Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 2 (16.1.1923)
- Date
- 1923-01-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Wahlen hervorgehen, fonbent ans den an Palästina interessierten Weltorganisationen zusammengesetzt sein soll. Die Juden und die Schuld am Weltkriege. , :. Maxmnilmn H a r d e n ist «in getaufter Ostjude. Er hat geglaubt, den Fluchs der an seinen Starchnesgenvssen haftet, durch seiinen Austritt von sich abwätzen zu könnep. Und siche da, er war unter den ersten Opfern, welche sich die dentsch-rvalmnal-monärchistische Maffia erkoren hat, und er ist nur mit knapper Not dem. Schicksal Walter Rathenau's entgangen. Maximilian Harden war auch nie. ein Freund der Juden und in seinen Schriften fchlt es nicht an mancher antisemitischen Note. Jetzt aber, nach dem. lebensgefährlichen Attentat und. nachdem im Prozesse seiner Angreifer die' preußische. Klassenjustiz wieder einen schamlosen Triumph gefeiert hat, findet er den Wetz zu Len Juden zurück. In einem Vortrags, den er über den Mtentatsprozeß hielt, sagte er zum Schlüsse: .,Es ist nicht wahr, daß die Juden den Krieg gemacht haben oder daß sie an dessen Verlust schuld sind. Sie sind nicht einmal die größten Kriegsverdiener gewesen. Was immer jüdischer Geschäfts g eist verdient hat, ist doch nur ein kleiner Tropfen im Vergleich zu d e n Riesenprofiten, welche die arische deutsch e G r o Hindu st rie gemacht hat. Es ist «ine Erniedrigung des deutschen Volkes, zu 'behaupten, daß die Juden, die doch -kaum ein Prozent des ^deutschen Volkes ansmachen, eine Gefahr Jiir dieses bedeuten." (Stürmischer Beifall:) Harden wies darauf hin, daß zwischen, den jüdischen und deutschen Eigenschaften große Aehnlichkerten bestchen. Das deutsche Volk müsse gegenwärtig in der Welt dasselbe Schicksal erleiden, das die Juden Jahrhundert« lang erduldet haben, das Schicksal ver langt, gem i e d e n u n dver a ch.tet zu . s e i n." Es ist. «in KassischÄ Zeugnis, das hier, über den angeblichen jüdischen Geschäftsgeist der Juden einerseits und über die ungeheuren Gewinne, welche anderseits die deutsche Schwerindustrie aus dem Kriege gezogen hat, abgegeben wird. Auch das >ist richtig und die Parallele ist wiederholt aufgezeigt worden, daß die Deutschen in der Werituntz aller Völker dasselbe Schicksal erleiden wie die Juden — allerdings aus anderen Ursachen. Verkannt, gemieden und verachtet — mit diesen Worten kennzeichnst Harden die Geltung der Deutschen im Auslande. Die Auswüchse, ja die Tollheiten und mörderischen Esszesse des bis zum Wahnsinn übertriebnen Nationalismus können diesen Haß der Völker nur ins Ungemessene steigern. Zeichnet Spenden für unseren Pretzsonds! Werbet Mitglieder für die „Union"! Abonniert unser Organ, „Die Wahrheit"! Gedenket bei Familienfesten, bei Testamentserrichümgen, Spielgewinsten usw. unseres Rechtschutzbüros! Es kommen ernste Zeiten! Pfleget den Opfersinn für unseren gemeinsamen Kamps! Aus unserem Rechtsschutz- und Abwehrburea«. Gibt es noch Gesetze in Oesterreich? Die Tiroler Hakeükreuzler kündigen in ihrem neuen Organe wieder einmal inte Beröfferülichuntz eines Jud en rat asters an. „Wir werden uns bemühen" heißt es, ,foet christlichen Bevölkerung von Titol und Vorarlberg alle Juden und JudenstämMlintze, dis in unserem Lande das (Ästrecht (!) genießen und es vielfach mißbrauchen, ausznzeigen." Arnächst umtüt es höchst lwyllig