Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 3 (1.2.1923)
- Date
- 1923-02-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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frifeux Wilhelm Lang, Aichstraße 1, Institut für Optik, Elektrotechnik und Photographie Albert Hauber, Universitatsst-vaße 3, Porzellan- und Staingütwaren Bücher, Alg e L Eo inp., Maximilianstraße 11. — Me Jnserentenliste der Probenummer war weit langer, aber einige Firmen haben in der Empfehlung durch das Hakeukoeuzblatt doch schon ein Haar gefunden. Ganz besonders auffällig ist das Inserat des Bcchnhofrestaurateurs Sommer, der als.Pächter eines Staatsbetriebes alle Ursache hatte, sich von jeder konfessionellen und nationalen Hetze fernzuhalten. Der große Klimbim der Hakenkveuzler, Frontkämpser und Ehristlichsozialen gegen die Juden ist NiUN vorüber. (Während . im N-athaufe der abgetakelte teutonische Sittenapostel K. H. Wolf, der Kroate M i t t e n k o v i ch und der Tscheche I e r z a b e k zum heiligen Kriege der Deutschen gegen die Juden hetzten, berieten nebenan die Rektoren aller Hochschuten gemeinsam mit den antisemitischen Studenten, wie dem Gesetze ein Schnippchen geschtagen wenden könnte, um Deu Numerus clausus für jüdische Hochschullehrer und Studenten eiuzusühren. An dieser letzteren Beratung nahm auch der Blzetanzler und Bundesminister für Inneres, Dr. Frank, teil, um so aller Wett zu dokumentieren, dag die Regierung des Herrn Seipel aus die Mitwirkung der Juden zur Ausbringung der Saniernngsanleihe verzichten wolle. Im brathause verlangte Herr Hofvat Miltenk v v i s ch, daß dre Juden als e i g e n e N a t i o n in Oesterreich anerkannt werden, und daß'dann auf sie die P r o z e n t n o r m angewendet werde. Das ist die brache, die dieser edle Kroate an der Wiener Judenpresse übt, weil sie seme Burgtheater-Direktion nüt Riecht ats die unfähigste und ödeste gebrandmarkt hatte. Geistreich, wie er sich von jeher erwiesen hat, schoß qr aus die Juden den „T^tschipseil" aö, indem er sie auf eine Stufe mit den Fidschitnsulauern stellte, wogegen der Tscheche Jerzabök als Herold der Bodenständigkeit des Wiener. Antisemitismus auftvat. Das erhebende Bild der beiden Versammlung wurde ' dann noch durch einen Demonsträtionszug über die Ringswaße verstärkt. Die praktische Durchführung der angenommenen Entschließungen wird den Herren noch viel Kopfzerbrechen machen. Die Lehr- und Lernsreiheit ist in Oesterreich staatsgrundgesetzlich geschützt und auch die Anerkennung eiuer jüdischen Nation kann nur im Wege einer Verfassungsänderung erfolgen. Dazu bedarf es jedoch einer Zweidrittel-Majoritat, welche nach den gegeiuuditigen und wohl auch künftigen. Parteiverhältnissen in Oesterreich nicht zu haben ist. Daß aber Mitglieder der Regierung an solchen Hetzereien gerade im jetzigen Moment, wo Oesterreich vor der Frage des Seins oder Nichtseins steht, aktiven Anteil nehmen, wird im Auslande gewiß nicht unbemerkt bleiben. Eine jüdische Einheitsfront. Am 20. v. M. hat aus Einladung der Wiener Kultusgemeinde eine Beratung von Vertretern aller jüdischen Organisationen, ohne Unterschied der. politischen Parteisrellung, stattgefunden, in welcher angesichts der zunehmenden antisemitischen Agitation die Einsetzung eines - „Vollzugsausschusses der ö st e r r e i ch i s ch e n Jude n" beschlossen wurde. Wir begrüßen diese Einigung mit lebhafter Genugtuung!?sr oodUe krstnun. Im deutsch-völkischen Kampfausschusfe sitzen die Herren K. H. W o l f und Dr. Walter