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Die Wahrheit · 1923-02-01 · Heft 3 (1.2.1923) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 3 (1.2.1923)
Date
1923-02-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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$ie Wahrheit Nr. S Seite 4 Im Aufruf des vöMfch-antisemÄischen Kampfausschuffes sind volle zwei Dutzend umstürzlerische Körperschaften und Verbände mit Namen angeführt und 'sie waren Mch bei 'der Heerschau am 21. Jänner vertreten. .Nur sMslicher Leichtsinn tonnte es glauben, daß es dem deutschen Wehrbund, öot Nationalverband deutscher Offiziere und/So ld aten wirklich um den Num-ems clausus zu tun ist! Gegenüber dieser verlogenen, gefährlichen Parole sei bk zeitgemäß dringlichste gestellt: Caveant Consules! L Delihschs Antwort an feine Kritiker. Bon Bsz.-Rabb. Dr. B e e r m a n n, Heilbronn. (Schluß.) Doch Delitzsch wagt noch Kühneres. Nach Hm, S. 20, halben die Propheten die Völker mit kalter, rauher Hand znrückgestvßen. Nun lese man Jes. 15 die ergreifende Klage über Moabs herbes Geschick, das den Propheten aufs tiefste erschüttert und ihm Worte glutvollen Erbarmens mit dem unglücklichen Volke ans die Lippen legt. Aber freilich, wer wie unser Autor Jes. 2 mit dem wundervollen Bilde des allgemeinen Völkerfri-eidens und der Zuwendung der Nationen zu den ethischen Idealen Zions lesen kann und darin «bloß einen Huldigungszug der Völker nach Jerusalem steht, der der jüdischen Natonaleitelkeit schmeichelt, der vermag auch wie Delitzsch Mi. 4, 5: „fürwahr mögen alle Völker wallen, ein jedes im Namen seines Gottes, -wir wallen im Namen des Ewigen, unseres Gottes für und für", übersehen, daß hier zum erstenmal in der Weltliteratur der Toleranzgedanke seine leuchtenden Angen auffchlägt. Was schreibt Delitzsch S. 20—21 zu alledem? „Welcher ruhig Urteilende kann in diesen Worten etwas anderes erblicken, als eine verletzend stolze Gleichgültigkeit Israels gegenüber dem Endgeschick aller nichrisraelitischen Völker." Delitzsch will nicht die Größe der Propheten sehen, darum erblickt er in Hrer scharfen Kritik des heidnischen Bilderdienstes nicht die sieghafte Gewalt der Geistesreligion, sondern rechtet mit Hn-en, als ob sie in nationaler Befangenheit sich nicht in die sinnbildliche Bedeutung der Götterbilder zu schicken gewußt hätten, wie wenn, sie nie gegen die jüdische Darstellung Gottes in Bilderwerken voll Eifer ausgetreten waren. -Selbst ihre geschichtlichen Angaben, die den Stempel der Wahrheit an sich tragen, zweifelt er als tendenziöse Einrichtung an. So will er die Rettung Jerusalems vor Sanheribs Scharen, die in der Wirksamkeit Jesaias eine so bedeutende Rolle spielt, ins Reich des Märchens weisen, weil die Prunksaulen der Assyrer davon schweigen, als ob nicht hinreichend bekannt ist, daß sie alle ihre Mißerfolge mit Stillschweigen bedeckt halben. Kann Delitzsch nicht leugnen, daß die Propheten ihren Gott als sittliche Macht zur Geltung brachten, S. 36, so sind Hm die Inden so schlecht, daß die Propheten w -viel an ihnen rügen mußten, statt in ihnen das klastische Volk der Selbstkritik anzuerkrnnen, die den Rügeworten Hrer Gottesmänner einen Ehrenplatz in Hrem literarischen Ruhmestompel -einräumen. Wie kann ein so bibelfester Philologe wie Delitzsch bei den Propheten den Hinweis auf den Trenbruch und die verlogene Bündnispolitik der jüdisch-israelitischen Könige vermissen (S. 38). Ist doch von