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Die Wahrheit · 1923-01-16 · Heft 2 (16.1.1923) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 2 (16.1.1923)
Date
1923-01-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Aeue iÖ t e Gahrhert leisten vermag, welche das Kapital beanspruchen muß, um diesem Staat Hilfe zu lebten? Die Antwort auf Idieise Fragen mag sich Herr Dr. Seipel selbst geben. Der VöWerbund hat das Seiüijge getan — Herr Bundeskanzler tun Sie das Jhxige! Siegfried Fleischer. Einst und jetzt- Ein Erinnerung sblatt für die derzeitigen Machthaber in Umgarn. Die herrschenden Kreise in Ungarn kennen, wie es scheint, keine wichtigere und dringendere Aufgabe, als -den Ervungenscha-ften einer glanzvollen BevgWgenheft, die dem wirtschaftlichen und 'kulturellen Aufstieg des Landes erst die Wöge geebnet haben, Möglichst schnell wieder, den Garaus zu machen. Die liberale Gesetzgebung der Jcchve 1847!bis 1861, das stolze Wort der Zierden der Nation, eines Ludwig Kossuch Franz Deak und ihrer publizistischen Bertrauensmänuer, soll ihres Edelsteines 'beraubt werden, indem man die verfassungsmäßige Weichberechtigung eines wesentlichen Bestandteils der BevöNerunig wiä>er rückgängig zu machen sucht, beziehungsweise eine AustveibungspolMk Nach barbarischem Muster betreibt. Haben sich die Befürworter und Lohredner dieser dien niedrigsten Pöbel-Instinkten schmeichelnden HaßpoliM auch überlegt, wohin sie mit ihren vexatorischen Maßnahmen steuern, uNd ob sie damit nicht das Fundament des Staates untergraben? Vielleicht bringt Akgende kleine Erinnerung sie doch wieder zur Besinnung: Es war im Jahre 1870, als sich die ersten antisemitischen Regungen in der Donaumonarchie zeigten und das Wiener Unterland" in seinem Feldzug gegen die JrL>endas Schlagwort erfand, auf dem die JiLerchasser aller Zonen uiÄ Nationen auch heute noch hermmveUen: daß die Uebermacht der Jrchen aus jedem Gebiete (sei es Politik, Literatur, Kunst, Handel urä) Industrie) eine so erd rückende sei, daß die christliche Bevölkerung immer mehr ins Hintertreffen gerate, schließlich kapitulieren und sich der jüdischen Zwirnghervschaft aus Gnade urid Erbarmen ergeben müsse. Um dreses drohende Unheil abzuwenden, gebe es nur eine Hoffnung man müsse die Juden aus Wien h in austreibenein Rezept, das ja später von so 'hoch kultivierten Staaten wie - Rußland und Rumänien mit Wonne übernommen worden P. Da erachtete es einer der angesehensten ungarischen Magnaten, Graf Nikolaus Beth len, für «anlgözeijgt, gegen diesen Rückfall in die Zeiten des schwäWösten MW-elcklters, in seinem Matt, der „Diplomatischen Wochenschrift^ vom 26. Juni -1870, einen lauten, ernsten uitd würdigen Protest zu erheben, zugleich im Namen derer, ,/die wir Enkel der protestantischen Rebellen, doch keine Juden sind". Dieser durch ganz Europa hallende Wavnungsruf wirkt hewöe noch so tausrisch wie am ersten Tag; darum sei er in seinem wesentlichsten Teil zu Nutz' und Frommen der lebenden Generation, die von> ihm lamm noch etwas weiß, hier wiedergegeben: .... Wenn die Partei des „Vaterland" je ans Ruder kömmt und ihre Drohung efföktuieren wollte, -so bitten w ir, alle aus Wien h inausgeworjenen Juden uns nach Pest zu schicken.. Die Juden sind durch ihr Talent und' ihre Tätigkeit «ein bedeutender Faktor der Zivilisation geworden und wir können sie in Pest brauchen. In Pest