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Die Wahrheit · 1923-02-01 · Heft 3 (1.2.1923) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 3 (1.2.1923)
Date
1923-02-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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«M s Wahrheit Nr. 3 der aMsenvitischen Bewegung in ganz Mitteleuropa. Alle reaktionären Elemente, A!onarchisten und Klerikale bedienen sich der Judenhetze als -des Sturmbocks für ihre dunklen Zwecke. Die Vorgänge an der Universität, die Forderung nach dem Numerus clausus, die Bersammlnrrgen und Aktionen der Hakenkreuzler und Frontkämpfer beweisen, daß die Juden Oesterreichs sehr ernsten Zeiten entgegengehen und daß zur Abwehr dieser Angriff auch die Schaffung einer jüdischen Einheitsfront unerläßlich 'sei. Die „Union" sei bereit, alle Bestrebungen zum Wiederaufbau Palästinas zu fördern, könne jedoch eine freiwillige Absonderung der Juden von der übrigen Bevölkerung dieses Staates nicht gutheißen. Redner forderte zum Schlüsse die Versammelten auf, der „Union" zahlreich beizmreten und durch die Wahl eines sechsgliedrigen Ausschusses die Ortsgruppe Baden zu konstituieren, lebhafter Beifall.) Es sprachen sodann die Zionisten Schwarz, Nebenzahl, Dr. K r a u s z und R a pp.a p o r t sowie Herr H o f b a u e r. Der von einem Redner erhobene Vorwurf, daß der Sekretär der „Union" während der Wiener Kultuswahlen die Ostjuden angegriffen habe, führte zu einer kurzen scharfen Auseinandersetzung, in. welcher Sekretär Fleischer die vollkommene Haltlosigkeit dieses Vorwurfs nachwies. Zum Schlüsse wurde die Bildung einer Ortsgruppe Baden beschlossen, und folgende Herren in den Ausschuß gewählt: Anton Schneider,- B. A f f e n k r a u t, Luis Lackenb a ch e r, Adolf Raab, Alexander S m e t a n a und E h r e n f r eu n d. Der Stellvertretende Vorsitzende Herr Lackenbacher schloß hierauf -die Versammlung mit Worten herzlichen Dankes an die Erschienenen. Aus der jüdischen Frauenbewegung. Bund jüdischer Frauen Deutschösterreichs. Dienstag, den 16. Jänner, hielt der Vorstand des „Bundes jüdischer Frauen Deutschösrerreichs" eine Sitzung ab, in welcher zunächst Fvau Direktor K u r a n d a kooptiert wurde. Zur Bizepräsidentin wurde Frau Justizrat Jenny Adler, zur Kassierin Frau Direktor K u r a n d a, zu deren Stellvertretern Frau Fränze B i s ch o f s w e r d e r, zur Schriftführern Frau Recha Theodör, zu «deren Stellvertrederin Frau Ernestine Schwarz gewählt. Die Präsidentin Frau Kadi sch machte die Mitteilung, daß bereits zahlreiche neue Mitglieder dem Bunde beigetreten und Beiträge in der Höhe von mehr als K 300.000 eingezahlt haben. Es wurde sodann itn die Besprechung des Attivnsprvgramms eingetreten. Im Verlaufe desselben trat die einheitliche Anschauung zutage, daß zunächst für vvrschulpflichtige Kinder und noch schulpflichtige Mädchen Fürsorge-Einrichtungen geschaffen werden müßten. In dieser Richtung entwickelte Msbesondeve Fvau Recha Theodor auf Grund ihrer Berliner Erfahrungen eine Reihe «dankenswerter Vorschläge, über welche der Vorstand nach Besichtigung des von Fvau Kanitz zur Verfügung gestellten Lokales in feiner nächsten Sitzung Beschluß fassen wird. ^»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»«»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»,»»»,»»»»»»»»»,»»« l Zur Beachtung!! I Mir ersuchen unsere geehrte« Mitglieder, Kej. | Lrüuuge« aus die ..M ahrheit"uu die Adruiuistratto» - r de» K Latte». U., HeineftraSe 18 (Postspart astrnkouts : | Mr. 100.018) mit dem Vermerk: „M. d. M." Mit- I s glied der Hlsiou), §» richte«. \ | Mir ersuchen dringeud um Sprude» Mr