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Die Wahrheit · 1923-02-01 · Heft 3 (1.2.1923) · page 18

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 3 (1.2.1923)
Date
1923-02-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 18 D i e Wahrheit Nr. 3 TrGuL entrichtet. Weftöftliche Art war in Max Nordau glücklich -gemischt, gab seinem Geiste die kritische Schärfe und die Lust des Protestes gegen Unrecht und Unwahrheit. Die manche andere kam er von der Wissenschaft zur schönen Literatur, aber auch in dieser sprach der Gelehrte, der Forscher und Denker zur weiten Oesfentlichkeit. Mit Theodor Herz! bildete Max Nordan -das Doppelgestirn am zionistischen Himmel. An die ruhmvollen Namen knüpften die Zionisten ihre Foffdentngen und Ambitionen. Bon dem alle Schranken überspringenden Enthusiasmus Herz-ls war der ältere Kampfgenosse frei, namentlich in der letzteren Zeit erkannte feine unbeirrbare Urteilskraft die eigenartigen Wandlungen des Zionismus, die Bvranstellung des BersönUchen, die Gefahren der Schismen, die besonders nach Sans Remo drohten.?Us Max NorÄau, dreinndfiedziafährig. die müden Augen schloß. war die bsoirweibe Blume südischer Romantik für ihn schon lange entblättert. . Todesfälle. Ern trauriges Verhän-gnis Hw es gefügt, Daß Die letzte Nummer der „Wahrbt-it" zuoleich mit der Schilderung der wurdiaen Festlichkeiten zu Ebren des 70. Geburtstages des H^rrn Oberrnbbiners Dr. W. Reich in Baden die Nachricht vvm .dinscheiden des Bruders desselben bringen mußte. Herr Rabbiner Pros. Heinrich Reich der vor fünf Jab reu inmitten seiner Gemeinde Wieden—Margareten seinen 70. Geburtstag feiern konnte, ckt nach lanaener. schwerer Krankbeit, die ibn nach fall bOiäbriaer Seelsoroertätiakeit seit einem halben Iabre von der Ausübung seines Berufes iernbielt, gestorben. Gin geistreicher Mann ist mit ibm geschieden, der nebst vrofunder Talmudkenntnis auch in vrnfanerv Wissenschaften nntnnvrechen wußte, ein ausgezeichneter Dialektiker, denen Predigten die Hörer stets mit Aufmerksamkeit felgten. Er entstammte der bekannten Rabbinerfamilie „Kovvel Charif". die eine große Anr.abl bedeutender gelebrter Rabbiner ibren Mitaliedern ^äblt; schon als Kind hatte er so Gelegenheit, jüdischen Geist und wahrhafte Religiosität kennen zu lernen. In jungen Jahren bat er es durch seinen Scharfsinn, der von einem ausgezeichneten Gedächtnis unter-. stutzt wurde, verstanden, die Anerkennung bedeutender Talmud gelebrter zu finden, wie er auch sväter in Bonyhad, wo er nach kurzer Tätigkeit in Nadasd und Wieselburg nebst seinen rabbinischen Funktionen eine Talmrdschule leitete, eine große An za bl gelebrter Jünger heranbildete. Nach längerem Wirken in der seinerzeit großen, jüdischen Gemeinde Boskowitz kam Reich nach Floridsdorf und wurde von dort nach kurzer Zeit als Rabbiner des Temvelvereins füp die Bezirke Wieden—Margareten berufen, in dessen Mitte er nun mehr als 25 Jahre gewirkt bat. Auch als' Professor an Mittelschulen betätigte er sich und eine große.Anzahl von Schülern wird ibm, dem nie strengen, immer hilfsbereiten Lehrer ein treues Andenken bewahren. Er entfaltete auch eine reiche literarische Tätigkeit und mehrere seiner Werke, darunter Kol Iebuda, setzen sich machtvoll für einen Ausgleich der verschiedenen im Judentum lebenden Schattierungen .ein. Als Oberhaupt einer zahlreichen Familie war sein Leben nicht immer frei von materiellen Sorgen; schmerzliche Schicksalsschläge, die ihm Familienmitglieder entrissen, blieben ihm leider nicht erspart. Die besondere Wertschätzung, die sich der "nun Verblichene zu erwerben wußte, bekundeten sich in Der regen Beteiligung seiner Amtskollegen und seiner Gemeindemitglieder an seinem Leichenbegängnisse und in den an seiner Bahre gehaltenen Nachrufen. Herr Rabbiner Dr. Mehrer, der den nunmehr .Verstorbenen während seiner Krankheit vertrat, gab in mit treffenden Passukim gezierter Rede ein getreues Bild des Verblichenen, Den er als Gelehrten, als Seelsorger, als Lehrer und zärtlichen Gatten und Vater pries. Nachdem Herr Rabbiner Dr. Grunwald in Vertretung Des Rabbinerverbandes und Herr Rabbiner Dr. Bauer namens der Professorenvereinigung Abschied von dem Kollegen genommen hatten, wies Oberrabbiner Reich aus Baden auf die schon in jungen Jahren ausgeprägten geistigen Fähigkeiten seines Bruders hin und entwickelte in markanten, oft von Rührung übermannten Worten desien Lebenslauf. Nachdem noch der Ehrenpräsident des Tempelvereines IV. V. Herr Adolf Hofmann in schlichten, zu Herzen gehenden Worten dem Verblichenen den Dank der Gemeinde gesagt und ihm ein ehrenvolles Angedenken