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Die Wahrheit · 1923-01-16 · Heft 2 (16.1.1923) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 2 (16.1.1923)
Date
1923-01-16
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Die Wahrheit Ar . Z samyrlung war sich darüber klar, daß die „Union dentschöst-erreichffcher Juden" ihre wichtigen, für die öffentlichrechtliche: Stellung der österreichischen Inden unerläßlichen Aufgaben nur dann mit Erfolg durchführen könne, wenn ihr für diese Tätigkeit genügende Mittel zur Verfügung stehen, da sonst die Sorge wegen eines erheblichen Defizits in der Jahresgebarnng ihre Tatkraft lähmen müßte. Wir rechnen mit. Bestimmtheit darauf, daß in Würdigung der - schwierigen Verhältnisse und der Notwendigkeit, gerade im j etz i g e n Augenblick, in dem zähen Kampf um unser» Gleichberechtigung nicht zu erlahmen, alle unsere . Mitglieder der „Union deutsch-österreichischer Juden" treu bleiben und in bewährtem Gemeinsinn dem Beschlüsse der Delegiertenversammlnng entsprechen werden. Dringend «Archen wir, die Einzahlung mittels des zugeifendeten Posteckagscheines zu leisten, da die spätere Einhebung durch Bote n uns u n v e r h ä l t n i s m ä ß i g hohe Kosten verursachen würde. Für unseren Preßfonds sind weiters eingegangsn von Herrn Max Michael Weiß K 50.000. — Wir bitten dringend um weitere Zuwendungen! Aus unseren Ortsgruppe«. Mitgliedschaft Alsergrund. Der Schriftführer unserer Ortsgruppe Herr Max Michael Weiß begeht am 18. Jänner d. I. im engsten Familienkreise die Feier feines 60. Geburtstages. Seiner stets bekundeten MenschenfveUrMichkeit.entsprechend, hat Herr Weiß aus diesem Anlässe zahlreiche jüdische Institute und Wohtfahrtsvereine mit namchästen Spenden bedacht. Herr Max Michael Weiß „ift ein aufrechter Jude,,dessen hilfsbereite Hand nicht erst eines ^sonderen Anlasses bedarf, um überall dort einzugreifen, wo Not und Elend, Krankheit und Verlassenheit um Hilfe wecken. Sein lauterer Charakter, seine Gradheirt und Offenheit haben ihm im geschäftlichen Ver- ' kehre, seine umfassende Menschenliebe innerhalb der Wiener Judenschaft hohes Ansehen und allgemeine Belickcheit erworben. Auch wir begNckwünschen Herrn Max Michael Weiß herzlichst zu seinem Feste. A» Msere Freunde, Momente« und Leser! Roch steht unser Werk in den Anfänge» und noch ist unser Kmvps nicht zu Ende gekämpft. Soll unser Streben gelingen, das ein politisch reifes und vom Mischen Jdeallsams beseeltes österreichisches Judentum will, dessen Glieder als Staatsbürger und Juden die vollen Rechte fordern, daun bedürfen wir der ganzen ungeteilten Unterstützung der täglich wachsenden Schar jener, die hinter uns stehen. Darum wende« wir uns heute an alle unsere Freunde, . unermüdlich für „Die Wahrheit" zu werben, Abonnenten zu sammeln und für die gute Sache Propaganda zu machen, z. B. dadurch, daß sie in den von ihnen beuchten Kaffeehäusern unser Organ verlangen. Sie alle wecke» gebeten, den Bezugspreis für das 1. Halbjahr 1923 per K 2 5.0 0 0 umgehend aus unser Postschekkonto 100.918 einzuzahlen, damit die regelmäßige Zustellung keine Unteckrechung erleidet. Redaktion und. Administration „Die Wahrheit". ttd Wahrheiten vom Tage i] England und die Juden. Immer wieder wird von gutgläubiger zionistischer Seite die absurde Meinung