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Die Wahrheit · 1923-01-01 · Heft 1 (1.1.1923) · page 15

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 1 (1.1.1923)
Date
1923-01-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Seite IS Rr, 1 Die Wahrheit ar llfll Ch^nukafeiern Montag, dm 16. v. M. fand im großen Saale des Cafe „Reichshof" unter bem Protektorate Sr. Ehvwürden -des Herrn Rabbiner Dr. M. Grunwald, -er auch die Festrede hielt, eine Chanukafeier, veranstaltet unter Mitwirkung einzelner Kräfte 'der „Kcrinzbühne" vom Bevern der Freunde des großen Leopolbstädter DempÄs, statt. Es war ein ebenso schönes wie gelungenes Fest. Das Bergnügungskomiitee mit den überaus rührigen Herren SiegmuNd Ernst, Jacques Adler und S. Meister an der Spitze hat alles ausgeboten, das Gelingen des' Abends zu sichern. Die beifällig aufgenommenen Begrüßungsworte sprach der Obmrnn des Bereines Dr. E. T h a l e r. Der bunte Abend unter der Spielleitung des Herrn Franz Sy ko r a wurde von Herrn Fred Wilde n h e im konferiert. Er bot eine bunte Rechenfolge von Kleinkunst, von der besonders zu erwähnen wäre: Herr Josef Horn als Rezitator, Herr Anton S trn ad, welcher seinem prächtigen Bariton alle Ehre gab. Ihm verhals Herr Felix Blumenthal am Flügel zu vollem Erfolg. Glänzend Fräulein Lilly Strenn als Bortragskünstlerin; Fred Wildenheim unterhielt das Publikum mit geistreichen Aphorismen. Der durch sein glänzendes Menenspiel bekannte Herr Franz Shkora konnte diesmal nicht die richtige Stimmung finden. Brav Fräulein Rosa S t e p h e n s o n und äußerst lobenswert der Clou des Abends» Herr Hacker mit seinem vorzüglichen Programm zur Laute. Es sei noch erwähnt, daß der im Interesse des Tsmpelwiederaufbaues bei jeder Gelegenheit verdienstlich wirkende Herr Michael S t e i s s e l auch diesmal seinen bewährten Wohltätigkeitssinn in Erscheinung treten ließ. :Jc Am Samstage den 16. Dezember 1022, 5 Uhr nachmittags, fand im Betsaale der israelitischen BersorgmrgZ- und Siechenanstalt, wie alljährlich, ein Feftgottesdienst statt. Die feierlichen Gesänge wurden vom Oberkantor I. M o r a e n st e r n, vom Chor des großen Leopvldstädter Tempels unter Leitung des Herrn Dirigenten Hermann trefflichst unterstützt, in erhebender Weise vorgetragen. Se. Ehvwürden Rabbiner Herr Dr. Schwarz hielt eine aktuelle Ansprache in welcher er die Lehren des Chanukafestes für Alter und Jugend hervorhob. Vorher fand dank der. Unterstützung des „Sanierungskomitees" eine Beteilung der Anstaltsinsassen mit Geld, Strümpfen, Socken, Handschuhen, Tabak usw. statt. Ebenso war für ein Festtagsessen in reichlichem Maße vorgesorgt. Als Gäste waren erschienen: Kultusrat Julius Berger, der sich um das Zustandekommen der Geschenke besonders bemüht IjaUe, Kultusvat David Doha rr als Vorstand -der Anstalt, Kultusrat Isidor Schwarz, für Sektion I/IX des Vereines „Wohlfahrt" Obmann Simon Weiner, Obmannstellvertreter Dr. Walter Werner und Schriftführer E. I u s z k o v i t s. Das Sanierungskomitee war auch durch die Herren Franz Den es, Siegmund Ernst, Redakteur Ludwig Hirschfeld und Sigmund Kornmehl vertreten. Für das Arrangement des schönen Festes, das