Ri eh l brüderlich, vereint. Herr Wolf eröffnete die Versammlung am Sonntag mit einer Trauerkundgebung wegen des Einmarsches der Franzosen ins Ruhrgebiet. Dann sprach auch Herr R i e h l, der seine Schlagworte und wohl noch anderes von den bayrischen Nationalsozialisten bezieht, deren Führer der einstige Schlossergehilfe H i t ler ist. Am 4. Dezember hat nun Hitler eine össent- * tiche Rede gehalten, in der er wörtlich sagre: „Die Republik hat sich als unfähig erwiesen . . ., besser, wenn die F ranzosen ins Land k o m m en". — Das ist doch dir Gipfel des Volksbetruges! „Wir Wilden sind doch bessere Menschen". Die unter dem Vorsitz des Unterrichtsministers A n g h e l e s c u in Bukarest abgchaltene Konferenz der Rektoren und Dekane aller rumänischen Unioersttäteu hat die Einführung des Numerus cläusus für jüdische Studenten rumänischen Staatsangehörigkeit a b g e l e h n t. Dag!egen hat die Konferenz beschlossen, >daß die Ausnahme von Ausländern nur nach Maßgabe des Raumes stattsinden soll. — Es ist doch ein erhebendes Bewußtsein, daß wir in Oesterreich schon hinter der „wilden Wallachei" zurückftehen müssen. Die Ausgabe der Deutschen in Oesterreich ist es bekanntlich, „Kultur nach dem Osten zu tragen". Mitteilungen aus dem Zentralvorftand. Für unseren Pretzfonds sind weiters singegangen von oen Sperren; Sigmar nr Kornmehl K 50.UU0, Philipp Sp n a » K 10.ÜÜU, Brüder Wellisch bi. 10.000 und vom Prager Kohlenoerein K 15.000. — Wir bitten dringend um weitere Zuwendungen! Aus unseren Mitgliedschaften. Ortsgruppe Baden. Sonntag, den 14. Jänner, hat in Baden bei Wien eine überaus zahlreich besuchte Versammlung der Mitglieder der dortigen Kulvusgemeinde stattgesunden, in welcher die Konstituierung der - neuen Ortsgruppe Baden der Union deutschöfterveichiijcher Inden vorgenommen wurde. Nachdem Herr Anton Schneider den Vorsitz der Versammlung übernommen halte, ergriff zunächst Un-ioersitätsprosessor Dr. König stein das Wort, um in einer formvollendeten Rede die Notwendigkeit des Ausbaues der „Union" zu begründen. Redner führte aus, daß die Begriffe „national" und „nationalistisch" einander nicht decren. „National" bedeuret Heimatgesühl, Liebe zum Heimatboden und zu jenem Staate, in welchem wir Juden mit den gleichen Rechten und Pflichten alle unsere Kräfte anspannen wollen, um den Wiederaufbau zu fördern und unseren Kindern ein gesichertes Dasein zu verschaffen. Für die nationale Empfindung könne nur das persönliche Bekenntnis maßgebend sein und sie schließe die Achtung vor den Angehörigen anderer Nationen nicht aus. „Nationalistisch" aber bedeutet das Bestreben nach Herrschaft, bedeute die Aufzwingung einer uniformen Gesinnung und den Kamps gegen andere Meinungen. Die „Union" habe ihren Rechtschutz jedem Juden ohne Unterschied irgend einer Parteiftellung oder einer rituellen Richtung zuteil werden lassen. Sie habe stets den Frieden und die Eintracht in der gesamten Jndenschaft erstrebt und auch die Schaffung einer Ortsgruppe in Baden bedeute nicht eine Kampfansage nach irgend welcher Seite hin. (Lebhafter Beifall.) Sekretär Fleischer entwarf ein anschauliches Bild .der ungeheuren Arbeit, welche die „Union deutschösterreichischer Inden" seit 38 Jahren a-us dem Gebiete des Rechtsschutzes geleistet hat. Von den mehr als fünftausend Fällen, die in dieser Zeit behandelt wurden, entfallen 90 Prozent aus Galizien, ein Beweis, daß wir nie einen Unterschied zwischen Ost- und Westjuden gemacht haben. Redner verwies auf das mächtige Aufflammen