vvrgebracht, daß . England seine PalästinapolW nur ans Idealismus betreibe, daß diese philosemitis-che Tätigkeit der englischen Nation nur einem schon lange bestehenden geistigen Interesse für das „Volk der Bibel" entspringe. Wir waren seit jeher der Ansicht, daß dieser. Gedanke falsch und nur der Wunsch, sein Vater sei. Ausschließlich ein Pein materielles Interesse leitet England bei seiner Politik im Heiligen Lande, das durch Jnfiltrierung von jüdischem Element «bald aus eine solch vespÄtable wirtschaftliche und kulturelle. Höhe gebracht, auf. die es durch die Araber Mein nie gekommen wäre und die für England: sicherlich von Vorteil sein wird. Doch die zionistischen Optimisten laMn nicht locker, Englaüd ist philos,emetisch, Beweis: Es hat keine antisemitischen Parteien mrd bis auf wenige Ausnahmen — „Daily Expreß" und „Diorning Post"—keine antisemitische Presse. Was sagen die Gutgläubigen nun zu folgender Meldung, die „I. P. Z." aus London drahtet? „Große Aufmerksamkeit verdient die Schaffung eines Goheimord«s in England,- dessen Entstchung die obgenannten Blätter mit Wohlwollen begleiten. Sie heben hervor, daß der Geheimorden in manchen Beziehungen dem berüchtigten Ku-Klax-Klan of Amerika gleicht. Der Name des Ordens ist Hochedler Orden der Kreuzfahrer und seine Oberste Hochloge hält ihre Sitzungen hinter verschlossenen Türen mit allen möglichen Zeremonien und Ritualien ab. Der Großmeister ist Kapitän Gee, der jüngst als konservativer Kandidat bei den Wahlen durchgefallen ist und jetzt bei einer Ersatzwahl wiederum gegen den Arbeiterführer Archur Hendersen kandidiert. Da jüngst Versuche gemacht worden sind, den amerikanischen Ku-Klax-Klan auch nach England zu verpflanzen, wird man sich nicht wundern dürfen, wenn der neue Geheimorden einen fascistischen und antisemitischen Charakter bekommt." Eine Kapuzinade. Auf der zum Andenken an den Sieg Ludwigs des B a y er n über den Oest erreicher Friedrich den Schonen abgchaltenen Sechshundertjahr-Feier der Schlacht bei Mühldorf, an welcher hervorragende bayerische. Persönlichkeiten, wie Prinz Rupprecht und der frühere bayerische Ministerpräsident von Kahr, ferner General L u d e n d o r f f (!) teilnahmen, hielt Pater Kasimir von den Kapuzinern die Festrede, in welcher er unter anderem sagte: „Und wie Ludwig dev Bayer nach der Ampfmger Schlacht den Juden eiye eigene Steuer auferlegte für die Hinterbliebenen,. so fordern auch wir heute eine Judensteuer für jene, die aus unserem roten Blut und dem Schweiß unserer Arbeit gelbes Gold geschlagen haben und ihre Hände ausg e st r e ck t h a b e n n a ch d e m B e r m ö g e n u n s e r e r Fürst e n". Ist es schon an sich eine Geschmacklosigkeit den Sieg Bayerns über das stamm- und sinnverwandte Oesterreich zu feiern, so ist es höchster demagogischer Stuß des Pater Kapuziners zu behaupten, daß die Juden ihre Hände nach dem Vermögen der Fürsten ausgeftreckt haben. Ärrade das Gegenteil ist historisch festgestellt. Zur Charakteristik Dr. Karl Luegers. Von. -beachtenswerter Seite wird uns geschrieben: Im leitenden^ Wsfatz der Nr. 1 Ihrer Zeitschrift befindet sich eine Stelle, die von Dr. Karl Lueger behauptet „er verfolgte de« kleinen Hausierer, den armen Juden, der. in Wien nicht'zuständig

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