Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 3 (1.2.1923)
- Date
- 1923-02-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. Z Pir Aahrh eit «Ge L stellen. „Die Psalmen sind nicht originell." Die Sumerer S. 37 hätten diese Frömmigkeit in weit vollkommenerer Weise ausgesprochen. Gegen die Mode, assyrisch-babylonische Psalmen hvranzuzichen, um den Mmibus der jüdischen zu zerstören, wäre zu sagen: Erstere sind durchweg polytheistisch gestimmt: ,,O Gott, ob unbekannt oder bekannt, o Göttin, ob unbekannt oder bekannt — (also nur ja keinen äuslassen) vergib mir meine Uebertretungen." Zum mindesten sollen mindere Götter dem höheren Gotte die Bitte vermitteln: Auf der Stelle der Nabuaploiddin in Sippar ist der König in Anbetung vor dem Sonnengotts dargestellt. Hinter Hm stcht eine Göttin, welche beide ände zum Gotte hin erhoben hält und das GÄ-et des önigs übermittelt. Oder ein Kalksteinrelief im Berliner Museum, auf der ein König von seinem Schutzgotte zum Obergotte geführt wird. Das ist auch die Stimmung der babylonischen Psalmen. Im biblischen Psalter hält die Seele unmittelbar mit Gott, Zwiesprache, Pf. 73, 23 ff.: „Ich bleibe ständig bei dir," du erfassest mich bei meiner Rechten. Mit deinem Rade leitest du mich und hernach nimmst du mich in (Ihren heim. Wenn ich dich nur im Himmel habe, neben dir begehst ich nichts auf Erden?" Wahl kommen Rufe, wie „Vergib mir meine Missetat", auch in Babels Hymnen vor. Doch in der Regel gehts um irdische Güter unid um die sichtbaren Äußerungen 'der Frömmigkeit Opferdienst denen gegenüber das rein Sittliche zurückstcht. Nun sollen aber die biblischen Psalmen sittlich wertlos sein. Man denke an Ps. 15. Hier wird gefragt, wer Gastrecht und Heimat bei Gott hat. Und wie lautet die Antwort: Wes Wandel, Werk und Wort von Gradheit, Güte, Wahrheit ist, so daß er 'frei bleibt von Zungensünde, Wehtat und 'Beschimpfung des Nächsten und was verwerflich ist, verachtet, dagegen ehret, wer Gott fürchtet, dem Eide krön, von- Habsucht frei lebt, der hat Halt und Dauer. Wer ist's sittlich wertlos, wenn Ps. 87 zeigt, wie auch die Heide:: Kinder Gottes werden, die nach und nach in die schule in Wilna. Er wirkte als Lehrer des Hebräischen an öffentlichen Schulen. 1872 wurde er ans Grund seiner literarischen Arbeiten nach Petersburg in das „Komitee zur Verbreitung von Kultur unter den Juden Rußlands" und gleichzeitig als Sekretär der jüdischen Gemeinde in Petersburg berufen. In dieser Stellung hatte er sich um die Gemeinde bedeutende Verdienste erworben. Er erwirkte der Gemeinde von der russischen Regierung die Erlaubnis zum Bau eines offiziellen Bethaüses, zur Erweiterung des Friedhofes, ihm ist die Organisation des Gottesdienstes, vor allem die der Petersburger Chewra Kadischa zu verdanken. Seine Gegner «ans dem Lager des Chassidismus verdächtigten Hn bei der Regierung als politisch gefährlich. Unter der Beschuldigung, an dem Attentat auf Mexander II. im Jahre 1879 beteiligt zu sein, wurde er nebst Frau und Kindern ins Gefängnis geworfen, in dem er 40 Tage verblieb, um alsdann in eine kleine Stadt im Gouvernement Olonetz >auf eine einsame Insel verbannt zu worden. Der Aufenthalt in dem unwirtlichen Klima und die Sorgen um den Unterhalt untergruben seine Gesundheit. Als seine Unschuld nach einiger Zeit klar zutage trat, erlaubte ihm die Regierung die Rückkehr nach Petersburg. Seine Mitbürger zeichneten Hn später für seine Verdienste um die kulturelle Hebung seiner Glaubensgenoffen durch den Titel eines Ehrenbürgers aus. In Petersburg gab E ordon bis 1888 mit zweijähriger