Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 2 (16.1.1923)
- Date
- 1923-01-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3062972-3064121-3064123--11991-3079422- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sciif 4 & D i e W der Aristokratie za Haß mrd Krieg veHetzen, das große Böllerbürümis, die hellige Allianz der Nationen, kömmt zustande, wir brauchen aus wechselseitigem MHtrauen keine stehenden Heere mehr füttern, wir benützen zum Pflug ihre Schwerter und Roste und erlangen Wohlstand und Freiheit". Aber Heine war auch im Banne der Samt- Simonistischen Lehre von der Notwendigkeit einer neuen Organisation der Gesellschaft durchdrungen, in der der Mensch nicht mehr ausgebeutet 'ward von dem Menschen, und da die Saind-Simonisten zu diesem Ende die Völkerverbrüderung nnd den Weltfrieden auf ihr Banner schrieben und in ihrer erträumten Welt Deutschland die Rolle des Kopfes und Frankreich die des Herzens zuwiesen, schien ihm, auch aus diesem Gesichtswinkel gesehen, das Einverständnis zwischen Deutschen und Franzosen das erstrebenswerteste der Ziele, denn die Drohnen bedienten sich hüben «wie drüben des Nativnalhassvs, um Volk wider Volk zu Hetzen und sich so den gerechten Ansprüchen der Arbeitsbienen zu entziehen. Mit solcher Leidenschaft jedoch, wie Heinrich Heine ist Lern anderer Demokrat uNd feht anderer Samt-Siwonist für die deutsch-französische Verständigung ins Feuer gegangen, ungeachtet der Schmähungen, die reichlich auf ihn niederprasselten. In der „Romantischen Schule" und in den Darlegungen „Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland" mühte er sich, den Franzosen Gottesgelchrfamkeit und Weltwistenschaft der Datschen nahezubringen, wie er umgekehrt in der „Augsburger Allgemeinen Zeitung" durch die Berichte über das politische, gesellschaftliche und künstlerische Leben Frankreichs die Deutschen mit dem wahren «-Wesen der Franzosen vertraut zu machen strebte, dieses wie jenes, um Volk an Volk anzunähern. gerade in der Zeitspanne nach 1840, dem Geburtsjahre des deutschen Nationalismus, als sich an der orientah r h e 11 ■ - Nr. 2 Irschen Frage der deutsch-französische Gegensatz neu entzündet' hatte und hier wie dort die Kriegshetzer dröhnend auf ihr Schild schlugen, wNtd er nicht müde, zu warnen, „vor dem fluchwüvdigen Tag, da sich: Deutsche und Franzosen die Hälse brachen zum Bosten von England und Rußland — und zur Schadenfreude aller Junker und Pfaffen des Erdballs". Noch in dem letzten Abschnitt seines Lebens galt sein ungeschwächter Haß den „sogenannten Nationalitäts-Repräsentanten in Deutschland, jenen 'falschen Patrioten, deren Vaterlandsliebe nur in. einer einfältigen Abneigung gegen die Fremden und.die Nachbarvölker besteht" und die „Tag für Tag ihre Galle namentlich über Frankreich ausschütten", und noch der Sterbende, dessen Hand das Schwert entfiel, fand Trost in. der Ueberzeugung, daß der Kommunismus die Nachkömmlinge der Teutomanen von 1815 mit einem Fußtritt wie elendes Gewürm zertreten werde — mit Fug durfte er in sein Testament schreiben, daß er sich um seine Landsleute wie um die Franzosen wohlverdient gemacht habe! Delitzschs Antwort an seine Kritiken Von Bez.