selbst -finden wir zwei Städte. Der eine Teil von Pest gleicht einer euopäischen Handelsstadt — es ist die Stadt derJuderr, der andere gleicht einem großen Dorfe m. i \U C l KJO U |1 C-VN l|V VUC iUVil VJ V 4, iC/t. >• V Alles, was in Pest als ein Wevk der. Zivilisation, als ein Zeichen der europäischen Kultur 'betrachtet werden kann, ist durch jüdischen . Geist und durch jüdisches Geld zustande-, gchvacht worden Würde es in Pest keine Juden göben, so würde die Landeshauptstadt aus dem Niveau des großen Debrezin stehen' und die K o m i t a t shelden würden in ihrem eigenen ©taufe und Kot ersticken. ... Sobald man die ungarische Journalifftf aus das Niveau jener von anderen zivilisierten Nationen erheben wollte, war man gezwungen, ein halbes Dutzend Juden zu importieren, damit div'Trägheit in der Technik der Blätter teilweise beseitigt und dre journalfftischen Formen entwickelt werden. Aus welches Gebist des öffentlichen Lebens wir auch.sehen, Werall finden wir die JÄden emsm arbeiten rmd gegen den alten Geist der FiNstsrnis im Kriege begriffe Das „Vaterland" hat recht, wenn es die Juden scheut, denn sie sind die ärgsten Feind« des Thun's, Clam's und Appvnyi's. Mehr Juden — mehr Licht." Die Nutzanwendung aus die Enkel der Thun's, Clam's, Appvnyi's und wie die neuzeitigen Vertreter des feudalen Antisemitismus in Ungarn Me heißen mögen, zu ziehen, können wir uns wohl - ersparen. Leider ist die Zahl von so mutigen Wahrheitsbekemrern in der ungarischen Gentry, die durch die Jahrhunderte hindurch als die feinste Mute des Rittertums galt, wie Gras Bethlen einer war, heute nur eine sehr geringe. Wenn aber das Schamgefühl in ihren- Reihen noch nicht ganz erstickt ist, so wird sich mancher von ihnen, wenn ihm dvöse Erinnerung zufällig vor Augen Lmmvt, wir hoffen, doch ehrlich und rechtschaffen schämen. Ausgenommen naitür-- lich diejenigen, aus die ein anderer vorurteilsfreier Geist des österre^ffch-uügarischen -Wels, Gras Rudolf Hoy os, 1887, das witzige Epigramm gedichtet hat: „Den Glauben nicht, und nicht die Rasse Habt Ihr belegt mit Eurem Hasse, Dazu seid Ihr zu aUfgeWrt! Wenn ich die Frage richtig fasse, So ist es-nur-Äe „Wertheim-Kasse", Nach Aür Semitenhaß begehrt." Hain i. Riöfengöbirge. Gurt Bürger. Zur Frage des Weltkongresses. Auf der «vom 26. bis 29. Dezember in Breslau stattgösundenen- Tagung des Zentrabrates der „Agudas Jisroel" wurde zu der Frage d^r Beteiligung an dem von der Karlsbader Zionistenkonserenz beschlossennem Weltkongresse folgende Resolution gefaßt: „Agudas Jisroel fühlt sich verpflichtet, zunächst die gesammelten Kräfte der Orthodoxie für die Kenessio Gedaulo (Große Versammlung) einzusetzen. Nach stattgehabter Kenessio Gedaulo ist Agudas Jisroel bereit, ein Votum des inzwischen kostituierten rabbinischenR at es darüber herbeizuführen, unter welchen Bedi ng u n g e n der in der A. I. organisierten unabhängigen Orthodoxie die Teilnahme an einer Weltkonferenz der an Erez Israel interessierten Weltorganisationen für die wirtschaftliche Arbeit in Palästina möglich ist." In einem aus zionistischen Kreisen stammenden Berichte wird behauptet, daß die maßgebenden und führenden Aguda-Kreise vor und nach der Breslauer Konferenz für den wirtschaftlichen Aufbau Palästinas teilzunehrmu, daß aber der Weltkongreß nicht aus allgemeinen «n

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