Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 4 (15.2.1923)
- Date
- 1923-02-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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linge bet Kultusgemeinde, emzelrre gemeinsam mit der. Behörde oder mit Vereinen, werden sie m FanMenpflege gebracht oder in den Heimstätten mit großem Spesermuswande gehalten. Die Kultusgemeinde kann dieses wichtigste Report der Armenpflege nur unter Beihilfe edler Kinderfteunde bestreiten und zahlt «den Pflegeparteien nur geringe Verpflegskosten. Die Heimstätten für Kinder, auch solche, die .krüppelhaste Kinder ausneHmen, leiden Me Not, ebenso die Vereine, die Kinder urL Erwachsene ausspeisen oder bekleDen, sie sind Lei den heutigen Preisen nicht mehr in der Lage, ihre statutarischen Verpflichtungen zu erfüllen. Jedermann, der in seiner Kindheit solche K i n d e r s ü r s o r g e in Anspruch nehmen mußte, bekleidet oder a u s g e s p e i ft wurde, in Familien- oder Anstaltspflege war, sollte es als seine einfachste Menschenpflicht ansehen^ die Kinderfürsorge der Kultusgemeinde und ihre Heimstattender Zeit entsprechend zu fördern. Jammern und Wehklagen helfen nichts. Es ist stets mein Bestreben im Amte,. nicht mitzuweinen, wenn mir Arme, ihre traurige Lage schildern, sondern zu trachten, für jä»en einzelnen Fall die vernünftigste Hilfe zu finden. Heute ist 'die Stelle, von welcher -aus mmer geholfen wurde und an welche sich in erster Reche der bedürftig Gewordene wendet selbst arm gewvdren. Dieser Stelle, die allzeit bestrebt war, ihre ArmeNfürsorge in einwandfreier Weise auszuuben, müßten jetzt die begütert Gewordenen helfen, vor allem diejenigen, die selbst früher arm waren, durch die Mithilfe der Wiener Kultusgemeinde sich erhalten konnten urÄ heute' in der Lage sind, von chrem Einkommen einen entsprechenden Teil in danGarem Rückdenken für Avinenzwecke abzugeben. Die meisten Wohlfahrtsinstitutionen sind nahe ihrer . Schließung; was soll mit den Greisen, Krackten, Kindern und Jugendlichen geschehen, die in denselben verpflegt und erhalten werden; was soll das dort beschäftigte Personal beginnen, die vielen Aerzte, Pfleger, Lehrer und die Dienstleute? Alters- und Jugendfürsorge müssen der Zeit entsprechend organisiert werden, Greise, Sieche und, Kinder hungern und werden in diesem Winter frreren müssen, wenn nicht Vorsorge für ihre Erhaltung baldigst getroffen werden kann. Aus aller Welt. In München bangt das Judentum, mit ihm aber auch die schwache Regierung um ihre Existenz. Die' nationalistische Gefahr, . mit der sich eine Figur wie Ludendorff ideutifizirt, fft ungeheuer groß. In ausländischen, namentlich in englischen Zeitungen wurden namenlos übertriebene Berichte über Pogrome und Pogwmgesahren in Bayern verbreitet. Der Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde hat beschlossen, mit Rücksicht aus die großen Bedürfnisse, die in nächster Zeit zu befriedigen sein werden, eine einmalige Anleihe von 150 Millionen 33latf auifzunchmen. * » * Dort Nationalsozialisten, in Polen Rozwoybanden. Die neue Regierung Sikorski steht dem antisemitischen Terror nicht sonderlich eiuwairdsrei gegenüber. Die Antrittsrede des Ministerpräsidenten war unklar ulid zweideutig, Er beschuldigt die Juden, für „besondere Privilegien in der internationalen Presse" Stimmung zu ^machen. Die jüdischen Deputierten stimmten gegen Sikorski. Das Pariser „Journal" veröffentlichte. ein Interview mit Pilsudski. Dieser führte aus, er suche seit langem eine Lösung des jüdischen Problems in Polen, und glaubte schon oft, sie gesmrden zu haben, schließlich mußte er erkennen, daß es nach wie vor ungelöst sei. Bor Hunderten von Jahren bildeten die Juden, ein Elftel der Gesamtbevölkerung in Polen. Sie lebten in Eintracht mit den Polen und die Zahl der assimilierten Juden wuchs von Jahr zu Jahr.. Aber seit der Zeit, da ein Utas der zaristischen Negierung russische Juden nach Polen hinüberbrachte, bildeten sie ein Sechstel der polnischen Gesamtbevölkerung. Er frage sich immer, wie man einer Änsarnmlung der Juden auf polnischem Gebiete Vorbeugen könne, um so mehr, als die Juden ein Volk seien, ivelches mit den Polen konkurriere. ' * Die Petersburger Akademie der Wissenschaften wählte in ihrer letzten Sitzung Professor Albert Einstein zum Ehrenmitgliede, der . übrigens dieser Tage ick Begleitung seiner Gattin in Jerusalem eingetrvffen fft. Trotzky in Moskau hat sich von seiner Mischen Frau geschieden und hat eine weniger revolutionäre christliche Dame geheiratet. « * rir Italien gibt keine Visen mehr an Bayern, da Italiener, als vermeintliche Juden, in München verprügelt worden sind. Dr. Fertlowitsch bereiste die Äalienischon Städte, um eine Unterstützungsäktion 'für die Falaschas zu «arrangieren, zu denen er sich vorige Woche mit Unterstützung eines amerikanischen Komitees zum fückftenmall begäb. " ... , - ^Die kommunistische Gruppe in Palästina läßt ein Flugblatt in jiddischer Sprache erscheinen, das sich gegen die englische Okkupation in Palästina ausspricht und die englische Behörde auffordert, sofort das Land zu verlassen. — Die Wahlen in die pallästinenstsche GÄveeLschaftskonserenz erbrachten einen durchschlagenden Erfolg der radikalen „Achduch Haawodvh" und eine Niederlage der gemäßigten „Hapoel Hazair". « - * Der Oberrabbiuer der Türkei hat an Mustafa Kemal Pascha ein Telegramm gerichtet, in welchem er dom türkischen nationalen Führer für die Unterstützung und den Schutz der jüdischen Bevölkerung dankt. - * « Das Problem der Judensiedlung in Mexiko ist nach den Feststellungen prominenter Stellen tot und begraben. «Judex. 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