Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 4 (15.2.1923)
- Date
- 1923-02-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Seite 1$ aus den vollen Brüsten d-or alma mater wird faugen müssen es sei denn, daß ein neuer Salomo eine weisere Einteilung treffen dürfte. — Bei der Warenverkehrs A. G., Zweigstelle Graz Haiden zwei ftonrme Herren — der Drrektor und sein Stellvevtoeiter — Waren um Milliarden veruntreut und sie zum Teile ■ in verschiedenen Klöstern aufl bewahrt. Zu welchem Zwecke ist unbekannt, wahrscheinlich, daß sie >dort geweht werden. — SüdmaMehrer Hoyer ist in Znaim wegen allideutscher Schriften, die der chm gesunden sein sollen, verhaftet worden. Das drückte, die hiesigen Datenblätter sehr und sie 'konnten sich nicht genug erbosen ob der Verhaftung eines Mannes, der, wie sie in ihren ersten Berichten mitterlten, auch in Tschechien die alldeutsche Sache vertreten habe. Da aber die Tschechen bekanntlich nicht so wehrlos wie die Juden sind und diese Notiz Herrn Hoher gewiß nichts genützt hatte, berichtigte man flugs daraus, Hoher betreibe alldeutsche Propaganda nur in Oesterreich, in Tschechien hingegen beschaute er sich nur sein in Eger gelegenes Anwesen. Armer Hoher, du solltest bessere Vertreter deiner Angelegenheiten in Graz haben! Ortsgruppe Baden. Nach der gründenden Versammlung sind unserer Ortsgruppe Baden bei Wien mehr als 80 Mitglieder beigetreten. Um den Ausbau -dieser Mitgliedschaft hat sich unser Borftandsmitglivd, Herr Philipp Haas, der die vorbereitenden Schritte zu deren Gründung einleitete, besondere Weckdienste erworben. Aus der jüdischen Frauenbewegung. Der Bund jüdischer Frauen Deutsch-Oesterreichs versendet folgenden Aufruf: „Wir haben soeben den „Bund jüdischer Frauen Deutschösterreichs" ins Lesen gerufen. Der Bund hat es sich außer seinen sonstigen statutenmäßigen Zwecken zür nächsten Aufgabe gemacht, armen jüdischen Mädchen von 15 Jahren cm- und jungen Frauen, deren Abendstunden in ungesunder und unbefriedigter Weise verlebt werden muffen, Gelegenheit zu geben, ihre freien Abendstunden inder Zeit von 5^-bis 9 Uhr in einem warmen, gemütlichen Raum zuzubringen. Me Zeit soll an drei Tagen der Woche durch Anleitung im Stopfen, Flicken und Modernisieren 'der eigenen gut gereinigten Sachen, dazwischen -durch Orientierung über alle Notwendigkeiten im Leben einer Frau genützt werden. Durch Verabreichung von Erfrischungen aller Art/' durch Unterhaltung und Gesellschaftsspiele soll >der Frohsinn der Jugend geweckt und gefestigt tverden. Jede Besucherin dieser Abende hat einen wöchentlichen, der Zeit >angepahten Regiebeitrag zu zahlen und hat für die auszuführenden Arbeiten ihr eigenes Material mitznbringen. Me Abende werden von hierzu befähigten Damen geleitet. Es wird -streng darauf gehalten, daß alle politischen Interessen aüsgeschaltet werden. Wir ersuchen höflichste in allen jüdischen Kreisen über die Zwecke des Bundes zu sprechen und dem Bund möglichst viele Mitglieder zu werben, die -dann ihrerseits alle an sie herantretenden Fälle bezeichneter Art uns zuweisen mögen. Das vorläufige Heim des Bundes ist: 6. Bezirk, Marchettigasse 7, Parterre, und. ist Dienstag, Mittwoch und Donner s t a g von 5—9 Uhr geöffnet." Inkassant oder Inkassantin wird gegen hohe Provision sofort aufgenommen. Persönliche Vorstellung, „Union d.