Hosea, Jesaia, Jer., Ezechiel -an vielen Stellen, vgl. Ho-s. 7, 12, Jer. 2, 18, Jos. 30, Ez. 17, gegeißelt worden, daß man Bündnisse schließt und nicht hält und daß man dem Könige Nebukadnezar den Treueid gebrochen hat. - * * * Heine sagt einmal: ..Die Herrlichkeit der Welt ist immer adäquat der Herrlichkeit des Geistes, der sie -betrachtet. Der Gute, findet hier sein Paradies, der Schlechte -genießt schon hier seine Hölle."" Wendet man diese Weisheit ins Liter arische,^dann muß Man annehmen, daß Delitzschs sonstige Geistessülls vielleicht infolge des tiefen nationalen Schmerzes, zu dem er sich auf S. 72 bekennt, ihn verließ, als er sich mühte, Mch den Pfalter als nicht originell, als sittlich wertlos, diesse>it i g gerichtet und religiös unbedeutsam hinzu- SSSlA«.w-..«SSS Dialik und die junghebrLische Renaissance in Rußland. Zu des Dichters 5V. Geburtstag. Bon Dr. M. Grunwald. 0 Fortsetzung.' Jm Jahre 1831, also 22 Jahve alt, begann Mapu seinen ersten größeren Roman „Ahawath Zion", „Zionsliebe", der frei-lich erst 1853 die Presse verkästen konnte. Was diesem Werke seine hohe Bedeutung verleiht, ist nicht sowohl die Technik, die deutlich den Einfluß eines Victor Hugo, des älteren Dumas und besonders Eugen S u e s verrät. Es ist vielmehr zunächst die Wahl des Gegenstandes. „Ahawath Zion" ist ein Roman, der sich auf klassischem biblischen Boden -unter der Regierung des Königs Achaz abspielt. Amnvn und Tamar, Kinder aus vornchmen Häusern, waren schon von Geburt an von dey Eltern einander zu Ehegatten bestimmt worden. Nach mancherlei Wechselfällen wurden sie, ohne Kenntnis biefer Bestimmung ihrer Eltern, .ja Amnvn anfangs ohne Kenntnis seiner wahren Abkunst, vom Schicksal doch zusammengeführt. ^Der Geist des nationalen biblischen Lebens ist in Mapus Roman vorzüglich'getroffen u.iti) innige Gläubigkeit schwebt über jeder Seite. Noch weit 'bedeutsamer als der Inhalt ist aber die Sprache des Werkes. Hier scheu wir nicht nur, wie das vor Mapu oft zu verzeichnen ist, das Hebräische als formales Element angewandt, fonidern der Gei st der hebräischen Sprache hat dieses Werk geschaffen. Diese Sprache erscheint nicht als Produkt künstlicher Rekonstruktion, sondern sie wirkt als lebendige ursprüngliche Kraft. „Ahawath Zion" hat nicht allein Schüler und Nachahmer geweckt, es hat sich selbst sein Publikum geschaffen. An diese Leistung Mapus reichen seine späteren nicht heran. Für den Erfolg des Nomanes spricht die Tatsache, daß er ins Jiddische, zweimal ins Englische und 1897 von -einem bekannten Schriftsteller, leider ohne Angabe der Autorschaft M a> p u s, ins Deutsche übersetzt worden ist. lieber Mapus nicht gerade glückliche Lebensschicksale ist zu bemerken, daß er 1860 Lehrer -der jüdischen Religion und der deutschen 'Sprache am Gymnasium in Kowno wurde. 1867 starb er in Königsberg in Preußen, Wo er Heilung von einem Leiden gesucht, das ihm das Schreiben lange Zeit unmöglich gemacht Hatte. Juda Leb Gordon. In demselben Jahre 1831, in dem Mapu sein Haupt- > werk „Ahawath Zion" begonnen hat, wurde' in Wilna der Mann geboren, in dem die rustische Haskala ihrer größten und leidenschaftlichsten Vertreter gefunden hat Es ist Juda Leb G o rd o n. G o r d o n s Kindheit und Jugend verliefen nach de>m stereotypen Schema, nach dem sich die Erziehung der. jüdischen Jugend im europäischen 1 Osten vollzog. 1853 verließ G o r d o n 'die Rabbinats-

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