Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 2 (16.1.1923)
- Date
- 1923-01-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3064121-3064123--11994-3079425- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ie W-hrhei! Seite 7 Nr. 2 D Oberrabbiner Wilhelm Reich. ■ Samstag, den 23. v. M., feierte die Mische Gemeinde Badens unter Anteilnahme -der gesamten Mitgliedschaft das 70. Geburtsfest ihres ehrw. Oberhauptes des Herrn Oberrabbiner Wilhelm Reich. Bei der allgemeinen Beliebtheit, -dem Ansehen und der jüdisch-wissenschaftlichen Bedeutung des Jubilars war vorauszusehen, daß Las Fest sich zu einer imposanten Ehrung gestalten werde, daß es sich aber zu einem kidusch haschem ausgestalten werde, sah man «erst beim Gratulationsempfang in der Wohnung des Jubilars, bei dem nicht nur die jüdischen Körperschaften, Vereine und Mitglieder der Gemeinde, sondern auch die Vertreter aller hiesigen Behörden und Korporationen erschienen.' Das Fest wurde von einem 20gliedrigen Komitee urfter, .Führung des Vorstandsmitgliedes der Chttvra Kadrscha, Herrn Ludwig Lacken bacher, und unter Mitwirkung des Ausschußmitgliedes und Obmannes des Bikur Chaulim, Herrn Bernhard Affenkraut, vorbereitet und geleitet. Die Feierlichkeiten begannen mit dem am Sabbath für Uhr anbevaumten Festgottesdienst. Zu diesem wurde der Jubilar von dem Präses der Chewra Kadischa, Herrn Adolf Raab, dem Borstandsmitgliede, Herrn Chaskel I n g w e r,» von seiner Wohnung in das Gotteshaus geleitet. Am Eingang des mit Blumen und Guirlanden festlich geschmückten Tempels bildete das Komitee Spalier und an dessen Spitze empfingen zwei Senioren der hiesigen Gemeinde, die Herren Jakob K o h n und Siegmund R a u s n i tz, mit 2 Thovarollen Sr. Ehrwürden den Herrn Oberrabbiner. Ern vom Kantor klangvoll rotiertes b.oru ch h a b o verkündete der im Gotteshaus versammelten Gemeinde die Ankunft des Jubilars; unter Borantragung der Thorarollen wurde er auf den mit Blumen und Blattpflanzen geschmückten Älmemor geleitet, wo ihn der Präses der Gemeinde, Alexander Braun, und der erste Beirat Anton Schneider.empfingen und begrüßten. Sowohl der Präsident, als auch Herr Anton Schneider, welch letzterer das einzig lebende Mitglied jener Deputation ist,, welche Sr. Ehrwürden vor 43 Jahren den Jnstallationsbries in seine damalige Gemeinde Sarvar überbrachte, hielten an Sr. Ehrwürden Begrüßungs- und Gratulationsansprachen, in denen seine Bedeutung nicht nur für das Badener Judentum, sondern auch seine Geltung und seine weit außerhalb Badens in der großen Welt anerkannten außergewöhnlichen Verdienste auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft und jüdischer Literatur hervorgehoben wurden, auf welche auch seine ganze Gemeinde mit Stolz und Freude blicken darf. Beide Ansprachen klangen in dem innigen Wunsch qus, der Jubilar möge noch ungezählte Jahre in Rüstigkeit und Geistesfrische sein Wirken im Kreise seiner Familie und inmitten der Gemeinde zum Wohlebes jüdischen Gedankens' fortsetzen. Nach einer an ' die Vertreter der Gemeinde für den glänzenden Empfang zum Ausdruck gebrachten Dankrede wurde Sr. Ehrwürden zu seinem festlich geschmückten Sitz geleitet,, wonach der Mussaf-Gottesdienft mit Ausheben der Thora begann^ Der Jubilar wurde zur Thora gerufen und vom Oberkantor Margulies mit einem: schön imitierten Echod j o ch i d empfangen. Nach Verlesen des Thoraabschnittes wurde über dem Jubilar der für dieses Fest vom Rektor Herrn Prof. Schwarz in Wien, in