den alten Pfleglingen große Freude bereitet^ gebührt Verwalter Popper besonderes Lob. :jc Dienstag, -den 19. Dezember 1922, fand rm Pazmanitentempel eine Chanukafeier für die Kinder der Bibelschule statt. Obwohl dieselbe für halb 5 Uhr angesetzt war, kamen die Kleinen in Scharen schon vor der festgesetzten Betstunde. Es war ein hübscher Anblick, wie die große Kinderschar andachtsvoll in den ersten Bänken des vom Architekten Reiser erbauten schönen Gotteshauses.faß. Aber auch eine stattliche Anzahl Kinder, die nicht der Bibel schule angehören, wurde von den Tempelbesuchern mitigebracht. Der Vorstand hatte -den Festtag der Kinder besonders säerlich ausgestaltet und wurde für den Gottesdienst ein auf das Doppelte verstärkter wunderbarer Chor verpflichtet. Die tantovale Funktion versah Herr Oberkantor I. .Giblichmann, dem besondere Anerkennung -dafür oebührt, daß er knapp vor feiner Reise nach Amerika — der Vorstand hatte ihm zu diesem Zwecke einen dreimonatigen Urlaub gewahrt — sein gediegenes Können wieder einmal aufs beste bewies. Die Festrede, dre vom Herzen kam und zu aller Herzen ging, hielt Se. Ehvw. Herr Rabbiner Dr. S. Funk, und wie sie die Kinder zu bewegen verstand, erbaute sie nicht minder die Großen. Nach Beendigung des Gottesdienstes kam die Bewirtung -der Kleinen, die die Damen -des Vorstandes Vornahmen, und darf es -diesen als besondere Genugtuung dienen, daß 160 Kindern und deren Eltern ein wirklich schöner Festtag bereitet wurde. Die Ansprache an die Kleinen wurde vom Obmann der Bibelsektivn, Herrn S. A d 1 e t, -gehalten, dann erfreuten die Kleinen das zahlreich erschienene Publikum -durch Vorträge. Das Lob für deren Einstu-dierimg gebührt Herrn: Oberlehrer O e st e r r e i ch e r. Im Anschluß an -das von uns an anderer Stelle gewürdigte schöne Jubiläum -des Blindeninstituts auf der Hohen Warte fattb Sonntag, -den 17. v. M. nachmittags eine Chanukafeier statt, bei der die blinden Kinder nach -dem Anzünden der Lichter einige Lieder und unter Leitung -der Lchrerin Btta Seif ein MärchenspÄ zum Vortrage brachten. Eine reiche Beschenkung lüste einen stundenlangen Jubel der armen Unglücklichen aus. Nach dieser erwartete -die Kknder -eine mit vornehmsten Herzen von Frau Stefanie Schnitzer arrangierte Jause. Frau Schnitzer, Frau Get^de Hofbauer, Frau Ottilie Rosenthal, Frau Dr. Sidonie Kahn, Frau Du-b -und Herr Reg.-Rat Tauss-rg, die sämtliche dem Kuratorium angehören, und die Damen S. Goldschläger, Hedi Toch und Franka Rittermann, die zur -Bescherung viel beitrugen, waren Zeugen -der unendlichen Freude und teilten diese in ihrer feinsinnigen Art mit -den Kindern. * Sonntag, den 17. Dezember 1922, fand im Flovrdsdorfer Tempel ein solennes ChanukaM statt. Unter den Erschienenen bemerkte man: Herrn Kultusvorsteher Moriz Schwarz, Herrn Gabriel Dukes, Obmann des Bethausvorstandes, ferner die Mitglieder Herrn Salomon Weiniger, Herrn S. Czuszka, Herrn 'E. Fanto, Herrn Dr. Max Ticho, Obmann der Talmud Thora, Herrn Hugo Deutsch, ferner die Borstandsdamen des Frauenvereines Henriette Grünwald, Präsidentin Babette Rofenm a n n, Bizepräfidentin Frau Salom. Weiniger, Frau Therese Grünwald