Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 2 (16.1.1923)
- Date
- 1923-01-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 7 V.:' Die Wahrheit Nr. 2 Israel kümmert, von den Heiden aber keine Notiz nimmt. Die Völkertafel Gen 10 und der SündenruNdgesang in Ainos 1 beweisen «das Gegenteil. Die Rechtsbrücke der .Heidenvölker gegeneinander werden gebrandmarkt und die Rolle, welche die üblen Nichtisraeliten Roah, Malkisedek. Elieser, Fethro, die das Moseskind rettende ägyptische Königstochter und v. a wie Hiob rm hebräischen Schrifttum spielen, 'beweist das genuAam, daß auch die nichtjüdischen Menschen in ihrer Güte vom „Heiligen Israels" gewürdigt werden. Delitzsch aber dekretiert S. 15: „Es bleibt dabei, daß Jaho lediglich Israels Nationalgott ist, genau so wie nach MtestamentaNischer Bezeugung Kemosch der Gott MoNbs, Milkom der Gott Amons war." Nur müßte Delitzsch sich eigentlich Leim Niederschreiben wundern, wie dieser Gott dann ausdrücklich Ewiger der Heerscharen. «I olam (frei Dtjes. oft) Weltengott genannt werden konnte und warum der sittliche Eingottglaube seinen Siegeslauf nicht von Mo ab und Amon, sondern von Jerusalem.her angetreten hat. * # * Unglaublich ist, daß Delitzsch trotz Jeremias, dessen Lebenstragödie in seinem übernationalen Universalismus mitbegründet ist, S. 18 dock die völkische Beschränktheit der Propheten behauptet und sich im Zusammenhang damit die Ungeheuerlichkeit leistet,.die Gottesidee der Propheten, die ihren klassischen Ausdruck in dem Satze gesunden hat, „heilig, heilig , heilig ist der Ewige der Heerscharen, voll sind alle Lande seiner Herrlichkeit", Jes. 7. 3, und „der .Ewige wird König über alle Lande, an jenem Tage ist der Ewige einzig und sein Name einzig", Sech. 14, 9, engherzig und beschrankt zu nennen. S. 19 polemisiert er gegen die . Versuche, die Universität Jahos nachzuw eisen. Er schreibt wörtlich: „Rabb. Dr. "B e e r m a n n - Heilbronn schließt seine Entgegnung Ms Teil I der „Großen Täuschung" mit dem Hinweis aus das mit Recht an den Pforten so vieler Synagogen prangende Wort Jes. 56, 7: „Mein Haus soll ein Bethaus gekannt werden für alle Bölk er." Wie sucht Delitzsch nun dies. abzuschwächen? Er zeigt, daß eine Bekehrung.der Heiden vom Götzendienst zum Gottesdienst gemeint ist. Was verschlägts? Heißt's aber nicht I Kge. 8, 41 ff.: „Wende dich auch zu' dem Ausländer, der nicht von deinem Volke Israel ist und er kommt aus fernem Lande wegen deines Namens, denn man wird sprechen von deinem 'großen Namen und deiner gewaltigen Hand und deinem ausgestreckten Arme und er kommt ltrab betet in diesem Hause, so höre du im Himmel, der Stätte deines Sitzes, so tue ganz nach dem, was zu dir ruft der Ausländer, damit erkennen alle Völker der Erde deinen Namen, auf daß sie dich verehren wie >döm Volk Israel." Woraus es einzig und allein ankommt ist: Hier beten Juden, daß ihre Religion Gemeingut der ganzen Menschheit werde, damit ist grundsätzlich die nationale Einschränkung der Frömmigkeit ■ erreicht. Wie kann man sich gegen solche Erkenntnis sperren? (Schluß folgt.) Der griffige Neid. Zum Attentat auf den tschecho-slowakischen Fimmzmmister RLslyM. Bon Armin Wilkowitsch. Die politischen Mvüde hänfen , sich in der letzten Zeit erschreckend! Nach Rathenau kam der polnische Staats- Minister Narutowicz und nun «drang -auch die feindliche Kugel in das Rückgrat des tschechoslowakischen Finanz- Ministers Raschin. Wir Juden h aben nicht