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Die Wahrheit · 1923-02-01 · Heft 3 (1.2.1923) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 3 (1.2.1923)
Date
1923-02-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Gerte 10 D i e Wahrheit Nr. S sind die Juderchetzer m OeftsrreiZch; sie zerstören unsere Staatsordnung, sie verwüsten die Möglichkeiten des wirtschaftlichen Ausbaues, sie schleudern den Feuerbrand in Las mühsam «rvichtsbe Gebäude >des Staates. Sie sind die wahren Hoch-uitd Landesverräter! Siegfried Fleischer. Die Frage nach der AassezugehörigKeit. In Oesterreich findet demnächst eine Volkszählung sralt. Das ist für die Antisemiten jeglicher Kouleur selbstverständlich ein Anlaß, um wieder ermnal die a s senfrage auszuvollen. Im sozialpolitischen Ausschüße des Nnttormlrates wurde von großdeutscher Seite der Antrag gestellt, in die Voltszählungsbogen eine Frage nach der Lnaffenzugehövigteit auszunehmen. Bei «den bisherigen Volkszählungen wurde, lediglich nach der U m g a n g ss p r a cy e gesvagt. Das war in Altöstevreich, wo 17 Nationen ldulcheumnder wohnten, volltommen berechtigt. Im tteuen Oejlevrech, welches einheitlich deutsch ist, halt« diese Frage teuren Smn. Aber noch unsinmger wäre eine Frage nach der „rllaffe". Die österreichiichen Gesetze kennen den Begriff der brasse nicht, er ist zum erstenmal durch eine ebenso falsche als perfide Auslegung des Artikels 80 des Friedensvertragsss durch die M-raister Dr. W a b e r und Dr. Frank in unser öffentliches Leben eing>eführt worden. Dieser Auslegung fehlt jede gesetzliche Begründuiig. Es fehlt ihr aber auch jede gesetzliche Grundlage, denn die Wissenschaft hat tätigst fejtgejrellt, daß die Begriffe „arisch" und „semitisch" nur sprachliche Bedeutung besitzen, daß seit dem Napoleonjischen Kriege in Europa eine ungeheure Völtervermischung stattgefuuden hat und daß es umer den Juden ebensoviele Langschädel, Blauaugen und Blond barte gibt, wie unter den Christen Rundschaddl, Krumumasen mrd Schwarz bürte. Die Adlernasen des Feudaladels unterscheiden sich in keiner Weise von den Hakennasen mancher Juden und in unseren Alpenländern findet sich massenhaft derselbe brünette Typus wie unter den „Semiten"". Man kann sich zu einer Sprache oder Nationalität aus Grund tatsächlicher Daten bekennen, das freiwillige Bekenntnis zu dieser oder jener „Raffe" kann jedoch keine geeignete Grundlage für eine konkrete Feststellung divzes schwankenden Begriffes bieten. In der Schule haben wir gelernt, daß es nur fünf durch biologische Merkmale von einander getrennte Raffen gibt: die weiße oder kaukasische Raffe, die rote oder indianische Raffe, die schwarze oder Negerraffe, die gelbe oder mongolische Raffe und die braune oder polynesische Raffe. Was würde ^dvr Herr Minister des Innern mit . einem Volkszählungsbogen beginnen, in welchem sich ein österreichischer Staatsbürger zur indianischen vder mongolischen Raffe bekennen würde? Die Juden gehören unzweifelhaft zur kaukasischen oder weißen Raffe und weder die Herren Riehl und Ierzabek noch die Herren Waber und Frank werden die Raffengemeimischaift mit den Juden los. Es ist ein aufgelegter Schwindel, wenn das Wiener großdeutsche Organ, die di>e Ausnahme der Rubrik „Raffenzugehörigkeit" in die Volkszahlungsbogen mit der Erklärung zu begründen sucht, daß durch dieselbe wissenschaftliche Raffenforschungen erheblich gefördert würden. Den Herren ist es nicht um die Wissenschaft, sondern um die Hetze zu