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Die Wahrheit · 1923-02-15 · Heft 4 (15.2.1923) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 4 (15.2.1923)
Date
1923-02-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 4 Äeue Ü er -Lurch feine Bersügunig die vntrsemirische RasfenHeorie «ck adMiÄum Mrt und der Lächerlichkeit preisgibt. Denn eine ganz ungeheuerliche Lächerlichkeit ist es, wenn der Staat von seinen. Bewohnern ein Bekenntnis zu einer Sache verlangt, die dieser Staat selbst nicht klar definiert hat, weil sie überhaupt nicht zu definieren ist. Das Religionsbekenntnis ist vom Rassenbegriffe vollkommen unabhängig. Der ehemalige Staatsanwalt . Dr. Frank scheint der Meinung zu sein, daß der Begriff der „Rasse" ebenso klär zu. definieren 'sei wie der Begriff des Diebstahls, des Betruges, des'Mordes oder Hochverrates. Er wird, sich 'uns den pvaEtischenj Ergebnissen der VoWszähluing überzeugen, daß er eine sehr, -aber schon sehr jugendliche Dummheit begangen hat, welche ihm nur das Hohngelächter der ganzen Welt Anziehen kann. Unseren Glaubensbrüdern stcht es vollkommen frei, die Rubrik nach ihrem freien Belieben auszufüllen. Wenn ihre Umgangssprache die deutsche ist, können sie sich cüeumcü auch als „kaukasisch" bekennen; sie können aber auch hinschreiben, daß die Frage nicht beantwortet werden könne, weit der Begriff der Rasse weder gesetzlich .noch wissenschaftlich bestimmt ist. Solange Herr Dr. Frank seinen Volkszählung skomm i ffären nicht eine -klare Begriffsbestimmung mit auf den Weg geben kann, ist seine Verordnung absurd und ein Hieb, in die leere Luft. Zeichnet Spenden für unseren Pretzfonds! Werbet Mitglieder für die „Union"! Abonniert unser Organ, „Die Wahrheit"! Gedenket bei Familienfesten, bei Testamentserrichtungen, Spielgewinsten usw. unseres Rechtschutzbüros! Es kommen ernste Zeiten! Pfleget den Opfersinn für unseren gemeinsamen Kampf! leute zu wenden» wenn sie es nicht vorziehen, sich an den nationalsozialistischen Parteigenossen I e n d e zu wenden, der vom Schöffengericht wegen versuchten Einbruchsdiebstahls zu 3 Monaten strengen Arrests verdonnert wurde und für welchen das ehrenwerte Blatt eine Lanze bricht. Ans unserem Rechtsschutz- und Abwehrbureau. Die Veröffentlichung des „Judenkatasters" hat nun in der 3. Nummer des in Innsbruck erscheinenden „Nationalsozialist" begonnen. Sie wird mit einer Flut von Schimpfworten, wie „hebräisches Scheusal", „blutgierige Mische Bestie" usw. eingeleitet und dazu die Parole ausgegeben: „Kauft nicht bei Juden nnb verkauft nichts den Jrä>en! Geht, zu keinem jüdischen Arzt, zu keinem jüdischen Rechtsanwalt! Duldet keinen jüdischen Lehrer, keine jüdischen Professoren, keine jüdischen Arbeiterführer, keine Mischen Zeitungen usw.!"' Den Mitarbeitern an .dem „Judenkataster" wird strengste Geheimhaltung und sofortige Vernichtung ihrer Einsendungen zugesichert. Die Herren sind also beseelt von deutscher Tapferkeit! Während nun auf der zweiten Seite des Blattes für zehn jüdische Inhaber von Agenturen >imd Kommissionsgeschäften Reklame gemachtwird, ist auf der letzten Seite eine M >a s s e nf l u ch t > de r a r i s ch e n I n f e r e n t e n erfolgt. Den anständigen christlichen Gsschätfsleuiten Innsbrucks ist vor der Empfehlung dieses Blattes das Grausen angegangen und mit . Ausnahme der Konditorei Erhärt und Comp, in der Mnseumstraße 10, haben sämtliche Inserenten ihre Einschaltungen