Grund, darüber eine Persiflage anzuwenden, wir können vom menschlichen wird religiösen StandpunR aus nur die mörderische/ Tat verdammen: ki hamischpot lelohim hi! Weil ein gewöhnlicher Sterblicher dazu keineswegs berufen ist, ohne richterliches Urteil das Henkerbeil gegen den Nächsten zu 'erheben — das Urteil steht nur Gott zu, der die Herzen der Menschen prüft! ... Hier sei nur eine knappe psychologische Glosse gestattet, die «auf den geistigen Neid Bezug hat. . Die politischen Morde wurden seit- MenschengüdenDen geübt. Persönlichkeiten, die "die Mgel der Regierung .in den Fäusten hatten, liefen stets Gefahr, von 'dom feindlichen Blei getroffen zu werden. In dem despotischen' Zeitalter, wo die Völker einfach die Ukase der Herrschenden — ohne jeglichen Kommentar — hinnchmen und folgen Mußten, waren es „Märtyrer", die „das Volk vom Tyrau? .neu befreien" wollten. Ob die Entütstung. dieser ,;Vol!ksbeglücker" stets echt war, ob nicht auch Ruhmsucht mitgespieSlt, läßt sich nicht konstatieren, der schwerwiegendste Grund für die politische Anfeindung war und ist unstreitig der geistige Neid! Denn außer dem erotischen Moment herrscht bei den Menschen keine größere Sticht als aus Güter und Würden, die die geistige Potenz bringt, weil, jedes einzelne Individuum sich geistig hochstehend dünkt — und daher den lisben Nächsten den Lorbeer nicht vergönnt! Im Altertum warben es die Propheten, die. das Volk, 'auf seine Schwachen.aufmerksam machten und es zur Umkehr mahnten. Man spricht heute noch davon: „Der Prophet im eigenen Lande!" Er war der Bestgehaßte weit und . breit! Jeremias wurde in Ketten geschlagen Und in den Kerker geworfen, Jona, der nach Niniwch gehen sollte,., die Sündigen Mr 3^e und zur Buße zu mahnen, flüchtet^, vor Gott nach Tdrschisch, WM er nicht den Mut ausbrintzdn konnte, die Frevler mit prophetisch flammenden Worten zu geißeln. In den letzten Jah-chundepten waren es Dichter und Satiriker, Tageszeitungsschreiber, Rezensenteir usw... die .den Finger auf offene Wunden des Volkes legten '. . und je schärfer ihre Feder, desto größer der Haß gegen sie! Ein Savhir, ein Heine, die die Schwächen der-Menschen in den schärfsten Pointen znm Ansdrucke brachten, wahren auf allen ihren Wegen« verfolgt, der letztere sogar von der Heimat verbannt. - Die Ursache der ersten SMtwrg 'im- Mischen Volke und des Hervordringens Jesus und der Aposteln ist vorzüglich darin zu suchen, daß die Kaste der Gelehrten (Chachamim) der Landbevölkerung (Amerazim) Gesetze aufoktroierte, ohne hieftrr zwingende Gvüiride zu geben. Das Volk sträubte sich, dagegen und fragte, weswegen die Strenge der Gesetze? Die Chachamim jedoch erwiderten: „Euch mangelt jede geistige Voraussetzung, das Gesetz zu verstchen, Ihr müßt es einfach befolgen!" So entstand ein grenzenloser Haß zwischen den Gelchrten und der Landbevölkerung -... . Daß die Bibel, das Zeugnis aller Völker, von uns und unserer Thora spricht:- „Das ist ein kluges, einsichtiges Volk, diese große Nation, die solche Gesetze besitzt . . .", ist uns auch der Weg ins Lüben dornig gewotden. Als Gegensatz zum geistigen Neid erinnere ich nur an den Ausspruch Moseß anläßlich derWeissaMng Eldad und Medad: „Wäre doch das ganze Volk des Ewigen Propheten, daß der Ewige seinen Geist a u f f t e lege!. . Ja, möchten «alle Menschen weise werden und vom. dem häßlichen geistigen Neid abkasierr dann würde'die Einsicht, die Gott dem -Menschen verlieh, allen Geschöpfen zum Heile werden!