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Die Wahrheit · 1923-02-15 · Heft 4 (15.2.1923) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 4 (15.2.1923)
Date
1923-02-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Di« W . droht, schon wird die Einführustg der Prozentnorm für die Juden nach ruffisch-zaristifchem Muster erwogen, s-Hon Lauche auch wieder die mittelalterliche RitualmoMüge, verbrämt mit dem wissenschaftlichen Mäntelchen, Das Hr Der Wiener Theolvgiepro'sessor Nivard Schlögl nach Ro hlingschem Muster umgehängt «halbe, auf. Alle wilden Instinkte Der urteilslosen .Menge wenden gegen Die Inden anfgepeitscht. Unter diesen Umständen sei es ein Gebot zwingender Notwendigkeit, daß auch die Juden unter sich allen Zank und Streit einstellen und sich gegenüber, dem äußeren Feind zu einer jüdisch e n E i n h e ift s f r o n t zusammerrfiniden. Die „Union" «lehne zwar nach wie vor die Forderung nach Anerkennung einer besonderen jüdischen Nation in Oesterreich ab, weil wir hierdurch nur Ausnahmegesetze gegen die Juden, provozieren würden, sie trete aber nachdrücklich für den Wiederaufbau Palästinas ein und empfehle mit aller Wärme, den „Keren Hajeffod" -durch . reichliche Beiträge zu unterstützen. In Wien sei Ne jüdische Einheitsfront schon durch die Einsetzung eines gemeinsamen. Boltzugsausschusses, welchem. die Kultusgemeinde, die „Union", die Äo-niften, die Jsr.*Allikanc, die Benai Brith und Die Orthodoxen angehören, hergestellt worden und es empfehle sich, diese Einigung auch in -allen Provinzgemem- Den durchzusühren. Redner forderte zum Schlüsse zur weiteren Anwerbung von Mitgliedern, zur Stärkung des Preß- und AgiLationsfonDs und zum Monnernent der „Wahrheit" als des Organs Der „Union deutschösterreichischer Juden" auf. Die Ausführungen des Sekretärs F l e ischer wurden mit allseitigem lebhaftem Beifall ausgenommen. Obmann Bergler erstattete hierauf -den Bericht über >die Tätigkeit Der Ortsgruppe Sti Polten, welcher die rührige Geschäftsführung dieser Organisation 'bekundete. Herr K o h n faßte noch einmal übersichtlich, alle Bovgänge zusammen, aus welchen die bedrohte Lage der österreichischen JuDenschast ersichtlich ist, forderte zu energischem Kampfe auf und beantragte eine diesbezügliche Resolution, welche dem Zentralvorstande zur Erwägung und Erledigung zugewiesen wurde. Herr Obervabbiner Doktor Schächter 'begrüßte mit lebhafter Genugtuung die Friedensworte, welche heute von Dem Vertreter des Zentralvorstcvn-des^ gesprochen wurden und welche die Grurvdlage ' zu einheitlichem Vorgehen -aller Gruppen der JuDenschast bieten. Redner bekennt sich als Zionist, er verfolge aber -auch die Schutzarbeit der „Union", mit deren Sekretär ihn seit 25 Jahren herzliche Beziehungen verknüpfen, mit dem lebhaftesten Interesse. Es sei kein Grund vorhanden, Daß die „Union" und die zionistische Ortsgruppe einander zur Freude Der Gegner bekämpfen und er selbst habe auch als zionistischer Parteigänger seine Ausgabe niemals darin gesehen, 'den 'Kamps zu schüren, denn wir alle seien ja Juden und wollen, wenn auch vielleicht mit. verschiedenen Mitteln und aus verschiedenen Wegen, Dasselbe, d. h. das Wohl und Gedeihen des Judentums. (Lebhafter Beifall.) Herr Direktor Schwager spricht als Vizepräsident der zionistischen Ortsgruppe St. Pölten, allerdings nur für seine Person und nicht im Aufträge der genannten Körperschaft, seine Befriedigung über den Verlauf Der heutigen Drrsam'luMg aus. Die Richtlinien, welche SÄretär Fleischer entwickelt -hat, -können die Grundlage bieten für eine gemeinsame Arbeit, und Lvenn man sich vielleicht auch noch nicht ganz gefunden habe, so sei man einander doch wesentlich näher gekommen. Sekretär Fleischer beantwortet Mann eine Reihe von Anfragen bezüglich 'der Stellung der jüdischen Wählerschaft zu der bürgerlich-demokratischen Arbeitspartei einerseits und'zur sozialdemokuatischm -Partei anderseits. Herr Kultuspräsident Leicht empstehktder Versammlung, sich an Der geschlossenen Ortt h r h e i t _ __" Nr . 