zurückgezogen. Hierdurch, sind die Leser in die schwierigste Lage versetzt, der auf der letzten Seite erschienenen Aufforderung: -„Kauft nur bei arischen Kaufleuten!" Folge zu leisten. Es bleibt ihnen schlechterdings nichts übrig als sich an' die im „Judenkatafder" namhaft gemachten jüdischen GefchäftShaben kerne Ursache, über Jende ^>en Stab zu brechen". Eine rrette Moral! Der Innsbrucker „Nationalsozialist" besorgt in Tirol die Geschäfte des Herrn Ludendorff und seiner Hakenkreuzler, welche von München aus die Aufrichtung eines neuen deutschkatholischen Staates, bestchend aus Bayern, Württemberg und den österreichischen Bundesländern, anstreben. Diese Leute sind also Vorkämpfer Frankreichs, welche die deutsche Roichseinheit zerreißen und Nord und Süd von einander trennen wollen. Wenn die Franzosen süddeutsche Städte besetzen und Herr Ladendorff aufreizende Reden in Klagenfurt hält, so dienen beide demselben Zwecke. Sie fallen in der kritischesten Stunde dem deutschen Volke in den Rücken. Ms erste Etappe zu diesem glorreichen Ziele soll die Austreibung der Juden erfolgen. Wir wünschen den Herren viel Glück zu diesem patriotischen Werke, glauben aber, daß sie bei dem kernigen und gesund denkenden Tiroler Volke damit nicht viel Glück haben werden. Mitteilungen aus dem Zentralvorstand. Generalstabsarzt Dr. Adolf Drach. Der Zentral Vorstand hat -durch das unerwartete Mleben seines Mitgliedes, des Herrn Generalstabsarztes Dr. Adolf Drach, einen schmerzlichen Verlust erlitten. Der Verblichene hat zwar nur kurze Zeit dem Vorstaude der „Union deutschösterreichischer Juden" angehört, wir haben jedoch auch in diesem kurzen Zeitraum Gelegenheit gehabt, seine her- 'vorragenden Charaktereigenschaften und insbesondere sÄne Liebe für das Judentum in vollem Maße kennen und würdigen zu lernen. Wir werden dem Dahingeschiedenen stets ein ehrendes Andenken bewahren. Aus unseren Mitgliedschaften. Ortsgruppe St. Pölten. Unter dem Vorsitze des Obmannes Herrn Karl Bergler fand am 8. d. M. im 'Sitzungssaale der israelitischen Ku-ltusgemeiude eine sehr zahlreich besuchte Vollversammlung der Ortsgruppe SaM Pölten der „Union -deutschästerrechischer Juden" statt, zu welcher auch die Frauen ein starkes Kontingent gestellt hatten. Ferner waren erschienen der Präsident der israelitischen Knltusgeimeinde Herr Albert Leicht, Herr Oberrabbiner Dr. Schächter, der Vizepräsident ber zionistischen Organisation Herr Direktor Schwager uMd als Delegierter des Zentralvorftandes Herr Sekretär Fleischer aus Wien. Nachdem!der Dorsitzende namens der OrtsgruppenleituiNg und Herr Kultuspräsident Leicht namens der Kultusgemeinde die Gäste und dieBersammluntz herzlichft begrüßt hatten, erstattete Herr Sekretär Fleischer einen eingehenden Bericht über.die -seit-Mai v. I. von der „Union" geleistete Rechtsschutzarbstt und >§nüpste hieran eine allgemeine Betrachttum über die deGeitige Lage der österreichischen Jüdenschast. Redner verwies -auf das neuerlich mächtige Anschwellen des Antisemitismus, auch in Dutschland, Ungarn und Polen, auf die Geschlossenheit aller antisemitischer Hetzer, nvögen sie sich nun HaLen- Ereitzler, Frontkämpfer, Deutschivölkische oder Chnstlichsoziale nennen. Schon werde die Hand ausgestreckt nach ' unseren verfanngsmäßigen Rechten und Freiheiten, ischon ist die Lehr- und Lerufveihert an unseren Hochschulen be-

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