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Die Wahrheit · 1923-02-01 · Heft 3 (1.2.1923) · page 16

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 3 (1.2.1923)
Date
1923-02-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Geite 16 Die Aa hrh eit 8MSD Vermischtes Neue Bestimmungen für die Kultussteuerlelstung. Seitens^ der iiraelitischen Kultusgemernde wird mitgeteilt: Mit Zustimmung des Wiener Magistrats als politische Landesbehörde haben vom 1.- Jänner 1923 angesangen neue Bestimmungen für die Kultussteuerleistrmg Geltung. Hiernach ist — wie auch früher schon — zur Zahlung einer Kultussteuer jeder Angehörige der Gemeinde, welcher ein eigenes Vermögen, einen Erwerb oder ein Einkommen besitzt, ohne Unterschied des Alters, des Geschlechtes und ohne Rücksicht auf Dispofitionsfähigkeit verpflichtet. Die Kultussteuerpslicht eines Angehörigen der Gemeinde beginnt mit dem 1/Jänner des dem Eintritte in die Steuerpflicht nächstfolgenden Verwaltungsjahres. Von dem Eintritte der die Ste-uerpflicht begründenden Verhältnisse Hat der Gemeindeangehörige vor Beginn seiner Kultus steuerpflicht dem Kultusvorstände die Anzeige zu erstatten. Unterbleibt diese Anzeige, so stick — sobald die Kultussteuerverpflichtung des Gemeindeangehörigen anderweitig zur Kenntnis gelangt — von den hiezu berufenen Organen der Kultusgemeinde zu den für abpekmfene Verwaltungsjahre nachträglich zu bemesfenden Kultussteuern Zuschläge bis zur Höhe von 25 Prozent der Kultussteuerbeträge vorzuischreiben. Die Bemesiung der den einzelnen Kultussteuerträaern aufzuerlegenven Kultussteuer erfolgt.in der Regel alljährlich für das betreffende Verwaltungsjahr. Der niedrigste Kultussteuerfatz ist für das Jahr 1923 mit K 2500.—, der höchste Kultussteuersatz mit X 5,000.000— bestimmt. Die Kultussteuer ist im Laufe des Monates Jänner ganzjährig im vorhinein, und zwar, solange sie nicht neu bemessen wurde, mit dem Betrage des Vorjahres zu entrichten. Die neubemesiene Kultussteuer ist birmen dreißig Tagen, vom Tage der Zustellung des Zahlungsauftrages gerechnet, abzüglich der etwa geleisteten Voreinzahlung zu entrichten. Die Nichteinhaltung der Zahlungsfrist für die Kultussteuer hat die Zahlung von Verzugszinsen zur Folge. Den statutarischen Rechtsmitteln der Vorstellung und der Reklamation kommt eine aufschiebende Wirkung in bezug auf die Verpflichtung zur fristgemäßen Bezahlung der Kultussteuer nicht zu. Die p. t. kMussteuerpflichtigen Gemeindemitglieder, welche bisher nicht in der Evidenz als Kultussteuerzahler geführt wurden, werden gemäß den neuen Vorschriften ersucht, behufs Vermeidung nachteiliger Folgen Namen, Berus und Wohnungs-, event. auch Geschäftsadresse dem Steueramte der israelitischen Kultusgemeinde, 1. Bezirk, Seitenstettengasse 2, 3. Stock anzuzeigen. Es bleibt hiebei freigestellt, gleichzeitig auch andere für die Kultussteuerleistung relevante Daten dem Steueramte bekanntzugeben. Das Steueramt hat über die erstattete Anzeige eine Bestätigung auszufolgen, welche als Nachweis der erfüllten Anzeigepflicht dient. Das Komitee zur Sanierung notleidender israelitischer Wohlfahrtsanstalten Wiens erhielt vom Präsidium der Wiener israelitischen Kultusgemomde folgendes Schreiben: Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde nimmt den Abschluß eines Jahres Ihrer verdienstvollen Tätigkeit zum Anlaß, sämtlichen Mitgliedern Ihres verehrlichen Komitees für die aufopfernden, erfolgreichen Bemühungen im Interesse der Wohlscchrtsanstalten unserer Gemeinde den besten Dank auszusprechen. Der zielbewußten Tätigkeit Ihres Komitees und seiner einzelnen Mitglieder ist es zum großen Teile mitzuberdanken, daß - das Interesse der wohlhabenden Glaubensbrüder für unsere notleidenden Anstalten wachgerusen und Mittel ansgebracht wurden, mit Hilfe welcher den Pfleglingen unserer wichtigsten Fürsorgeanstalten, namentlich des Spitals, des Versorgnngshauses, der Siechenanstalt, dem Taubstummen- und Blinden-Jnstitut eine Verbesserung ihrer Lage verschafft wurde, die ohne diese Zuwendungen nicht möglich gewesen wäre. Mit den besten Wünschen für eine weitere. erfolgreiche Tätigkeit zeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung Der Präsident: Prof. Dr. Alois Pick. Verein der Freunde des großen Leopoldstadter Tempels. Mittwoch, den 17. Jänner, fand im Restaurant I. Nagel (Hotel New-Dort) eine Propagandaversammlnng unter Vorsitz des Herrn Obmannes Dr. Eduard T h a l e r statt. Im Rahmen eines Vortrages über „Jüdische Komponisten", der sehr beifällig aufr.