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Die Wahrheit · 1923-02-01 · Heft 3 (1.2.1923) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 3 (1.2.1923)
Date
1923-02-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Nr. S Seite 8 Dir Wahrheit nung schöpfen dürfen, daß auch für die Kriege die Zeit zu schwinden beginnt. Vorläufig sind hiezu die Ltussichten noch recht schwache, wie die ersÄeste Lokalchronik täglich nur beweist. So lesen wir, — um mir ein Bespiel herauszuheben — in eurer der jüngsten Nummern der „Slovenski Narod" ans Krainbnrg, daß ein Bader seinen 16jährigen Sohn, den er schon wegen roher Behandlung ans dem Haufe getrieben hatte, als er ihn zufällig wiederfand, hinten an seinem Wagen mit Ketten anband, die Pferde sodann zum raschen Laufe antrieb und mittlerweile auch die Peitsche ihm zu kosten gab! Ob ähnliches bei der vielgsschmähten semitischen Rasse, über baren Verworfenheit so viel Tinte vergossen, und so viel gelchrttuende Untersuchung gesalbadert wird, auch nur denkbar wäre? Aus aller Welt. Stimmungsbild aus München. Infolge des Ueberhandnehmens des Straßenanvisemitismus in München und der Häufung der öffentlichen Terrorakte gegen jüdische Personen herrscht, unter der Atüuchenec ^uüenschaft eine Panik. Nachdem in den vergangenen Wochen vereinzelte jüdische Familien, aus Furcht vor dem Terrorismus, die Stadt verlassen hatten, hat in den letzten Tagen diese Fluchtdewegung beträchtlich Angenommen. Man-hegt, da gegen die Fremden'eine gereizte Stimmung aufgetommen ist, auch Befürchtungen wegen einer Zunahme der Terrorakte, die gegen die heimische jüdische Bevölkern gerichtet sein werden. Wie inan über die Dinge in München denkt, erhellt aus einer Kontraktklausel, die den Mieter einer möblierten Wohnung haftbar macht für jeglichen Sachschaden, der dem Hausherrn aus der Zugehörigkeit des Mieters zum jüdischen Glauben, erwachsen könnte. * Die «ungarischen Studenten läßt der Ruhm der deutschen Herren nicht schlafen. Vor kurzem wurden die jüdischen Hörer der tierärztlichen Hochschule in Budapest nach Beendigung der physikalischen Hebungen von einer Gruppe antisemitischer Studenten mit Stollen und Boxern überfallen. Als sie den hellerleuchteten Saal verließen, um in den finsteren Garten zu treten, fielen einige junge Leute über sie, die vollständig wehrlos waren, her; mit dem Rufe: „Bist du Jude?!" erzwang man ihre Ausweislelstung, und gleichzeitig wurden sie mit Stöcken bearbeitet. Die überrumpelten Studenten wurden zu Boden geworfen. — Tragische Szenen spielten sich in der Verhandlung gegen die Mörder des Großhändlers Landau vor dem Militärgericht a!b. Sein Bruder Salomo n Landau rief dem Angeklagten Michael Dansky zu: „Sie haben meinen unglücklichen Bruder gehängt. Sie sind ein gewöhnlicher Mörder!" Die Nichte des Ermordeten Helene Landau gibt an, daß ihr Onkel fortwährend über hie Quälereien, 'denen er seitens Dauskys ausgesetzt war, in herzbewegenden Worten klagte. Die Angeklagten erhielten natürlich nur geringfügige Strafen, die durch «die Untersuchungshaft als verbüßt betrachtet wurden. — Die ungarische Post- und DÄegraphendiroktion verbot die Beförderung von Drucksorten und Anzeigen mit hebräischen Lettern. *; sich zugezogen und der UnterriMsrninister der Dschöchoi Slowakei drohte mit Streichung des Wintersemesters. — Inzwischen folgt der Tragikomödie die reine Komödie. In dem deutschböhmischen Städtchen Hohenelbe sind jüngst die Gymnasiasten in Streik getreten. Sie verlangen in kategorischer Form den Rücktritt des Direktors, weil er Jude ist, und wollten gleichzeitig den Prager Krawallisten ihre Sympathie Lundgeben. * Wir verlautet, soll die Regierung in Polen nunmchr den Kampf gegen die Rozwoy-Organisation, die in letzter Zeit fast im ganzen Lande eine verdoppelte antisemitische Hetze und Boykottpropaganda gegen die Inden treibt, energisch aufnehmen. So hat über Auftrag des Innenministers der Regierungskommifsar der Stadt Warschau das vom bekannten antisemitischen Hetzer, dem Judentäufling Adolf Nowaczynski-Neuwert herausgegebene Hetzblatt „Mysl Narodowa" konfisziert. Eine Hausdurchsuchung in der Privatwohnung Nowaczynskis hatte zur Folge, daß er verhaftet wurde. Wie verlautet, hat man bei der Hausdurchsuchung om-promittierende Schriftstücke gefunden. * Die Rumänen, die sich gerne Romanen nennen und als Nachkommen der «alten Römer aufspielen, sind mit Antisemitismus erblich belastet. Bei ihnen hat die Forderung des Jndenschutzes, wie er im Berliner Vertrag formuliert wurde, so «wenig gefruchtet wie der faule Za>uder der neuen Minoritätenrechte. Es ist also nur folgerichtig, daß die Studenten in Alt- und Neurumänien ihren Brüd«ern «im übrigen Mitteleuropa nicht nachstchen, fie möglichst übetrumpfen Wollen. Sie greisen deshalb weit über ihre Interessensphäre hinaus. Sie verlangen" nicht nur d«en rmrnieims clausus für Lernende und Lehrende, sondern auch für Rechtsanwälte und' Offiziere! Ja, sie begehren sogar die Einstellung jüdischer Zeitungen, die sich freie. Meinungsäußerungen erlauben. Das angeblich liberale Ministerium steht all dem duldsam, vielleicht wohlwollend gegenüber «und der Völkerbund ist, wenn cs sich um Juden handelt, eine schöne Legende. * Wir lesen aus der französischen Kamme.r: Der Sozialist Blum protestierte gegen die ergriffenen Maßnahmen. In tosendem Lärm gingen seine Worte unter. Daudet titulierte den'Redner mit „I u d e!" Der Präsident mußte die Sitzung unterbrechen .... * In Amerika betreibt Henry Ford, der Multimilliardär und Judenfeind, auf eigene Faust seine Kandidatur für «die nächste Präsidentenwahl. Seine eifrigsten Wähler dürsten die Anhänger vom „Kti-Klux-Klan" werden. Richter Aaron Levy, der Vorsitzende «des Unabhängigen Ordens der Bnei Brith Abraham, der 200.000 Inden zu seinen Mitgliedern zählt, hat angekündigt, daß er die größten Anstrengungen machen werde, der Tätigkeit der Ku-Klux-Klan ein Ende zu bereiten. ' luäex. Zu einem Weltskandal war seinerzeit die Affäre des Rektors der deutschen Universität in Prag, Prof. St einher z, geworden. Die deutschen Herren, die über tschechische Vergewaltigung stets erbost, haben aller Welt gezeigt, wie unwert sie moralischer Unterstützung find; sie halün sogar eine scharfe Mißbilligung des Senats der deutschen Universität Werbet Abonnenten für .Re Wahrheit'

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