen verlang.

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