Unterbrechung im Verein mit Zeder bäum die hebräische Zeitschrift „Hameliz" heraus. Mit Gerstein Stammrolle der Juden eingeschrieben werden und Bürger^ recht in Zion empfangen, so daß Fürsten und Gemeine 'bei Gott heimisch werden. Ist das nicht ebenso^ groß gedacht als das Pauluswort: Hier ist nicht Grieche, noch Jude! „Diesseits gerichtet sind die Psalmen." Man vergegenwärtige sich Ps. 16, den ich überschreibe Jenseits 'der Zweifel an Gottes Gerechtigkeit: Der Beter gehört augenscheinlich zu den vor Ant'iochus Religionsverfolgungen Flüchtenden. Trotzdem fühlt er sich sicher und glücklich, denn sein Burgherr Gott ist auch sein höchstes Glück. Er hat sich für die Märtyrerpartei gegen die Fremdenumbuhler entschieden und der Griechengötter Namen kommt nicht über seine Lippen. Hingegen ist Gott fein Reichtum, seine Erquickung und seine Ewigkeit. Mein Acker ist die Zeit, sagt Goethe. Unser Dichter meint, unser Acker ist die Ewigkeit. So Hab ich den größten Schatz, ruft er, wie Walter von der Vogelweide, als er sein Lehnsgut empfängt, dichtet: Ich ha'n min Lehn. Gott ist sein Gut, mit ihm steht er im Liebesverkchr, er ist sein Rater und Tröster. Gott hat er vor Augen, darum gewinnt er Freude und Triumph über Todesschrecken. Aus der Gottesgemeinfchast kann ihn keine Gewalt reißen. Man sicht, wie auch der Tod ihn nicht von Gott lösen kann. Es ist, wie wenn sich uns die Lebensmurzel der UnsteMichkettshoffnung bloßlegt und die Psalmen sollen diesseitig gerichtet und religiös unbedeutend sein! Geflissentlich nehme ich, um letztere Behauptung Delitzschs zu widerlegen, zwei ganz schlichte anspruchslose Liedlei:: der Sammlung Ps. 8 und 23. In Ps. 8 stcht ein Nomade unterm Sternhimmel, empfindet, wie winzig der Mensch im Weltall ist und doch wie wunderbar ausgezeichnet durch die Denk- und Sprechgabe und durch die Königsyewalt seines Kulturlebens. „Daß ein Mensch du nur bist, der Gedanke beuge das Haupt dir, doch daß ein -Mensch du bist, richte dich mächtig empor!" Daneben das kindliche Vertrauen, auf Gottes Führung und Fügung, zusammen lieferte er eine rassische Uebersetzung des Pentateuchs. Er arbeitete an einer russischen Uebersetzung des Mayerschen Konversationslexikons mit und schrieb für mehrere Zeitschriften in verschiedenen Sprachen. 1892 erlag er in Petersburg einem langjährigen Leiden. In seinen Gedichten stellte sich Gor d o n zunächst die Aufgabe, seine Stammesgenoffen mit der Geschichte ihres eigenen Volkes von den Zeiten der Bibel bis zu den Tagen der Gegenwart vertraut zu machen. Cr behandelt die Geschichte Davids, wobei er die Gestalt Sauls Samuel gegenüber in glänzende Beleuchtung rückt, er zeigt uns in ähnlichem Gegensatz zum Propheten Jeremia den König Zidkia. Dem Preis des jüdischen Weibes vor allem weihte er seine Muse. Er schildert aus der Makkabäerzeit die Mutter mit den sieben Söhnen, aus der Zeit der Vertreibung der Inden von der pyrenäischen Halbinsel jene jüdische" Heldin, die bei der Ueberfahrt die Neigung des Kapitäns erweckt, der um den Preis ihrer Liebe ihre Leidensgenoffen in einen sicheren Hafen zu bringen verspricht. Sie nimmt zum Schein den Antrag an, aber kaum sind ihre Genoffen in Sicherheit, als sie sich, um der Schairde zu entgehen, ins Meer stürzt. In dem Gedichte „Ben schinne arajoch" (Zwischen Löwenzähnen) führt uns Gord o n in die Szenen »bei der Verteidigung Jerusalems gegen Titus. Einer der jüdischen Gefangenen wird zum Kampfe mit wilden Tieren in der Arena in Rom verurteilt. Im Ringen mit einem Löwen erblickt er unter den Zuschauern seine Braut, die als Sklavin einer römischen