glänzender blumenreicher hebräischer Sprache verfaßte Mischeberach gesprochen. Nach Einheben der Thora bestieg der Jubilar die Kanzel und hielt eine tiefdurchdachte, warmempfundene Ansprache, welche mit dem alten Priestersegen Jeworechechoh -beendet wurde und die ganze Gemeinde tief und wahrhaft ergriffen hat. Nach Beendigung des Gottesdienstes wurde Sr. Ehrwürden vom gesamten Vorstände wieder in seine Wohnung geleitet. Um h^4 Uhr nachmittags fand das Fest in der Wohnung des Jubilars, wo sich die Gratulanten eingefunden, seine Fortsetzung. Unter Führung des Präses Alexander Braun erschienen die Vertreter aller jüdischen Institutionen und die geräumige Wohnung des Jubilars wurde zu klein für die Hunderte von Gratulanten. Außer den jüdischen Körperschaften erschienen der Bürgermeister der Stadt Baden, Herr Nationalrat Ko l lmann in Begleitung des Vizebürgermeisters Herrn B r u s a t t i, der kath. Dechant Hochwüvden Herr Karl grimm, der Herr Bszirkshauptmann Hoftat B o s i z i o, der Leiter des hiesigen Gerichtes, Herr Hoftat Hink, der Direktor des Realgymnasiums, Herr Regierungsrat Z e i n e r, unter Führung des Herrn Ludwig Lackenbacher das Festkomitee«, eine Deputation des Bethausvereines Böslaw-Gainfarn unter Führung des Vorstandes Herrn Alexander Kovars, welche zu Fuß nach Baden gekommen war, in Vertretung der Gemeinde Esieg der Sekretär derselben, Herr Schwarz, eine Abordnung der „Union deutschösterr. Juden in Wien", bestehend aus Herrn Vorsteher Ph. Haa 8 und Herrn Sekretär S. F l e i s ch e r, namens der jüdischen Mittelschüler der Gymnasiast Salo Rappaport, namens des Mädchenslyzeums die Schülerin Lizzi Lunzer, die Borstchung der Badener Chewra Kadischa unter Führung des Präsidenten Herrn Adolf Raab, eine Abordnung des hiesigen Bikur Chaulim unter Führung deS Obmannes Herrn Bernhard Affenkraut, eine Abordnung des Israelitischen Frauen-Wohltätigkeitsvereines Badens unter Führung der Vorstandsdame Frau Dr. KrauS, die Kinder des jüdischen KriegswaisenhauseS unter Führung ihres Direktors Herrn Philipp Friedman n, eine Abordnung der hiesigen Ortsgruppe der Agudas Jisroel unter Führung des Präsesstellvertreters uni) Obmannes Herrn David Daniel, eine Abordnung der zionistischen Ortsgruppe unter Führung des Herrn Leo K 'o f f l e r, die Beamtenschaft der Kultusgemeinde unter Führung des Sprechers Herrn.. Bernhard L ü w y, Herr Markus Schwarz für die Mitgliedschaft des Badener Bethamidrasch, Herr Johann H o f b a u e r, der dem Jubilar die Mitteilung von der Neugründung einer Chaß- Chewrah in Baden machte, und v. a. Alle genannten- Führer der Körperschaften und Abordnungen hielten Herzliche Ansprachen an den Jubilar, der dieselben jedem einzelnen Sprecher sofort in freier und schöner Rede erwiderte. Durch die Beteiligung aller hiesigen Kreise an dieser Festlichkeit gestaltete sich dieselbe zu einem kidusch haschem,. der in den Annalen der jüdischen Gemeinden mit goldenen Lettern verzeichnet werden wird, um späteren Generationen zu verkünden, zu welchem Ansehen es eine so verhältnismäßig junge-jüdische Gemeinde, wie es die in Baden ist, unter der Führung eines so weise und verdienstvoll wirkenden Oberrabbiners bringen kann, die unter seiner Amtswirksamkeit zu einer Mustergemeinde ganz Oesterreichs geworden ist. Die Gemeinde empfindet die Ehrung ihres Oberhauptes mit Stolz, Genugtuung und Freude. Außer den persönlichen Gratulanten hat der Jubilar noch viele schriftliche Beglückwünschungen empfangen, und zwar