zugesichert hatte, wurde nach Bortrag der rituellen Gesänge durch Herrn Oberkantor K a u fmann und Herrn Kantor Bassel der Tote der Erde übergeben. Der schmerzgäeugten Familie drückte namens der Kultusgemeinde Herr Vizepräsident Dr. Friedmann, namens des Vereines der vollzählig versammelte Vorstand das tiefgefühlte Beileid aus. — Unter großer Beteiligung der tiefbetrübten Verwandten und Trauergäste wurde Donnerstag, den 18.. v. M., der wegen fernes trefflichen Charakters in weiten Kreisen bekannte Verwalter des Rothschildspitales, . Herr Dr. Markus Koranyi, der 36 Jahre im Dienste Der Kmltusgemeinde segensreich gewirkt hatte, zur ewigen Ruhe bestattet. Der Hingeschiedene war als Sekundavarzt ms RolhschilDspital gekommen und hatte es durch seine Tüchtigkeit verstanden, die Dortige Verwalterstelle zu erringen' und, gestützt auf seine große Beliebtheit, sie Durch lange Jahre innezuhaben. .Diese Beliebtheit zeigte sich in der großen Anzahl Der Leidtragenden, welche ihn zu Grabe geleiteten. Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang widmete dem Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf, in welchen sein edles Wesen und seine hervorragenden Charaktereigenschaften hervorgehoben wurden. Am Grabe sprachen namens Der Kultusgemein-de Präsident Generalstabsarzt Dr. P i ck, namens -der Aerzteschaft Prof. Fleischmann Worte des Abschiedes. Der schwergeprüften Witwe Frieda Koranyi. den Kindern Grete Koranyi und Anny Krön seid, Der Schwester Helene Goldstern wendet sich die Teilnahme aller fühlenden Menschen zu. Trauerseier. Mittwoch, den 3. v. M., fand rm Gemeindetempel, Wien, 16. Bezirk, Hubevgafse, eine Trauorandacht für den verstorbenen Obmann S. Weitzmann statt. Im Gotteshause, welches schwarz draperrert war, hatte sich ein zahlreiches Publikum einqeftlujben, unter anderen der Gosämtvorstand «des Bethauses, Der Präsident Der israelitischen KultttsFemeirtdd Prof. Dr. Alois Pick, Sekretär.Guido F u ch s a e I f>, Abordnungen verschiedener L>uman itätsvereme, der Obmann der Ottakringer Chewra Kadischa Mndizinalrat Dr. Jakob Deutsch und viele Vorstandsmitglieder. Rabbiner Dr. Bach hielt eine ergreifende Trauerrede, die am alle Anwesenden tiefen Emdruck machte. Oberkantor K o g a n versah die Trcmergesänge mit dom Tempelchor und HarmoMumbegleittmg in meisterhafter Weise. Predigt. Freitag, den 2. d. M., halb 5 Uhr, findet im Großen Leopoldstädter Tempel eine Predigt Sr. Chrw. Herrn Rabbiner Dr. Max Grunwald statt. Fernsprecher. O. R. Wie Sie an erster Stelle der vorliegenden Nummer wohl ersehen, haben wir uns mit der Angelegenheit eingehend bebaßt. und zwar weit früher als nach Erhalt Ihres Schreibens. Daß dem „Kampsausschutz" auch der Deutsche Schulverein angehört, ist uns nicht entgangen. Dieser ist eine so rassenreine Körperschaft geworden, daß man die Juden, besonders nach dem Rummel der Prager Studenten, nicht auffordern muß, sich von dieser Pflegestätte des Antisemitismus ferne zu halten. Die Jngerenz der Kultmsgemeinde gehört in ein anderes Kapitel. Was möglich, ist bereits vor Wochen durch die vielbesprochene Audienz geschehen. Es war leider ein Schlag ins Wasser. Dr. L. M., Neutitschein. Der Druck Ihres interessanten Artikels kann noch immer nicht erfolgen, da die leidige Polittk jetzt besonders die Spalten unserer Zeitschrift füllt. Austritte aus dem Judentum. Reiß Frieda, geb. 25. Oktober 1893 in Wien, 2. Bez., Kleine Sperlgasse 8., — Stein Johann, geb. 7. Dezember 1889, Beamter, 17. Bez., Daubergasse 56. — Stein Lisa, geb. 6. Dezember 1894 in Wien, Beamtin, 17. Bez., Daubergassc 56. — Taster Viktor, geb. 8. Mai 1878 in Wien, Kaufmann, 1. Bez., Rathausstraße 18. — Tarwinsky Georg, ged. 10. November 1861 «in Brzezany, Apotheker, 8. Bez., Hernalsergürtel 4. — Weiß Markus, geb. 9. August 1877 in Wien, 2. Bez., Wolfgang Schmelzgasse 5. Mandi Frenkel, geb. 11. März 1908 in Braila, Schüler, 13. Bez., Auhofftraße 66. — Olaf Fürst, geb. Kohn, geb. 22. März 1888 in Wien. 9. Bez., Pfluggasse 8. — Josef Götzl, geb. 2. Juni 1916 in Wien, 2. Bez., Große Mohrengasse 32. — Josef Goldberger, geb. 3, Juni 1891, 6. Bez., Linke Wienzeile 158. — Selma Hirsch!, geb. Radiwill, geb. 19. Februar 1809 in Wien, 9. Bez., Berggasse 29. — Samuel Holz, geb. 6. Dezember 1880 in Brodh, Automonteur, 9. Bez.. Glasergasie 24. — Risa Kitterplan, geb. Weiß, geb. 30. Juli .1831 in Wien, 3. Bez., Oetzeltgasse 10. — Elsa Knöpflmacher, geb. 15. Juni 1907, 13. Bez., Aichofstratze 78a. — Karl Michael Koch, geb. 22. Dezember 1893, Hochschulasfistent, 13. Bez., Hütteldorferstraße 357.

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