-Raibb. Dr. Beer manu, Heilbronn. Auch im zweiten % e-i l von Delitzsch Angrisfsschrift gegen die Bibel . „Die große Täuschung" *) naht der in seinem Fache — der Erschließung der assyrisch-, babylonischen Naturschätze — mit Recht hochgeschätzte Verfasser in fragwürdiger Gestalt. Seine scharfgeschnittene Gelehrtenphysiognomie schaut, uns aus den Zeilen seines Kampsbuches in jener. Leidenschaft entgegen, die inan als turor üieVIaN-ous, d. h. als rasenden Eifer' der Gottesgelchvfamkeit gekennzeichnet hat. Da gibt --:- \ *) D putsche Verlagsanstalt Stuttgart—Berlin. «MS Bialik und die junghebräische Renaissance in Rußland?) Zu des Dichters 50. Geburtstag. Bon Dr. M. Grunwa-ld. Einleitung. x Die junghebrärsche Dichtung in Rußland ist ein Kind der schweren Kampfe, die seit etwa 150 Jahren das geistige Leben der russischen Juden bewegen. Die kriegführenden Mächte sind der Talnmdisnms, der Chastidismus, die Haskala, d. h. ANfklänuttg, sowie in neuester Zeit der Zionismus nnd der Sozialismus. Diese geistigen Betv-eguntzkn, dermr Wogen oft mit ungestümer, stürmischer Wucht aufeinander prallen und selbst auf das politische Gebiet hmÄbedbranden, verdienen eine besondere Schildevung. Vor dam Ausbruch dieser Kümpfe, <Ho vor etwa 150 Jahren, beherrschte 'das Geistesleben 'der Juden Rußlands nur eink Macht: das Talmudstudium. Seine Vertreter waren die geistigen Führer, ihre Wüvde das Ziel des Ehrgeizes jedes gÄveckten Kopses/ Gegen 'das Urberwiegen des rein Verftandesmäßigen, der Dmlektik im Talmudstudium, wie es damals besonders in der Form des *) Mt Benützung der BiaLÄ-Brograppien von Klausner, H. Frank (in der „Zewrsh Quartely Rsytsw", Bd. IS) u. a. Feuilleto« sogenannten Pilpnl betrieben. wurde, sowie gegen eine gewisse Veräußerlichung des religiösen Lübens, die hie nnd da «des fanatischen Zwanges nicht entbehrte, erhob sich eine populäre Opposition, die neben dem Verstände, dem rein abstrakten Forschen und der kategorischen Ethik den Anspruch des Gemütes, das Recht des Gefühlslebens betonte und in einer theoifvphffchen Mystik mit oft hochpoetischer Kraft und spekulativem Diefsinn die Beziehungen des Heizens zur Gottheit und zum Weltall zu verinner- Wchen bestrebt war. Wegen der Betonung der Herzenssvömmigkeit gegenWer dem Kultus führt sie den Namen Chassidismus, vom hebräischen „chastid" — fromm. Ihre Autorität ist nicht der Rabbi, der Gelehrte, sondern «dm Zaddik, der Gerechte, der .durch ein besonders' frommes, goftmniges Leben der Gottheit näher tritt und im Sinne der Kabbala zu gewisien Visionen befähigt wird^ die dem weltlicher fühlenden Menschen versagt sind. Gegen Auswüchse' des Chassidismus ans der einen Seite sowie aus der anderen gegen die altrabbinijsche Orthodoxie, soweit sie sich gegen das Einströmen anderer Bildungsmachte, vor allem der westeuropäischen Aufklärung abschloß, setzt die Haskäla, die Aufklärung, ein, die, an das Wirken Möses Mendelsohns anknüpfend, das Progrännn M'fftellte: Ersetzung des Talmndstndium's in der damals herrschenden Form durch Beschäftigung mit «Modernen Bilidungsgegenständen, Kampf gegen Fanatismus und Merglauben, Erziehung des Volkes zum Ackerbau und' Handwerk, vor allem Einführung moderner Schulen. In Deutschland uird Oesterreich hatte die Haskala gleichzeitig die soziale und politische Selbftböfveiung auf ihren Schild erhoben.' Währendv-v*»: :**:r *säää!ü