de» » * preKfoud, »eiche an «user IeutreÄLro. IX., Werg- : | gchf« 4, geleitet »erde» «olle«. j L r M Wahrheiten vom Tage Karneval der Wiener Völkischen. Es ist jetzt die Zeit der heidnischen Saturnalien. Während in Deutschland der Reichskanzler dem furchtbaren Ernst der Lage entsprechend jede Lustbarkeit verboten hat, -bleiben die Wiener ihrem Grundsatz: „a Hetz muß sein", trotz Not, Elend und Sorge treu. Unzählige Lokale sind Tempel des Bacchus und der Venus. Mummenschanz ist das Gebot «des Tages und der Nachte. Auf diesen Ton gestimmt war die große Antisemitenparade des 21. Jänner vor dem Rathause, zu der alles aufgoboten wurde, was zur Fahne der Reaktion schwört. Schon am Samstag vorher hatte die „Düutschvsterreichische Tageszeitung" den kommenden Dingen einen doppelseitigen Aufruf getbidmet, der bei ihren Lesern Pogromstiminung machen sollte und mit dem wir uns an leitender Stelle befassen. An dem guten Willen der Demonstranten lag es nicht, wohl aber an den Maßnahmen der Sicherheitsbchörde, wenn die Maskerade der v«ereinigten Frontkämpfer, Hakenkreuzler und Studentenschaft ohne schwere Ruhestörungen verlief. Es bleibt eine unanfechtbare Wahrheit: Die Deutschen fürchten Gott und die Polizei. So wie die einstigen berühmten Narrenabende des Wiener Mämrergesangveröines ihre heiteren Torheiten unter einer Devise abhielten, mußte diesmal die Parole Numerus clausus zu fröhlichem Tun des judenfeindlichen Heerbundes dienen. Sein Faschingsfeft ist genügend charakterisiert, wenn wir sagen, daß «ein Jndividium wie der abgetakelte K. H. Wolf die Regie des Ganzen, in Harnen hatte und andere Schiffbrüchige des politischen und sozialen Lebens wie die Millenkovich und Jerzabek — diese Namen allein ainrer: reines Germauentnm — als Helfer mitwirkten. Der historischen Wahrheit zuliebe soll nicht verschwiegen werden, daß in den Reihen des Hakenlrsuzzuges auch zahlreiche , stehend Getaufte" marschierten und sich am strammsten judengegnerisch gebärdeten. Wenn die ganze Chase nicht gar so betrübend schamlos wäre, man könnte sich an solchem Fafchingsulk ergötzen. Jüdische „Reichspost"-Komplizen. Es ist ein Schauspiel für antisemitische Götter, wenn Leute wie der Genosse Austerlitz und der Herr Rat Cohn alias Co-lbert in ihren Preßorganen sich am Judentum reiben. Vielleicht entsteht aus solchem «Gehaben wieder einer jener ergötzlichen Federkriege zwischen den beiden Edlen, wie ihn bereits des öfteren der Konkurrenzneid entfesselt h«at. Bei aller wohlwollenden Neutralität, die uns in solchem.Falle zur Pflicht würde, möchten wir heute doch vorweg «erklären, 'daß sich der Herr. Rat gegenüber dem Genossen ins Unrecht gesetzt hat, weil er letzterem sein durch Gewohnheitsrecht erworbenes Privilegium auf Judenschmähung streitig macht. Es sieht bedenklich nach geistigem Diebstahlausj wenn der jüngere Rat dem älteren Genossen die öden Ein- und Ausfälle -bezüglich der Solidarität des Kardinals mit dem Rabbiner in der Leichenverbrennungsfrage nachdruckt, und das Delikt wird nicht »dadurch entschuldbarer, wenn der eine dem anderen die Ideen durch ein Bildl „Arm in Arm mit dir, fordere ich unser Jahrhundert in die Schranken" anschaulicher zu machen sucht. Die. strammen Wiener Christlichsozialen und Deutschnationalen lassen den .Juden gewiß oft und gern tiefe Gehässigkeit empfinden, aber nach der religiösen Seite würden sie nicht ausfällig. Die Mischen „Reichspoft"-KompliGen «haben den traurigen Ruhm, daß sieden Doktor Funder noch überfundern. Drei Gerechte. Am 6. und 7. v. M. war in Saaz der Reichsparteitag der deutschdemokratischen .•73

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