-ö. Juden1*» IX., Berggasse 4, Tür 14 von 9—12 oder von 8—5 Uhr. Vom Blutsonntag der Hakenkreuzler. Die Rückkehr des Bundeskanzlers M. Seipel aus Paris fand-am Vormittag, die richtige einleitende Feier im Konzerthaussaale am Abend statt, wo dieselben HaLenkreuzlerbeamten, die kurz -vorher offiziell jede, geplante Gewatltätigkeit leugneten, sich mit Gummiknütteln, Stinkbomben und Schießeisen nach ihrer wahren Ku'lturbedeutung gaben. Die aufgebotene Horde war diesmoi ausschließlich Jntelligenzblüte studierender Jugend. Kühn gemacht durch die Schonung, die sie anläßlich chres letzten Paradecmfzuges erfuhren, schritten sie zur Propaganda der Tat, zur Etablierung des Terrors. Germanischer Heldenmut triumphierte über eine arglose, ahnungslose, wehrlose Versammlung, wobei nach beglaubigten Aussagen die hakenkreuzlerische Tapferkeit sich mit besonderem Wohlbehagen an halbohnmächrigen Frauen austobte. Ebenso wollen mehrere Augenzeugen bemerkt haben, daß die wohlvorbereitete Attacke von einem elegant gekleideten Burschen, der Glacehandschuhe trug, geleitet war. Es sei hier daran erinnert, daß im alten Oesterreich auch der Scharfrichter sein Geschäft mit behandschuhten Händen verrichtete- Berechtigte Zweifel erhoben sich darüber, ob der beispiellose Skanda-l bei der gebotenen Vorsicht der Sicherheitsbehörde sich hätte abspielen können. Sie müßte ihre Pappenheimer schon längst gekannt haben und wissen, was diese Leute imstande siuo. Ein bej-chelden.es Wachausgebot vor dem Kriegsschauplatz wäre geeignet gewesen, den Exzeß in seinem Anfang zu unterdrücken. Niemals werden wir uns zu der Meinung bequemen, daß die Staatspolizei nicht chr Vertranten in allen 'bedeutenderen politischen Vereinen und Organisationen hat und über kommende Dinge rechtzeitig 'unverrichtet wird. Die Polizei war z. B. von der Ankunft Ludendorffs in Kenntnis, 'bevor Se. Exzellenz das Weichbild 'der Stadt Wien betrat, und bemühte sich das teuere Haupt dieses Fremden gegen alle drohenden Eventualitäten zu schützen. Rar naive Seelen werden sich einreden basten, daß der Generalfeldmarschall, die schwarze Seele des Weltkrieges, bloß in der Absicht nach Wien kam, um hier mit einigen persönlichen Freunden im Hotelrestaurant zu speisen. Es ist vielleicht kein zufälliges Zusammentreffen, daß der Generalstäbler der Hakenkreuztruppen am Tage nach der gewonnenen Schlacht im Konzerthaussaal eintras. Es war vermutlich seine Absicht, die Front der Gummiknüttelhelden abzureiten und sie durch den Zauber seiner Persönlichkeit für weitere ähnliche Siege zu entflammen. Vielleicht auch hatte -er für die kühnsten der deutschen Frauenschläger einige übertragene Orden vour le merite . . . . . .in der Tasche. Es kam freilich anders als der Edle geträumt. Die Polizei ließ ihn mit all der gebotenen Rücksicht, die sie einer gefallenen Größe schuldig zu sein glaubte, wissen, daß sie für seine persönliche Sicherheit nicht bürgen könne. Me persönliche Sicherheit eines Ludendorff ist wohl etwas" anderes als jene eines vielhundertköpsigen Publikums, das den Vortrag eines deutschen Gelehrten zu hören kommt. Die altfränkische Hausmoral mag über Magnus Hirschfeld und dest-en Thema denken wie immer, keineswegs hat die Gesellschaft, die sich zu Nackttänzerinnen, Boxerkärnpfen und Darbietungen körperlicher Sensationen drängt, das Recht, über wissenschaftliche Vorträge, hinter denen pikanter Einschlag gewittert wird, empört zu sein. Am allerwenigsten jene Rastenreinen, die zu mäßig festgesetzten Meuchelmords-