tun. Ihre Wünsche werden nun freilich diesmal noch unerfüllt bleiben. Obwohl auch der Vizekanzler Dr. Frank auf diesem lächerlichsten Standpunkte sticht, so hat er doch, der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, den großdeutschen Antrag mit der Begründung abgslchnt, daß die Volkszählungsbogen schon an die Bezirkshauptmannschaften Gnmlsgegeben wurden. Er hat zu einem formellen Grund gegriffen, weil er einerseits die Ergebnisse der. Wissenschaft als gebildeter Mann nicht leugnen konnte, auf der anderen Seite aber nicht den Mut seiner Ueberzeugung hatte. Oesterreich wird also bei der nächsten Volkszählung noch vor dem Fluche der Lächerlichkeit bewahrt bleiben und bis zur nächsten Volkszählung hat es ja 10 Jahr« Zeit, sich die Sach« zu überlegen. Zeichnet Spenden für unseren Pretzsonds! Werbet Mitglieder für die „Union"! Abonniert unser Organ, „Die Wahrheit"! Gedenket bei Familienfesten, bei Testamentserrichtungeu, Spielgewinsten usw. unseres Rechtschutzbttros! Es kommen ernste Zeiten! Pfleget dm Opsersinn für unferm gemeinsamen Kamps! Aus unserem Rechtsschutz- und Abwehrbureau. Herr Haubenberger in St. Pölten. Wenn unsere Minister in 'antisemitische Hetzversammlungen gehen, warum sollte es dem subalternen Angestellten der Bundesbahnen verwehrt fein, die Leitung judenhetzerischer Organisationen zu übernehmen? Der Bundesbahn-Revident Leo Haubenberger in St. Pölten hat Me Stelle eines „vorläufigen" Gundesobmannes des „Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbnndes" übernommen und Zuschriften an -den Bund sind nunmchr an den genannten Herrn nach St. Pölten zu richten. Herr Leo Haubenberger ist uns. seit langem bekannt. Er „revidiert" nicht nur die St. Poltener Bundesbahnwerkstatten, sondern unter seinen Augen wurden in diesem staatlichen Unternehmen, ferner.auf dem Bahnhofe in St. Pölten und in der Stadt St. Pölten vor einiger Zeit auch maffenhaft Klebezettel mit der Aufschrift: „Hinaus mit den Inden!" angebracht, und die Bundesbahndirektion mußte über unser Einschreiten die Entfernung dieser Zettel verfügen, weil ja, wenn der fromme Wunsch des Herrn Hanbenberger in Erfüllung ginge, das Defizit der Bundesbahnen noch viel größer wäre, als es infolge des Ueberfluffes von Beamten, die sich vom Staate bezahlen lasten, um di!e Bevölkerung dieses Staates zu verhetzen, ohnehin schon ist. Herr Leo Haubenberger ist überdies ein eifriger Mitarbeiter des berüchtigten Leipziger Hetzblattes „Der Hammer". Glanbt die BmldesbahndireWon nicht, «daß dieser Herr reif für 'den Abbau wäre? Gegen die Hakenkreuzler. Die Mitglieder unserer Ortsgruppe Innsbruck sind von der Abwehr gegen die Hakenkreuz-Antisemiten zur Aktivität übergegangen. Das Tiroler nationalsozialistische Organ erhebt «in lautes Geschrei darüber, daß die jüdischen Kundschaften des Friseurs Wilhelm L a n g in der Aichstraße 1, der im „Nationalsozialist" inseriert, gegen denselben in Streik getreten sind. Auch die Fremden, die nach Innsbruck kommen, werden diesem Beispiele, folgen und sich die anderen Inserenten des Hetzblattes merken. Die Liste dieser Inserenten ist folgende: Mode- und Wäschehaus Hans Fiedle r, Burggasse 4, B a h nh o f -Ga ft.w irtschaft, Karl Mose r, Hauptbahnhof, Schuhmacher Hans H a r t l i e b, Müllerstraße 31, Wagner'sche ttniversitätsbuchdruckevei, Erlerstraße 5—7, Wiener Kondidwsi und Caf6 Erhärt & Comp., Museumsstraße 10, Caf6-Rsfdaurant „Max", Kammer-

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