~' .-,*35 genommen wurde, sprach Vizepräsident Herr Kar! Schnitzer einleitend über die Musikliebe der alten Hebräer und erwähnte Beispiele aus unseren heiligen Schriften. Auf die modernen Komponisten, die dem jüdischen Stamme entsprossen sind, von denen jedoch einige, übergehend, referierte er über das Leben und Wirken v-on Bizet, Halevy, Offenbach, Mendelssohn-Bartholdy, Meyerbeer, Anton Rubin stein, Goldmark, Josef Brüll, S. Sulzer und dessen Sohn, Alfred Grünfeld und Korngold. Zum Schlüsse gab er im Zusammenhang'mit der „Hatikwah" der Hoffnung Ausdruck, daß in Jerusalem die Heimstätte dank dem jüdischen Genius ein-neues Zentrum der Weltkultur werden wird. Im Namen des Vereines und der zahlreichen Zuhörerschaft, unter der man viele Damen bemerkte, dankte Dr. E. Thaler!d-em Vortragenden. Protektor Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. M. Grunw a l d sprach über das Kapitel „Nächstenlisbe",. -das der rührige Verein ebenfalls in sein' Programm ausgenommen hat. Unter dem Eindruck seiner wirkungsvollen Rede-erfolgten spontan größere Spenden. Aktion zugunsten dex ungarischen riumsrus elsusuZ-Studenten in Men. Es liegt uns ein Schreiben aus dem Grinzinger Studentenheim des jüdischen Hocbschulausschusses vor, -das der Menschheit ganzen Jammer in ergreifenden Worten atmet. Schon das Wort „Heim" mutet wie grimmig bittere Ironie an, wenn man die Schilderung der Zustände in diesem jämmerlichen Bretterban liest. Unter dem zerstörenden Einflüsse der; Elemente droht das Notdach sei',len Bewohnern mit Einsturz. Fünfundzwanzig junge Menschen hausen zwischen dicken Holzwänden, der Kälte und jeglicher Kulturentbehrung preisgegeben. Sogar des Lichtes müsien die Aermsten entbehren, weil.die Rechnung hiefür nicht ausgebracht werden kann. Und wie leben diese Märtyrer der politischen und gesellschaftlichen Weltordnung? Tagsüber suchen sie vor 'des Winters Unbill' Schutz in Mbliothekräumen, Lesehallen und ähnlichen Orten. Aber der unbarmherzige Stachel des Lebens treibt, sie an zu verdienen, wenn sie nicht verhungern wollen. Die als Privatlehrer einigermaßen Erwerb finden, sind noch beneidete Glückliche. Andere haben Aushilfsarbeit als Adressenschreiber, Filmstatisten, sogar Gepäckträger finden sich unter diesen Hochschnlern. Sie darben, sie entbehren, sie frieren, ein zerrissenes Hemd wird ihnen zum Verhängnis, ein geborstener Schuh zur Katastrophe und trotzdem — sie studieren eifrig, rastlos, um ihr Ziel zu erreichen. Mit Bewunderung erfüllt uns diese ungebrochene Willenskraft der jüdischen akademischen Jugend. Zur Bewunderung muß sich aber die großzügigste Hilfsbereitschaft gesellen. Wohl bringt der jüdische Hochschulausschuß mit Anspannung aller Kräfte die größten Opfer für diese Unglücklichen, die Ausgaben an die Mensa allein fordern täglich eine Million Kronen, wohl ist unser Hilfskomitee ihnen mit beträchtlichen Spenden beigesprungen, wohl hat die Kultusgemeinde St. Pölten bei ihren Mitgliedern zugunsten der beklagenswerten jüdischen Studenten über eine Million Kronen gesammelt und setzt in rühmlichster Weise ihr Licbeswevk fort. Das leuchtende Beispiel der St. Pöltener sollte und müßte allen ein wufmunterndes Vorbild sein. Hier gibt es für die Judenschast allerorten eine Ehrenpflicht zu erfüllen, eine Ehrenschuld zu bereinigen. An die Größe dieses himmelschreienden Elends muß die Größe jüdischer Nächstenliebe hevanreichen. Gerade in den Tagen saisongemäßen Fröhlichkvitsrummels, dem auch viele unserer Glaubensgenossen fröhnen, sei dieser Mahnruf dem Gewisien der Besitzenden eingehämmert. Generalversammlung der „Woja". Samstag, den 6. Jänner, fand in den Räumen der Mittelstand skü-che, Griechengasse 3, die erste ordentliche Generalversammlung der „Woja" statt.. Der Präsident der „Woja" Gemeinderalbibiner Dr. M. Rosenmann eröffnete dieselbe und erstattete den zweijährigen Tätigkeitsbericht. Diesem war zu entnehmen, daß die „Woja" am 26. Jänner 1921 ans den Trümmern der nach -kunzer Lebensdauer zngruNde gegangenen „Wif" entstanden war. Die ,Woj-a" >h>a!be einen ungeahnten Aufschwung genommen. Sie wurde-mit 16 Mitgliedern begründet und zählt jetzt über 2100. Als der „Joint" die beiden MittelstandsMchen „Roßauer-Kaserne" und „Griechengasse" im Juni 1921 auflassen sollte, war

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