an, daß die Leute, die sich chr politisches Programm und Hw nationalen Schbagworte aus dem Ausland« holen, den eingesessenen Juden von Tirol und Vorarlberg gegenüber von einem ,,Gastrecht" sprechen. Die HohenMnser Kültusgümeinde ist eine der ältesten in ganz Oesterreich und Hw Geschichte reicht auf Jahrhunderte zurück. Jhw Abkömmlinge find mindestens so gute Deutsche und so waschechte Vorarlberger oder Tiroler wie der Herr Hans Singer (!) in Innsbruck, der für das national-sozialistische Schimpsblatt ver- ' antwortlich ist. Was aber den Judenkataster betrifft, so dürfen unsere Glaubensbrüder in Innsbruck dieser schrecklichen Drohung mit der größten Gemütsruhe entgegensetzen. Die Tiroler jüdischen Geschäftsleute find als undad elhaft well und anständig in und außerhalb des Landes bekannt und auch die christliche Bevölkerung weiß diese Eigenschaften in vollem Maße zu würdigen. Ein allgemeiner Boykott aber, und ein solcher ist ja wohl mit dem Judenkataster beabsichtigt, ist nach mehrfachen oberstgerichtlichen Entscheidungen auf Grund des tz 302, St. G. strafbar. Wir wollen sehen, ob die Gesetze auch noch gegen die Herwn Hakenkreuzler in Tirol Geltung haben. Antisemitismus in der Schule. Bon verschiedenen Seiten erhalten wir Mitteilung über uNgchövitze antisemMsche dleußerungen von Lehrern und Professoren in den Vdlksurrd Mittelschulen. Wir ersuchen die Eltern, welchen solche Aeußerungen zu Ohren kommen, uns dieselben zur Kenntnis zu bringen. Es liegt im Interesse der schuNefuchenden Kinder, daß die Eltern selbst nicht als Beschwerdeführer auftreten. Anderseits kann jedoch ein solches verhetzendes Treiben in der Schule nicht geduldet werden und wir sind daher gerne bereit, in jedem einzelnen Falle, bei den zuständigen Schulbehörden dagegen einzuschwiten. Schöne Seelen finden sich. Die in Hannover erscheinende nationalsozialistische Wochenschrift „Der Sturm" (Heraarsgeber Georg Quindel) zitiert die in Nr. 24 der „Wahrheit" veröffentlichten Aeußerungen des verstorbenen Oberrabbiners Dr. Moritz Güdemann über „Judentum und Nationalismus" als Beweis dafiir, daß der Standpunkt des Berliner Zentralvereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, di« Juden in Deutschland seien-Wie Deutsche und besäßen nur eine andere Religion, eine Lüge sei. Herr Quindel begreift nicht, daß es sich hier um eine Kulturfrage und nicht um eine „völkische" Phrase handelt. Dieser Herr Quindel ist übrigens vom Landgerichte Bautzen im Jahre 1912 wegen Betruges zu 6 Monaten Gefängnis und im Jahre 1913 wegen des gleichen Verbrechens zu 2 Jahren, 2 Monaten Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt worden. Wir gratulieren Herrn Doktor Walter Riehl zu diesem edlen Kampf- und Sturmgenossen. Mitteilungen aus dem Zeutralvorstand. Die Eivhebung der Mitgliedsbeitrstge pro 1923 Hot begonnen und wird mittels Posterlagscheines durchgeführt. Mit Rücksicht auf die neuerliche rapide Entwertung ves Geldes und die hiedurch bedingte sprunghafte Steigerung der Ausgaben für Porti, Drucksorten, Gehalte, Kanzler erfordernisse, Miete, Heizung, Beleuchtung-, Reisen usw. müssen wir es auf Grund des Beschlusses der Delegrertenversammlung jedem Mitglieds überlassen, den Mitglieüsbeitrag nach seiner eigenen Selbsteinschätzung, jedoch nicht unter demBet r a g e v o n 2000 K„ zu bestimmen. Für jede Ueberzahlnng sind wir herzlich dankbar. Die Delegiertenveri