4 ganisation Der Sozialdemokraten ein Muster, zu«, nehmen und gibt, seiner vollen Zustimmung zu Den Ausführungen des Herrn Oberrabbmers Dr. «Schlechter und 'des -Sekretärs Fleischer Ausdruck. Bezüglich des Jcchresbeitrages für Das Jahr 1923 beschloß die Versammlung, die Bestimmung Des Beitrages der Selbsteinschätzung jedes einzelnen Mttgliedes zu überlaffen, 0ls Mindestbeitrag jedoch 2000 Kronen festzusetzen. Die imposante Versammlung schloß mit der Anmeldung einer Anzahl neuer MitgliMr >für Die Ortsgruppe Der „Union" und von Abonnements -für die „Wahrheit". Der Obmann Dankte mit herzlichen Worten allen Rednern -des Abends und >gab Die Versicherung, Daß die Ortsgruppe St. Pölten nach wie vor mit Der größten Sorgfalt und Umsicht die gegMrische'Bewngnug verfolgen und alle Angriffe auf Die staatslürgörlichen Rechte der Juden zurückweisen werde. ° . Graz. So hätten nun -auch wir den großen. Klimbim, genannt n-umenis Llau-SUL-Rummel, wie es einmal der Deutschesten Stadt" geziemt, gehabt. Natürlich ging es auch da, wie überall in Dissen kuktUr- und bildnngsfteundlichen Bersammlnugen, mit -volltönenden Phrasen -hoch her und lohnt es sich wahrlich nicht, über die bereits schablonenhaften Reden Des Vizebürgermeisters Apothekers Fizia und Des Lizealproseffors Dr. Hübler sonderlich zu berichten, Denn mit diesen Reden hausieren >die Herren -bereits seit Beginn ihrer politischen Karriere. Festgenagelt aus Diesen Versammlungsreden verdient bloß Die Rede des Universitätsproseffors Dr. H e r 11 e zu werden, der, um auf die großen Gefahren hinzuweisen, welche Dem Ariertum ider „deutschesten Stadt" drohen-, Dreist behauptete, in Graz gebe es bereits mehrere Klaffen an Mittelschulen, 'in welchen ein Drittel Juden, meist OstjuDen, sich befinden. Natürlich ist -das eine -kvaffe Unwahrheit. Man sollte nun meinen, daß ein Mann, namentlich aber ein akademischer Lehrer — auch schon mit Rüchsicht auf Das beikannte Wort des PhäDrus (1, 10): Ouftoumtrute turpi fnamdla samöl mn-afctift, etramsä verum dürft, arnSttiit Mem — Die Wahrheit kündet. Doch weit gesehlt, um die Volksseele zu vergiften, schreckt "man selbst vor Unwahrheiten nicht zurück. Ganz possierlich aber wär es, diesen Herrn, von dem selbst seine engeren Fachgenoffen hier nur blutwenig wissen unD-der in der medizinischen Literatur überhaupt ganz unbekannt ist, und der wahrscheinlich nur auf dem hiesigen Boden erwachsen konnte, über die Reklamemachersi Einsteins und Steinachs orakeln zu hören. Wahrlich, man sollte meinen, wenn Einstein und Steinach Probleme zur Diskussion ge-. stellt haben, welche die ganze wissenschaftliche Welt in Bewegung setzten, ..dafür das Judentum ebensowenig verantwortlich zu machen sei, wie etwa dafür, Daß Die gewiß bedeutenden (sie!) wissenschaftlichen Arbeiten Hertles solche Diskussionen nicht ausgelöst haben. Uebrigens versieht inan auch sonst nicht Die sonderliche Aufregung Hörtles gegen Ernstem . und Steinach, da doch diese, die an der hiesigen Universität nicht einmal Affistenten hätten werden können, für ihn keine wissenschaftliche Bedeutung haben rönnen. Und wie es mit Der in dieser Versammmntz gefallenen Behauptung Des Nationälvates Hampel bestellt ist, >die Aemter seien von Juden überschwemmt, dafür dürfte doch jedem ein Gang durch alle Aemter in Graz und der übrigen Steiermark ein schlagender Wahrheitsbeweis sein. Nicht minder ergötzlich war die Berechnung eines Studenten im „Grazer Volsblatt", der. glücklich herausgebracht hat, nach dem zum Gesetze erhobenen Durchschnitt kämen auf die Grazer Universität eineinhalb jüdische Studenten zur Jmmatrikulierung, so Daß wahr», fcheinlich Der eine Halbierte mit der «einen Hälfte in Graz und mit Der anderen Hälfte in Innsbruck seine Weisheit

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