u. v. a. Ehrwüvden Herr Rabbiner Dr. M. Rosenmann hielt eine schwungvolle Festrede, in der er die Bedeutung des Festes auseinandersetzte und aufforderte, zum jüdischen Idealismus zurückzukehren und die uralten jüdischen Tugenden: Schlichtheit und Bescheidercheit nach außen und inniges Zusammenstehen und Zusammenhalten nach innen, wieder zu betätigen. Herr Kantor Eibenschitz versah die Tempelfunktionen in erhebender Weise, worauf mehrere Kinder einige auf das Chanukasest bezughabende Gedichte vortrugen. — Nach Schluß des Gottesdienstes fand im Sitzungssaal« -der Gemeinde eine Bewirtung von zirka 100 Kindern statt, wobei Herr Rabbiner Dr. Rosenmann an die Kinder eine Ansprache hielt, in der er -darauf hinwies, daß -das Chanukasest im Schrifttum als ein „Tag -der Klänen" bezeichnet wird, und daß daher -die Jugend -ihren Anteil an der Feier hüben müsse. Um die Bewirtung der Schulkinder, welche vom Frauenverein der Talmud Thora und -dem Verein der Kinderfreunde bestritten wurde, haben sich besondere Verdienste erworben die Herren: Jacques Weiß, Sam. Präger, Dr. Ticho und die Damen: Frau Direktor Gutherz, Fräulmn Therese Schnabl, Frau Therese Grunwald und viele andere. Fernsprecher. „Wahrheit." Wir danken für freundliche Einsendung. Auch uns ist die famose Bolksschrift „Die Wahrheit" — sie Zeitung zu nennen, hieße sie beleidigen — bereits zu Gesicht gekommen. Nochmals gegen die Usurpierung des Titels vorzugehen, erübrigt sich, denn der seinerzeit -wegen Bank- und Kassenraubes verhaftete Herausgeber hat fick auf unser Einschreiten bemüßigt gefühlt, den Titel ohnehin in „Dre ideale Ordnung" (wie er sie sich vovstellt!) umzuändern, nur die vorliegende Nummer führt noch dm alten Titel. Wegen des gegen uns erhobenen Borwurfs sich aufzuregen oder gar zu klagen, halten wir nicht für notwendig, denn er wird auch gegen die anderen 76 „Wahrheiten" erhoben, von denen nach „statistischem Beweis" in Deutschland und Oesterreich 76 existieren, die alle mit Ausnahme der Brünner (das liegt auch in Oesterreich?) ..Wahrheit" und der Wiener „Wahrheit und Liebe" (die sich wohl l Herrn Kende zu Liebe und um chm nicht wie wir Schwierigkeiten zu machen „Wahrheit und Liebe" nennt, also kaum „stattstisch" als reine „Wahrheit" zu betrachten ist) lügen. Außerdem bezeichnet der gute Mann uns als die ».Wiener jüdische Kantoren- Zeitnng". Wenn er nicht einmal weiß, was wir find, dann mag n ruhig ein Urteil über uns fällen, das uns aber, wie gesagt, ganz kalt läßt. I. L. Die Zeitung müßte noch erscheinen, die allen Lesern zu Gefallen schreiben könnte. Auf Eigenbrödler — verzeihen Sie, daß wir auch Sie als solchen anfprechen — kann nicht Rücksicht genommen werden. Selbst wenn sie schmollend abseits bleiben. tj Frei. Es hat sich allerdings herumgesprochen, daß ein hervorragender StaatÄvüröxmträger durch eine ungehaltene Rede Aufsehen erregte, weil er über ein Festrede ungehalten war. Das kann sein oder auch nicht. Ein bloßes „man sagt" ist aber kein Beweis. Hier haben Sie die Erklärung für unsere Nkchtstellungnahme. Uebriaens käme die Sache heute sehr post festrnn im wahren Sinne des Wortes.

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